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Das Strandbad im Traischbachtal
21.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Wessel

Gaggenau - "Alles schon mal dagewesen!" kommt es einem in den Sinn, wenn man im Heimatbuch 2009 des Landkreises Rastatt nachliest, dass vor 90 Jahren - am 1. Juni 1929 - das Gaggenauer Naturbad feierlich in Betrieb genommen und als Strandbad bezeichnet wurde. Bis 1957 erfolgte die Wasserversorgung statt durch den Traischbach und den Weierle über das städtische Kanalnetz.

Erst im Folgejahr wurde eine Umwälzanlage in Betrieb genommen. Und rund 50 Jahre später, im Juli 2006, wurde das Waldseebad nach aufwendigen Umbaumaßnahmen wieder als Naturbad eröffnet. Es musste jedoch bekanntlich im Frühjahr 2016 nach einem schweren Unwetter geschlossen werden. Jetzt wird eine Wiedereröffnung als kombiniertes Natur- und Erlebnisbad für den Mai 2021 in Aussicht gestellt.

Die Initiative zum Bau des Waldseebades kam vom damaligen Bürgermeister August Schneider und vom Kneipparzt Dr. Richard Rahner. Letzterer hatte als Vorsitzender des örtlichen Kneippvereins bereits 1927 im Traischbachtal eine Kneippanlage errichten lassen. Hierzu war bereits am 27. Mai 1927 im Gaggenauer Boten zu lesen: "Der Verwaltungsrat des neugegründeten Kneippvereins unternahm vorgestern früh eine Besichtigung des Draisbachtales. Hier soll ein Kneippinarim geschaffen werden, um dort die verschiedenen Arten der Kneippschen Wasserheilmethode vorbeugender Natur zu üben, wie Tautreten, Wassertreten, gymnastische Übungen. In rechter Fröhlichkeit wurde das Tautreten genügend ausprobiert und die Leichtgymnastik gezeigt und geübt."

Und danach wird deutlich, dass neben dem Arzt Dr. Rahner auch Bürgermeister Schneider ein Anhänger der Kneippschen Lehre war, denn es heißt weiter: "Herr Bürgermeister Schneider gab dabei praktische, in Wörishofen erprobte Anleitungen. Alle Teilnehmer fühlten sich nach vierstündigem Marsch wie neugeboren. Nun soll offiziell mit Kneipps Methode begonnen werden."

Auf der Rückseite einer colorierten Postkarte des Gaggenauer Fotografen Flora ist zu lesen: "GAGGENAU - Städt. Naturschwimmbad im Draischbachtal". Die Aufnahme muss noch vor der Einweihung gemacht worden sein, denn ein Sprungturm ist nicht zu erkennen. Heißt es doch im Gaggenauer Boten vom 4. Juni 1929 zur feierlichen Eröffnung: "Das neue Bad kann sich sehen lassen weit und breit. Es gehört zu den Badeanlagen in unserer engeren Heimat, die in ihrem Aufbau und in der Benützungsmöglichkeit ohne Zweifel vorbildlich werden. Im vorigen Jahr hatten wir bereits das Ganze in seinem Rudiment vor uns. Schon damals erregte es den Gefallen der Einwohner wie der Fremden. Nun ist es wesentlich erweitert worden, hat große Sprungrampen und Zielstöcke bekommen, eine steinerne Böschung mit Treppen, eine Sonder-Abteilung für Männer und eine für Frauen; zur Besonnung und zu gymnastischen Übungen ein Luftbad am Grafenkopf, ebenfalls getrennt für Männer und Frauen, eine Einfriedung, einen Parkplatz für Automobile, reichlich Sitzbänke zum Ausruhen."

Der Erfolg gab Bürgermeister Schneider Recht. Bereits am 1. August 1929 schreibt er an das Badische Bezirksamt in Rastatt: "Die Anlage hat einen guten Anklang und Zuspruch gefunden. Insbesondere haben sich durch dieses Bad auch Kurgäste in Gaggenau eingefunden."

Beim Betrachten der Postkarte von Flora geben Bäume mitten im Becken des Naturbades Rätsel auf. Doch dieses Rätsel lässt sich lösen: Als besonderer Reiz des Bades gibt es auch die Möglichkeit der Bootsfahrt zu einer kleinen baumbestandenen Insel.

Der getrennte Ausweis von Bade- und Liegeflächen für Männer und Frauen oder gar Wochentage getrennt nach Geschlechtern hatte nicht lange Bestand. Ein Zaun verschwand gar "über Nacht".

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