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Der "Stadtwald Wannenrain"
Der 'Stadtwald Wannenrain'
21.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Wer von der Kreuzlehütte aus dem Oberen Ewigen Weg folgt und nach 500 Metern auf den Grasweg abbiegt, erreicht nach etwa eineinhalb Kilometern die Höhe "Stadtwälder Kopf". Die eigenartige Ortsbezeichnung verwundert. Staatswald soweit das Auge reicht, weit und breit keine Stadt und auch kein Stadtwald. Doch spielt auch hier ein Teil der 800-jährigen Ortsgeschichte von Gernsbach, denn die Stadt besaß hier oben tatsächlich jahrhundertelang Wald. Und nicht nur hier. Auch im Rombachtal bei Enzklösterle gab es städtischen Waldbesitz. In zwei Folgen erzählen wir die Geschichte dieser beiden Gernsbacher Wälder.

Die Kaltenbronner Waldungen - inzwischen längst Staatswald - gehörten einst auch zahlreichen privaten Waldbesitzern. Wie ein Kaufbrief belegt, kaufte die Stadt Gernsbach dem Wendel Molrich von Langenbrand im Jahr 1517 einen Wald "in der Wanne" ab. Dabei handelt es sich um jenes Waldstück nordöstlich der Kreuzlehütte. Es wurde später der "Stadtwald Wannenrain" genannt. Gleichzeitig erwarb die Stadt von Hanns Schwebel von Au bei Weisenbach einen Wald im Rombachtal. Elf Gulden waren für beide Waldstücke zu bezahlen.

Was hat die Gernsbacher Räte bewogen, die beiden weit abgelegenen Bergwälder zu kaufen? Es waren mit Sicherheit die Weißtannen, die dort oben wuchsen. Wie Forstmeister Wilhelm Franz von Kettner 1843 berichtet, war der Wald rings um die Stadt "vordem ein lichter Eichenwald".

Historisches

Günstig, um dort die Schweine zur Mast einzutreiben. Doch Eichenholz ist aus verschiedenen Gründen nicht ideal zum Bau großer Dachstühle - aber die langgewachsenen Tannen des Bergwalds sind es. Ein zweiter wichtiger Grund für den Waldkauf war der sich positiv entwickelnde Holzhandel im 16. Jahrhundert.

Doch in den Wäldern gab es damals weder Weg noch Steg. Wie sollte man die Tannen von den Kaltenbronner Höhen nach Gernsbach transportieren? Ganz stimmt es nicht, dass es keine Wege gab. Seit dem frühen Mittelalter zog sogar eine veritable Handelsstraße - die Alte Weinstraße - von Besenfeld kommend direkt nach Gernsbach. Und beide Waldstücke, der "Stadtwald Wannenrain" bei der Kreuzlehütte und der Wald im Rombachtal lagen in der Nähe der Alten Weinstraße.

Als Ende des 18. Jahrhunderts der "Stadtwald Wannenrain" ziemlich ausgehauen war - nicht zuletzt der Holländer Holzhandel hatte zu starken Übernutzungen geführt - versuchte Gernsbach, den Wald abzustoßen und bot ihn der Markgrafschaft zum Tausch gegen Wald in Stadtnähe an. Die Kaufverhandlungen 1787 bis 1791 scheiterten aber, weil Gernsbach die fünffache Fläche forderte.

Der 314 Morgen (113 Hektar) große Wald auf dem Kaltenbronn blieb also weiter Stadtwald. Er erstreckte sich von der Kreuzlehütte aus längs des eingangs genannten Graswegs bis knapp zur Höhe Stadtwälder Kopf, umfasste die kleine Hochfläche und fiel dann steil hinab bis zum Brotenaubach.

1843 beschreibt Forstmeister von Kettner den sehr lichten Wald aus Weißtannen und Kiefern. Heidelbeere und Heidekraut bedeckte den Boden. An einigen Stellen hatte man versucht, Fichten zu säen und zu pflanzen.

Waldtausch plus



"Aufgeld"

1852 versuchte Gernsbach erneut, den "Stadtwald Wannenrain" loszuwerden. Und diesmal mit Erfolg. Die großherzogliche Bezirksforstei Kaltenbronn übernahm den Wald und gliederte ihn in den Staatswald ein. Heute erinnern noch die Abteilungsnamen Wannenloch, Wannenrain und Stadtwald daran. Gernsbach erhielt im Gegenzug die 33 Hektar große Staatswaldfläche "Rebhöfle", die oberhalb der zum Müllenbild führenden L 78 liegt.

Dabei handelte es sich um einen etwa 60 Jahre alter Eichenwald, dem Lärchen und sogar Weymouthskiefern beigemischt waren. Da dieser Wald nicht ganz so viel wert war wie der Wald auf dem Kaltenbronn, gab es noch ein "Aufgeld" in Höhe von 3 914 Gulden.

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