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Resignation ist ihm fremd
Resignation ist ihm fremd
01.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Loffenau - "Das hätte ich nie gedacht, dass ich das schaffen würde!" Um hinzuzufügen, dass er vor mehr als 20 Jahren ziemlich unüberlegt versprach, in Paraguay eine "Regenbogen-Schule" zu bauen. Die Rede ist von Hans-Jürgen Drews, der in Loffenau lebt und der morgen zusammen mit seiner Frau, südamerikanischen Kindern und Jugendlichen am liebsten im fernen Paraguay seinen 80. Geburtstag feiern würde.

Statt Trubel in su btropischem Klima steht eine Feier mit gemäßigten Temperaturen in gepflegtem Ambiente zusammen mit der Familie seines Sohnes Axel an. Seine Tochter lebt in Kanada und wird mit ihm nachfeiern.

Das 80-jährige Leben des Malermeisters ist mehr als die Summe seiner beruflichen und persönlichen Etappen, seiner Erfolge und Misserfolge. Drews besticht mit seiner Aktivität, seinem humorvollen, immer optimistischen Umgang mit seiner Umwelt. Resignation scheint ihm fremd. Selbst dann, wenn er von der Enttäuschung spricht, irgendwann sein Leben zusammen mit seiner Frau Ursula nicht in Paraguay ausklingen lassen zu können, geschieht das mit einem Lächeln. "Eigentlich ist mir bisher alles so gelungen, wie ich wollte", lautet sein Fazit.

Am 2. Juni 1939 im sächsischen Chemnitz geboren, war es für Drews nach seinem Schulabschluss klar, in die beruflichen Fußstapfen seines im Krieg gefallenen Vaters zu treten: Er begann eine Schreinerlehre - um nach anderthalb Jahren wegen gesundheitlicher Probleme eine Ausbildung zum Maler und Tapezierer in Angriff zu nehmen. Er wäre auch gerne Lehrer für Kunst geworden, ist doch Malerei von jeher sein großes Hobby. Doch ohne Abitur war ihm dieser Weg verbaut. Jeder, dem Drews einen Einblick in sein künstlerisches Schaffen gibt, ist erstaunt von der Kreativität des Mannes: Monet neben Van Gogh, ein echter Drews in der Nähe zu Gemälden des Expressionisten Otto Müller.

Nach beruflichen Etappen über Ludwigsburg, Stuttgart, die Schweiz fand er von 1960 bis 1964 den für ihn richtigen Weg. In München lernte er an der Münchner Fachhochschule für das deutsche Malerhandwerk alles, was für die erfolgreiche Ausübung dieses Handwerks notwendig ist. Danach bestimmten zwei Lieben sein Leben: Das war und ist seine Ursula, die er in München kennenlernte und 1965 heiratete. Und er begeisterte sich spontan als Fachberater eines Lack- und Farbenherstellers für Loffenau, als er dort dienstlich zu tun hatte.

Spätestens als Tochter Susan und zwei Jahre später Sohn Axel zur Familie stießen, war es für Hans-Jürgen an der Zeit, über einen Hausbau und eine berufliche Selbstständigkeit nachzudenken. Ganz allein und unter schwierigen räumlichen Bedingungen begann er, erarbeitete sich dann aber mit seiner Malerfirma Drews in Gernsbach rasch einen guten Ruf. Inzwischen gehören etwa 20 Fachleute zum Team, Sohn Axel hat längst das Ruder übernommen.

Schule in Paragua prosperiert

Als Drews die Firmenschlüssel vor 20 Jahren mit ruhigem Gewissen übergab, kam es fast leichtfertig zu einem weiteren Entschluss: im paraguayischen Regenwald eine Schule zu bauen. So sollten möglichst viele Kinder, egal, welchen Glaubens, ob Weiß oder Indio, einen Schulabschluss erreichen. Land wurde gerodet, Zäune errichtet, eine Ranch musste gegründet werden, um sich von den Erträgen der Viehhaltung finanzieren zu können. 1999 war das erste Lehrer-Ehepaar für die damals 22 Kinder eingestellt. Heute werden dort 254 Schüler unterrichtet.

Was anfangs bei Einheimischen auf lächelndes Kopfschütteln stieß, ging trotz einiger Rückschläge letztlich stetig aufwärts. Im September feiert die Regenbogenschule heute als staatlich anerkanntes Bildungszentrum ihr 20-jähriges Bestehen. Schulgründer Drews wird natürlich dabei sein. Zu seinen traurigsten Momenten gehört, dass er vor zwölf Jahren seine privaten südamerikanischen Übersiedlungspläne begraben musste, weil seine Frau erkrankte. Doch wer meint, dieses Kapitel sei damit abgeschlossen, der irrt. Selbst in seinen Träumen sieht er sich noch an "seiner" Schule.

Durch die Gründung des Fördervereins "Escuela Arco Iris" sammelt er als Vereinsvorsitzender weiter Mittel zur Unterstützung. Ist Drews mit seiner Lebensbilanz zufrieden? Nach kurzem Überlegen antwortet der Jubilar lächelnd: "Ist das nicht das Äußerste, was ich erreichen konnte? Zwei Drews gegen die Welt, gegen die eingefahrene Vorstellung, selbst wenig oder gar nichts tun zu können."

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