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Erster Einsatz in Kroatien
22.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - Seit 20 Jahren ist Gerhard Fischer aus Bad Rotenfels in den Bereichen humanitäre Hilfe und Entwicklungsarbeit tätig. Im Auftrag verschiedener Organisationen hat er bei zahlreichen Auslandseinsätzen viel gesehen und erlebt. Dennoch war es vor 20 Jahren eher Zufall, dass er hier Fuß fasste.

1994 wollte Gerhard Fischer die letzten Tage der Semesterferien nutzen, um ein paar Tage zu verreisen. Ausspannen, bevor das nächste Semester an der Heidelberger Uni beginnt. Damals studierte Fischer Politikwissenschaften und Geschichte (MA). Doch es sollte anders kommen. In der Tageszeitung entdeckte der Student eine Anzeige, die sein Leben verändern sollte. Eine Organisation suchte Flüchtlingshelfer für einen Freiwilligeneinsatz in Kroatien. Fischer zögerte nicht lange und ging für drei Wochen dorthin. Das Hilfsprojekt machte ihm viel Spaß, sodass er seinen Aufenthalt um ein ganzes Urlaubssemester verlängerte.

Zwischen 1994 und 1997 war Fischer regelmäßig bei humanitären Auslandseinsätzen. Er erlebte die letzten Monate des Kroatienkrieges und die ersten Jahre danach hautnah. 1997 beendete er sein Studium in Heidelberg, das Thema Entwicklungshilfe ließ ihn jedoch nicht mehr los. 1998 absolvierte er ein Aufbaustudium im Bereich Humanitäre Hilfe. Mit 33 Jahren reiste er nach Serbien. Nach einem verheerenden Tsunami war er auf Sri Lanka und baute mit anderen Helfern Häuser auf, errichtete Schulen und Krankenstationen.

Neben der humanitären Hilfe war die Entwicklungshilfe ein Schwerpunkt für ihn. "Es geht darum, Hilfsprojekte zu entwickeln und umzusetzen. Dazu gehört es, Hilfslieferungen wie Medikamente, Nahrungsmittel und Hygieneartikel sinnvoll zu verteilen", erklärt der 53-Jährige. "Manchmal, wie in Serbien, war es auch möglich, Hilfsgüter im jeweiligen Land einzukaufen, um sie zu verteilen. Damit konnten wir auch die Wirtschaft des Landes stärken."

Auch das Vermitteln von Computerkenntnissen war schon Teil seiner Arbeit. So konnten Fischer und seine Kollegen nach dem Bosnienkrieg in Montenegro Lehrer am PC fortbilden, um ihnen den Umgang mit gespendeten Computern zu ermöglichen. "Genauso unterstützen wir Friseure und Schreiner, die bereit waren, Leute einzustellen. Auf diese Weise haben wir schon viele gute Ergebnisse erzielt", erklärt Fischer.

Wenn es um unterstützende Maßnahmen, zum Beispiel für eine Dorfgemeinschaft, geht, setzen Fischer und seine Kollegen auf das Konzept "Hilfe zur Selbsthilfe". "Wir fragen die Leute, was sie dringend brauchen. Dann bieten wir unsere Unterstützung an, machen aber von Anfang an klar, dass die Leute auch Eigenleistungen bringen müssen, entweder finanziell oder durch Arbeitskraft." Die vergangenen 20 Jahre, in denen er immer wieder im Ausland Entwicklungshilfe leistete, sind nicht ganz spurlos an Fischer vorbeigegangen. Er erzählt von seinen Erlebnissen im Nordkaukasus und dem Misstrauen, das den Helfern seitens der Bevölkerung entgegengebracht worden sei. Er spricht von einem Terroranschlag, den er miterlebt hat, von Häusern, die in die Luft flogen, vom nächtelangen Ausharren im Keller, während draußen Schießereien wüteten. Aber auch von großer Gastfreundschaft.

"Wenn man in einem Entwicklungsland ist und sieht, mit welchen Problemen die Menschen dort konfrontiert sind, ist man für vieles dankbar, das hier in Deutschland funktioniert, wie etwa das Gesundheitssystem. Man wird gelassener und auch bescheiden. Man bekommt auch eine neue Sicht auf das Flüchtlingsthema, kein Mensch verlässt aus Spaß seine Heimat und seine Familie", sagt Fischer. Seine Erlebnisse hat er in seinem jüngst erschienenen Buch "Katastrophenbegegnungen - Anekdoten und Episoden von der Helferfront" verarbeitet.

Seit 2015 ist der Entwicklungshelfer in der Türkei tätig. Von dort aus leitet er derzeit ein großes Hilfsprojekt in Syrien. Es ist sein letztes Projekt dieser Art, denn Ende August ist Schluss mit den Auslandseinsätzen. Gerhard Fischer möchte in Zukunft in Deutschland einer geregelten Arbeit nachgehen. "Ich bin offen für alles."

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