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"Wir sind im Krisenmodus"
'Wir sind im Krisenmodus'
20.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Loffenau - Die Rahmenbedingungen für ein starkes Borkenkäferjahr sind gut. Das bereitet den Förstern fast überall in Europa Sorgen. Auch in Loffenau, wie Forstbezirksleiter Markus Krebs am Freitagnachmittag bei der Waldbegehung des Gemeinderats erklärte. Seit der Jahrtausendwende habe es keine wirklich kalten Monate April bis Juli mehr gegeben. "Die Auswirkungen sind spürbar im Wald", so Krebs. Durch die anhaltende trockene Hitze im Jahr 2018 und deren Auswirkungen befinde man sich aktuell in einer Krisensituation.

Wie man darauf reagieren kann, verdeutlichte der Forstbezirksleiter anhand einiger Papiere, die er entlang des Weges zur Vogelwiese am Rißbuckel aufgehängt hatte. Im Hintergrund war genau das zu sehen, "wo wir in Loffenau hinwollen": ein stabiler Mischwald mit erfolgreicher Naturverjüngung. Die Situation im Gemeindewald sei verglichen mit der Waldfläche von Baden-Württemberg insgesamt, die zu 38 Prozent stark beschädigt sei, noch etwas günstiger, betonte Krebs: "Einen gesünderen Wald als diesen hier kann es nicht geben." Das bedeute allerdings nicht, dass man einfach so sagen könne: "Weiter so!"

Man müsse sich auf den Klimawandel einstellen und den Wald darauf vorbereiten - zum Beispiel mit einem vermehrten Anteil an Douglasie. Die Baumart aus dem Westen Nordamerikas komme mit dem Klimawandel am besten zurecht, wachse mit am schnellsten, habe keine nennenswerten Probleme mit dem Borkenkäfer - "und sie wird gut bezahlt", erklärte der Forstexperte. Aktuell seien sieben Prozent der Bäume im Loffenauer Gemeindewald Douglasien, informierte Revierleiter Günther Taub. Tendenz steigend, wie er von der Rißwasenhütte aus an einer Freifläche veranschaulichte, die man nach dem Orkan Lothar 1999 wieder aufgeforstet hat - zu zwei Drittel mit Douglasie. Um den Wald für die Herausforderungen der Zukunft fit zu machen, denke man in Loffenau aber auch über andere trockenstresstolerante Baumarten nach, wie etwa Libanon-Zeder oder Baumhasel.

Waldbaden mit dem Spiegel in der Hand

Für den Gemeinderat immer von Bedeutung ist die Ertragsseite des Waldes. Diesbezüglich stehen Einnahmen in Höhe von 150 000 Euro im aktuellen Haushaltsplan. Ob diese tatsächlich erwirtschaftet werden können, sei derzeit aber mehr als fraglich, so Krebs. Aktuell werde planmäßig kein Holz mehr geerntet, weil der Markt dicht sei. Vor allem beim Fichten- und Tannenstammholz gebe es ein extremes Überangebot. Deshalb sei man in Loffenau gut beraten, Bäume, die nicht vom Borkenkäfer befallen sind, stehen zu lassen. Vom Planansatz habe man bislang rund 43 Prozent geerntet. Die Förster warten derzeit auf die erste Borkenkäferwelle; dann gelte es wieder, schnell zu sein. Diesbezüglich sei man in Loffenau noch gut aufgestellt, "aber wir sind schon im Krisenmodus", betonte Krebs.

Um die Erholungsfunktion des Waldes in den Fokus zu rücken, war Kristina Schreier bei der Waldbegehung dabei. Die Leiterin des Infozentrums Kaltenbronn stellte einige waldpädagogische Angebote der Einrichtung vor und ließ die Kommunalpolitiker unter anderem mit Spiegeln im Wald baden, um den Blickwinkel zu weiten. Neben dem betriebswirtschaftlichen Nutzen des Waldes stellte sie die Bedeutung des Ökosystems für die Gesunderhaltung der Erde und dessen Schutzfunktion in den Vordergrund.

Dass man stets bemüht sei, so naturnah wie möglich mit dem Ökosystem Wald umzugehen, unterstrich auch Markus Krebs. Der Forstbezirksleiter betonte, dass der Wald nicht nur Betroffener des Klimawandels sei, sondern auch Akteur: So filtere der Loffenauer Wald mit seinen rund 425 000 Kubikmetern Holz etwa 400 000 Tonnen des Treibhausgases CO 2 - und ist damit aktiver Klimaschützer.

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