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"Ich hätte meine Tiere nie leiden lassen"
'Ich hätte meine Tiere nie leiden lassen'
12.06.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj ) - Nach den tierschutzrechtlichen Vorschriften darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Doch wie kann man mit Sicherheit feststellen, ob ein solcher Straftatbestand vorliegt? Reicht es aus, behördlich festgelegte Standards für artgerechte Haltung nicht hundertprozentig einzuhalten? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich derzeit ein Strafverfahren vor dem Amtsgericht Gernsbach. Dort muss sich eine 68-jährige Murgtälerin wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten.

"Ich hätte meine Tiere nie leiden lassen", bekräftigte die Angeklagte. Immer wieder kamen ihr die Tränen, wenn sie über ihre Haustiere - unter anderen ein Hund, mehrere Kaninchen, Nattern, Ratten, Leguane, Chinchillas, Wasserschildkröten und mehr - sprach. Denn sie vermisse sie sehr. Die Hoffnung, sie wiederzubekommen, hat sie nach wie vor. Ob sie in absehbarer Zeit wieder welche daheim aufnehmen darf, liegt am Urteil des Gerichts.

Gestern wurde das Verfahren zunächst ausgesetzt - weil es ungenügend vorbereitet war, wie sich Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch beklagte. Denn der Fall der Angeklagten beschäftigt nicht nur das Amtsgericht, sondern auch mehrere Verwaltungsgerichte. Zudem benötige man den Rat eines externen, unabhängigen Sachverständigen, um den Sachverhalt strafrechtlich aufzuarbeiten.

Fakt ist, dass die Angeklagte nach mehreren anonymen Hinweisen seit dem Jahr 2014 achtmal vom Veterinäramt kontrolliert worden ist. Dabei seien bei der Haltung von 24 Tieren zunächst "kleinere Verstöße" festgestellt worden, ehe sich die Situation immer weiter verschlechtert habe, wie eine Zeugin betonte. Die Mitarbeiterin des Landratsamts Rastatt bemängelte unter anderem den Zustand der Kaninchenkäfige, die überall feucht und verkotet gewesen seien, unsauberes Wasser, verschimmeltes Brot, zu wenig Licht für die Reptilien, zu geringe Grabtiefe für weibliche Schildkröten und mehr. Daraus schlussfolgerten die Behörden, dass es aufgrund der hygienischen Zustände und der Art der Fütterung zu "erheblichen Schmerzen und Leiden" der Tiere gekommen sei, was in drei Fällen gar zum Tod geführt haben könnte.

Die Angeklagte wies diese Vorwürfe zurück und betonte, sich stets nach bestem Wissen und Gewissen um ihre Tiere gekümmert zu haben. So sei die Strumpfbandnatter, die das Veterinäramt tot in ihrer Wohnung aufgefunden habe, eines natürlichen Todes gestorben; selbiges habe für einen Fisch im Aquarium gegolten - beide seien schon sehr alt gewesen.

Verteidiger Hans Busch verwies darauf, "dass der Nachweis fehlt, dass die Tiere tatsächlich gelitten haben". Zudem machte er eine "tendenzielle Berichterstattung" seitens des Veterinäramts aus, das aufgrund der "sehr strengen Standards" Vorwürfe "aus dem Hut gezaubert" habe: Die meisten Tiere seiner Mandantin seien in Top-Zuständen gewesen. Die 68-Jährige bestätigte das und beklagte sich, man habe immer nur die Schwachstellen fotografiert, die für sie zum Nachteil ausgelegt werden könnten; andere, positive Sachen habe man hingegen "absichtlich nicht gesehen". Sie sprach im Gerichtssaal davon, "schikaniert" worden zu sein - sowohl von ihren Nachbarn (Mobbing) als auch vom Veterinäramt, dessen Auffassung über die artgerechte Haltung ihrer Tiere sie nicht teile.

Richter Koch nannte die "ekligen Bilder" von den Kaninchenkäfigen "eine Sauerei", die schon darauf schließen lasse, dass die Angeklagte mit der Haltung der mehr als 20 Tiere überfordert gewesen sei. Auch deshalb habe das Veterinäramt zunächst im August 2016 verfügt, ihren Tierbestand auf 14 zu reduzieren. Nach einer weiteren Beschwerde kam es dann im November 2017 zu einer Nachkontrolle. Die Tiere seien bis dahin zwar reduziert worden, die Zustände der Unterbringung und der Fütterung aber nach wie vor alles andere als artgerecht, wie die Zeugin weiter ausführte. Es folgte die Anordnung eines absoluten Tierhaltungs- und Betreuungsverbots.

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