www.spk-bbg.de/branchensieger
http://www.badisches-tagblatt.de/weihnachtsabo/index.html
Die große Kraft der jungen Fichten
Die große Kraft der jungen Fichten
21.05.2019 - 00:00 Uhr
Gaggenau (er) - Am Samstagnachmittag wurde in Hörden ein Stück Heimatgeschichte lebendig, als Mitglieder der Flößergilde eingeweichtes Holz von der Murg holten und es durch das Tor zum Kast'schen Hof trugen. Beim Festhock des Heimatvereins verschmolz die Geschichte mit der Gegenwart, als den Besuchern die überlieferte Herstellung von Wieden präsentiert wurde. Anlass dafür war die wissenschaftliche Erkenntnis ihrer enormen Zugkraft, die früher zum Verbinden der Floßstämme genutzt wurde.

Unter fachkundiger Anleitung der Flößergilde ließen es sich die Ortschaftsräte Barbara Bender und Joachim Huber nicht nehmen, selbst eine Wiede zu drehen. Doch bevor diese Aktion am Wiedenstock vollführt werden kann, muss der dünne Stamm einer jungen Fichte drei Tage im Wasser gelegen haben und wird dann für etwa 15 Minuten im Bähofen erhitzt. Zum richtigen Zeitpunkt muss er wieder herausgenommen werden - bestenfalls ohne ein Anbrennen der Rinde.

Fünf Vereinsmitglieder der Flößergilde Calmbach kannten sich mit diesem alten Handwerk bestens aus und demonstrierten den Festbesuchern immer wieder, wie der heiße Stamm am Wiedenstock um die eigene Achse gedreht wird. Die dabei entstehenden Längsrisse zwischen den Holzfasern verhindern einen Biegebruch und machen die Wiede zu einem außergewöhnlichen Baumaterial. Keine Frage, dass die Zugkraft dieser "Seile" enorm sein muss, wenn damit riesige, beladene Flöße zusammengehalten wurden. Die geschichtsbegeisterten Mitglieder des Heimatvereins wollten es aber genauer wissen und hatten ein Projekt mit dem KIT Karlsruhe ins Leben gerufen, um zu testen, wie viel Gewicht eine Wiede tatsächlich aushält. Als Vorsitzender des Heimatvereins erklärte Bernd Kraft das Experiment, für das die Vereinsmitglieder entsprechende Wieden hergestellt hatten, die am KIT in eine spezielle Zugprüfmaschine gespannt wurden. Der Belastbarkeitstest kam zu einem Ergebnis, das laut Kraft auch die Flößerfachwelt überraschte: Erst bei einem Gewicht zwischen 1,8 und 2,7 Tonnen rissen die Wieden aus ihrer Einspannung. Zuvor hatte es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür gegeben - das war Grund genug, um sich diesem Handwerk beim Hoffest zu widmen.

Allerdings durften auch die selbst gemachten Brote und frischen Flößertaler beim Sommerfest des Heimatvereins nicht fehlen, sodass der eigene Holzofen belegt war. Gut, dass die Flößergilde Calmbach mit ihrem fahrbaren Ofen aushelfen konnte, um die Wiedenherstellung in Hörden präsentieren zu können. Der besondere Anlass hatte auch den Vorsitzenden der deutschen Flößervereinigung, Martin Spreng, in zünftiger Kleidung nach Hörden geführt.

Nur wenige Radler



auf der Tour de Murg

Zu den Heimatfreunden gesellten sich am Nachmittag sieben Radfahrer, die morgens in Freudenstadt die "Tour de Murg historisch" begonnen hatten und im Kast'schen Hof ihre gemeinsame Fahrt beendeten. Dass es anstatt der oft über 30 Teilnehmer dieses Mal so wenige waren, führten die Radler auf die späte Ausschreibung oder die unstete Wettersituation zurück. "Wir hatten dennoch unseren Spaß", war der harte Kern sich einig.

Während der Radtour war das Wetter schön geblieben - am Nachmittag bildeten sich über Hörden aber mehr und mehr Wolken; eine Führung durchs Museum kam da genau richtig. Als es zur Musik des "Bernstein Trios" aber stark regnete, rückten die Freunde der Heimatgeschichte enger zusammen und ließen das Sommerfest unter den geschützten Dächern des heimeligen Hofs ausklingen.

Zum Abschluss des Wiedenprojekts hat die Flößervereinigung bereits das nächste Ziel vor Augen: Eine internationale Anerkennung der Flößerei als immaterielles Kulturerbe der Menschheit.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Wangen
Extreme Niederschläge im Land

21.05.2019
Extreme Niederschläge im Land
Wangen (lsw) - Bis zu 70 Liter Regen pro Quadratmeter sind in den vergangenen 24 Stunden in Teilen Baden-Württembergs gefallen. Die Stadt Wangen im Allgäu hat in der Nacht auf Dienstag Hochwasseralarm ausgelöst. Am Dienstag soll es noch weiterregnen (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Rastatt
Musikalisches Kaleidoskop der Emotionen geboten

21.05.2019
Kaleidoskop der Emotionen
Rastatt (rw) - Nachdem es mit dem Kirchenkonzert in St. Alexander nicht geklappt hatte, servierte der Tenor Jay Alexander auf der Bühne der Badner Halle ein mit stehenden Ovationen des Publikums gefeiertes Konzert. Seine Serienhits waren ein Kaleidoskop der Emotionen (Foto: rw). »-Mehr
Au am Rhein
Schnaken und Hochwasser besiegt

20.05.2019
Vierfaches Jubiläum
Au am Rhein (HH) - In der Rheinauhalle in Au am Rhein, wo an schön dekorierten Rundtischen 240 Gäste Platz fanden, haben Gemeinde und Vereine vierfaches Jubiläum gefeiert. Au am Rhein beging sein 1 200-jähriges Bestehen, und drei Vereine hatten gleichfalls runde Geburtstage (Foto: HH). »-Mehr
Bühl
Politische Zeitreise

20.05.2019
Politische Zeitreise
Bühl (up) - Der CDU-Stadtverband feierte im Friedrichsbau sein 25-jähriges Bestehen. Rund 100 Mitglieder und Gäste kamen zu der Veranstaltung, die von den Schwarzwaldbuben musikalisch umrahmt wurde. Festredner war der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Götz (Foto: up). »-Mehr
Baden-Baden
Mit Kraft und Naivität

20.05.2019
Ein Abend mit Mario Adorf
Baden-Baden (sr) - Auch mit fast 89 Jahren hat der Schauspieler, Buchautor und Entertainer Mario Adorf nichts von seiner Faszination verloren. Auf seiner Abschiedstournee "Zugabe" begeisterte er jetzt ein großes Publikum im Festspielhaus Baden-Baden (Foto: Viering). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Etwa jeder zweite Kunde in Deutschland nimmt nach einem Einkauf den Kassenbon mit. Stecken Sie die Auflistung ein?

Ja, immer.
Manchmal.
Nur wenn es um eine Garantie geht.
Nein.


https://www.eyesandmore.de
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz