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Kapitän ersteigert Gernsbacher Stadtwald Rombach
22.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsba ch - Auch auf dem Kaltenbronn spielt ein Teil der 800-jährigen Ortsgeschichte von Gernsbach. Die Stadt besaß hier oben jahrhundertelang Wald. 1517 kaufte sie dem Wendel Molrich von Langenbrand einen Wald "in der Wanne" ab. Gleichzeitig erwarb die Stadt von Hanns Schwebel von Au einen Wald im Rombachtal, unweit Enzklösterle.

Beim Viereichensattel und im Rombachtal ist noch auf einigen alten Grenzsteinen die Wolfsangel zu finden, das Zeichen der Stadt Gernsbach. Von Anfang an gab es Konflikte mit den Hirten des Altensteiger Kirchspiels. Sie trieben ihr Vieh durch den "Stadtwald Rombach" hinauf auf die Kaltenbronner Hochebene. Immer wieder intervenierte die Stadt erfolglos dagegen.

Seit etwa 1700 begann der Holländer Holzhandel, mächtige Tannen wurden auf der Enz zum Rhein geflößt. Auch aus dem "Stadtwald Rombach" gingen die ersten Stämme auf die Reise. Floßdirektor Sprenger nutzte allerdings 1727 die Abgelegenheit des Stadtwalds, um dort "ohngefragt" Tannen "heimlich zu entwenden".

1711 gestattete der Markgraf dem Wildbader Bürgermeister, im "Stadtwald Rombach" eine Sägemühle zu bauen. Das Einverständnis der Stadt Gernsbach ist vorauszusetzen, ermöglichte die Säge doch eine höhere Wertschöpfung des Waldes. Damit spitzte sich allerdings der Grenzstreit zwischen Baden und Württemberg zu. Er eskalierte, als 1742 der Altensteiger Vogt Hegel in "Begleitung bewaffneter Macht" die Sägemühle unbrauchbar machte und 200 Bretter an die Enz schaffte. Württemberg verbot nun auch dem Sägemühlenbesitzer, der Stadt Gernsbach weiterhin Grundszins zu zahlen, da der Wald württembergischer Grund und Boden sei.

Historisches

Außer der Sägemühle standen um 1740 auch die Behausungen von sogenannten Kolonisten im "Stadtwald Rombach". Diese Holzfäller hatten sich seit etwa 1720 im Enztal und in der Rombach angesiedelt, um die Tannen für den Holländer Holzhandel zu fällen. Sie ernährten ihre Familien mit einer kargen Landwirtschaft. Als Württemberg behauptete, der Stadtwald läge auf württembergischem Territorium, sahen die Kolonisten eine Chance, als württembergische Untertanen keinen Grundzins mehr nach Gernsbach entrichten zu müssen.

1835 versteigerte die Stadt den 1234 Morgen (444 Hektar) großen "Stadtwald Rombach". Der großherzogliche Forstmeister Wilhelm Franz von Kettner bot 59 500 Gulden für den Staat. Doch der in Gernsbach wohnhafte pensionierte Kapitän Carl Fülling, einst in großherzoglichen Diensten, überbot ihn um 500 Gulden. Laut von Kettner wuchsen auf den von Heidekraut überzogenen Höhen Kiefern, die Einhänge waren mit etwa 60 Jahre alten Tannen, Fichten und Kiefern bestockt.

Seiner Schätzung nach hatte der Wald nur noch einen Vorrat von etwa 112 Festmeter pro Hektar. Und dann klagt der Forstmeister: "Der Käufer des Waldes begnügte sich aber nicht mit der Verjüngung der mangelhaften Bestände, sondern er trieb innerhalb fünf Jahren den ganzen Wald bis auf einige kleine Parthien ab, wobei das meiste Holz, welches in kurzer Zeit zu werthvollem Nutzholze würde herangewachsen sein, fast sämtlich zu Brennholz aufgearbeitet wurde."

Den abgeholzten Wald verkaufte Carl Fülling 1850 für 25.000 Gulden an den Grafen Ludwig von Langenstein. Laut Hubert Intlekofer stand der Waldhüter Reinschmidt in Diensten des Grafen. Er hatte seinen Dienstsitz in der Rombach. Wie Forstmeister von Kettner 1843 berichtet, wohnten "in der Kolonie Rohmbach" vier Familien.

1856 verkaufte Graf Langenstein den ehemaligen "Stadtwald in Rombach" für 36.000 Gulden an den Staat. Dieser erwarb zwei Jahre später von der Stadt Gernsbach für 1.900 Gulden das Gemarkungsrecht für diese Waldfläche, wobei die in der Rombach ansässige Kolonistenfamilie des Johann Georg Gauss das Heimatrecht in Gernsbach behielt.

Noch im gleichen Jahr kaufte der Staat dem Kolonisten Gaus für 600 Gulden das Anwesen samt Wiesengrundstücken ab. Die Familie siedelte im Februar 1859 nach Gernsbach um.

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