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Viel mehr als nur
Viel mehr als nur
24.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Gernsbach - Der Anblick der Hirschgeweihe, die über das Wochenende an den Wänden der Stadthalle hingen, nötigte den Betrachtern Respekt ab. Es sind eindrucksvolle Geweihstangen, die so mancher Hirsch zu Lebzeiten zu spüren bekam, falls er sich erlaubte, während der Brunft in fremden Revieren zu wildern. Alle zwei Jahre laden der Landesjagdverband (LJV) und die Kreisjägervereinigungen Calw, Rastatt, Baden-Baden und Freudenstadt zur Rotwildschau für das Rotwildgebiet "Nördlicher Schwarzwald" ein - diesmal nach Gernsbach.

Vor Jahren gehörten diese Veranstaltungen noch zum Pflichtprogramm der Jägerschaft. Heute läuft das Ganze auf freiwilliger Basis, erklärt Kreisjägermeister Dr. Frank Schröder. Es ist gewissermaßen eine Art Selbstkontrolle, der sich die Jäger unterwerfen. Auch um zu überprüfen, ob alle Abschüsse in den vergangenen zwei Jahren korrekt verliefen, oder ob Hirsche geschossen wurden, die besser im Genpool verblieben wären.

In der Vergangenheit bekam dieses Wild zur Kennzeichnung einen roten Punkt oder Rahmen. Das entspricht heute nicht mehr den Regeln. Fehlschüsse können nicht immer vermieden werden, dafür ist die Zeitspanne, in der die Entscheidung für den Schuss gefällt werden muss, zu kurz, so der Kreisjägermeister.

Kriterien für ein Belassen des Wilds im Bestand können der kräftige Bau des Tiers oder die Geweihbildung sein. Gleichwohl lasse sich das gute Fortpflanzungspotenzial eines Hirschs nicht immer an der Stärke des Geweihs festmachen. Männliches Rotwild mit leichteren Geweihstangen habe im Kampf bessere Chancen, als ein Hirschbulle mit schwerem Gehörn.

Die größte heimische Wildtierart in unseren Wäldern ist das Rotwild. In den 1950er Jahren wurden die Rotwildgebiete in Baden-Württemberg zugunsten von Waldbauern und Landwirten zurückgedrängt. Heute weiß man, dass dieses Vorgehen nicht gut für die Genetik der Tiere war, wie Schröder ausführt. Deshalb arbeitet die Kreisjägervereinigung gemeinsam mit dem Landesjagdverband an einem Positionspapier - mit dem Ziel der Erstellung einer Rotwildkonzeption und einer Modellregion für den Nordschwarzwald. In das Prozedere eingebunden sind Gemeinden, Städte und Waldbesitzer. Im Südschwarzwald ist man diesbezüglich schon einen Schritt weiter. Dort befindet sich das Vorhaben seit einigen Jahren in der Umsetzung. "Der Nordschwarzwald will jetzt nachziehen und dem Rotwild bessere Lebensbedingungen bieten", betont Schröder. Zudem soll ein breites Bündnis mit allen Akteuren der Agrarlandschaft geschmiedet werden, um das Verschwinden von Rückzugsräumen für Rebhuhn, Feldhase und Co. zu stoppen.

Überdies wurde am Wochenende in Gernsbach über Naturschutz und Biotoparbeiten informiert. Der LJV präsentierte das Auerwildprojekt "Lücken für die Küken". "Die Auerhuhn-Population wird immer kleiner", so Schröder. Die Aufarbeitung und der Verkauf der Fuchsfelle seien ebenfalls in diesem Zusammenhang zu sehen. Sie stammen aus der Bejagung von Füchsen in den Auerhahngebieten. Das Projekt zur Unterstützung der Bodenbrüter ist schon seit einigen Jahren am Start.

Auf große Publikumsresonanz stieß am Sonntag das flankierende Rahmenprogramm. Der Nationalpark und die Forstliche Versuch- und Forschungsanstalt gaben Einblicke in die Rotwildforschung und die Rotwildjagd. Beim Naturpark Schwarzwald Mitte/ Nord konnten die kleinen Besucher ihr Wissen bei einem Tier-Quiz unter Beweis stellen. Die Vertreter des Verbands Deutscher Falkner erzählten von der Jagd mit Falken, Habichten und Adlern, für die zunächst der Jagdschein erworben werden muss, bevor der Falknerschein gemacht werden kann. Die Jäger stellten die Vielfalt der Jagdhunderassen vor und deren speziellen Einsatzgebiete. Die Schweißhundestation Nordschwarzwald informierte über die Rolle der Schweißhunde bei der Jagd und im Tierschutz.

Eröffnet wurde die Hegeschau am Freitag mit Fachvorträgen zur Rotwildkonzeption im Nordschwarzwald. Für die musikalische Umrahmung an den drei Tagen sorgten die Jagdhornbläser Bühl, Murgtal und Freudenstadt.

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