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Nur in Hörden kein Jubel
Nur in Hörden kein Jubel
31.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Franz Mors

Murgtal - Am 31. Mai 1869, einem Montag, wurde nach etwas mehr als neunmonatiger Bauzeit die Murgtal-Eisenbahn von Rastatt nach Gernsbach eröffnet. Zunächst fuhr der Zug an diesem Festtag mit den Herren vom Verwaltungsrat und "Festungscomite" von Gernsbach nach Rastatt. Dort empfing man am geschmackvoll und reich verzierten Bahnhof namhafte Gäste aus Karlsruhe, darunter auch den Präsidenten des Handelsministeriums. Weitere Staats- und Gemeindebeamte, aber auch hohe Offiziere und der Gouverneur der Festung Rastatt stiegen zu. Danach dampfte die Lok des Festzugs, angeblich mit 16 Wagen, ab in Richtung Gernsbach.

Der Tag geriet trotz schlechten Wetters, so das "Rastatter Wochenblatt", zu "einem wahren Volksfest". Die Haltestationen auf der Strecke waren beflaggt und festlich geschmückt. Die Zugreis enden erlebten Jubel und begeisterte Menschen. Böllerschüsse und Musik waren überall zu hören - nur nicht im Flößerdorf Hörden.

Der Reporter der "Karlsruher Zeitung" wusste am 2. Juni 1869 dazu mehr zu berichten: "Die Anwohner dieser Station brachten Abwechslung in die Empfangsfeierlichkeiten dadurch, daß sie gar keine veranstaltet hatten. Man sagte uns, sie seien etwas ungehalten auf die Eisenbahn, weil sie dieselbe für eine Konkurrentin der Flößerei ansehen. Doch auch hier wird mit der Zeit bessere Einsicht sich Bahn brechen."

Historisches

Dem Berichterstatter des "Rastatter Wochenblatts" hingegen war die Fahrt im Festzug "nicht vergönnt". Das tat seiner Begeisterung keinen Abbruch: "Ein lange und sehnlichst gehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen." Das Eisenbahnprojekt sei bekanntlich das Resultat bürgerlichen Gemeinsinns. "Ausdauer, Umsicht und Thatkraft der an die Spitze des Unternehmens gestellten Männer, die einsichtsvolle und unermüdliche Thätigkeit der technischen Leiter des Baues haben das Werk zu glücklichem Ende geführt. Gewiß fehlte daher nicht die Berechtigung, den freudigen Empfindungen hierüber einen geeigneten Ausdruck zu geben."

Zur Verwirklichung des Projektes war eigens eine Aktiengesellschaft, die Murgtal-Eisenbahn-Gesellschaft, gegründet worden. "Möge nun die neue Bahn dazu beitragen, Handel und Wandel zu beleben." So das "Rastatter Wochenblatt" am 3. Juni 1869.

Um 13.45 Uhr erreichte der Festzug den Bahnhof Gernsbach. Auch dort war eine große Volksmenge "zusammengeströmt". Bürgermeister Abel, zugleich Vorstand des Verwaltungsrats der Murgtalbahn, begrüßte die Festgäste. "Nach Darreichung des Ehrentrunkes durch die liebenswürdigen Jungfrauen Gernsbachs bildete sich der Festzug und begab sich unter abermaligen Salutschüssen, den Klängen der mitgekommenen Militärmusik und dem Jubel der Einwohner durch die in der Nähe des Bahnhofs errichtete Ehrenpforte in die reich und sinnig geschmückte Stadt." Das Festmahl, begleitet durch "erhebende Trinksprüche", fand im Badhaus statt.

Das vorgesehene Bankett auf der "Insel" musste wegen des regnerischen Wetters abgesagt werden. Dennoch soll sich auch dort ein "reges Treiben" entfaltet haben. Um 19 Uhr startete dann der Festzug mit der Rückfahrt nach Rastatt. Diese "glich", so das "Rastatter Wochenblatt", "insofern der mittägigen Festfahrt, als bei ihr auf allen Stationen dieselbe Stimmung herrschte."

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