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Ist die Kostenplanung verrutscht?
Ist die Kostenplanung verrutscht?
03.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Wie teuer wird das neue Waldseebad wirklich werden? Mit dieser Frage lässt sich die jüngste öffentliche Sitzung des Gemeinderats zusammenfassen. Letztlich passierte die Vergabe von Abbruch- und Tiefbauarbeiten mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung das Gremium.

Einen Auftrag über gut 4,4 Millionen Euro erhielt die Firma Grötz aus Gaggenau als günstigste von vier Bieterinnen. Bau eines Entlastungskanals zur Verbesserung des Hochwasserschutzes sowie Abbruch- und Erdarbeiten wurden damit vergeben.

Man stehe zu der bisherigen Planung von insgesamt 13,6 Millionen Euro für den Bau des neuen Waldseebads inklusive einem Chlor- und einem Naturbadbecken. Dies machten OB Christof Florus und Bürgermeister Michael Pfeiffer klar. Aus den Reihen des Gemeinderats wurden Bedenken vorgetragen: Dr. Ellen Markert und Karolin Zebisch (beide CDU): "Im Mai 2017 wurden die Kosten (...) auf 6,4 Millionen Euro geschätzt, einschließlich eines neuen Technikgebäudes und eines Budgets für Attraktionen. Ein Jahr später lagen die geschätzten Kosten mehr als doppelt so hoch. Wir appellieren an alle Beteiligten, dass die Gesamtkosten diesen großzügigen Rahmen nicht überschreiten." Man wende sich aber nicht gegen den Grundsatzbeschluss für Natur- und Technikbecken. Ähnlich argumentierte Martin Hahn (FWG). Er habe "Bauchweh" - gerade mit Blick auf die einbrechende Gewerbesteuer. Es gelte die Ausgaben fürs Waldseebad zu begrenzen - "oder wir werden es kleiner machen müssen." Er könne den Vergaben nur zustimmen, wenn man ihm versichere, es werde keine Kostensteigerungen mehr geben. Zwischen 23 und 29 Prozent Mehrkosten gegenüber den ersten Ausschreibungen hatte Ellen Markert konstatiert.

OB Florus verwies auf die hohen Rücklagen der Stadt. Diese betragen derzeit noch 28 Millionen Euro. Das technische Bad könne nicht noch kleiner geplant werden, auch eine Verkleinerung im Naturbad sei nicht sinnvoll. Nicht zuletzt stünde die Gefahr von Schadenersatzklagen im Raum, wenn man nun nach der Ausschreibung das Projekt auf Eis legen wolle.

Sicherheit dank

"fetter Rücklage"

Bürgermeister Pfeiffer ergänzte: Man könne bei Gebäudeausstattung und Möblierung an der einen oder anderen Stelle einsparen. Die nun genehmigten Aufträge für Hochwasserschutz und Untergrundbefestigungen würden nicht wesentlich geringer, wenn man die Beckengrößen verkleinern würde. Drainierung, Verkabelung, Leitungen müssten ohnehin gelegt werden. Auch bei den Ausstattungselementen wie Sprungturm (105 000 Euro), Wellenbreitrutsche (64 000 bis 70 000 Euro), Schaukelbucht (29 000 Euro), Massagedüsen (pro Stück 700 Euro), Sprudelsitzbank (vier Meter lang, 10 000 Euro), Breitspeier (4 000 Euro) oder Nackendusche (2 000 Euro) könne man später noch Abstriche machen. Doch wenn man nun diese Festlegungen nicht treffen würde, könnte man sie später nur gegen sehr viel mehr Geld doch noch realisieren. Wenn man 2021 eröffnen wolle, müsse man jetzt die Aufträge vergeben, sagte Andreas Fritz von der Bauverwaltung.

Christina Palma Diaz (CDU) mahnte eine konkrete Gesamtschau über die Kosten an. Diese sei in der Arbeitsgruppe dargelegt worden, konterte Florus. Bürgermeister Pfeiffer sagte zu, dass künftig bei jeder Vergabe eine Kostenfortschreibung erstellt werde. Er verwies darauf, dass man zwar im Tiefbau und im Hochbau nahezu überall höhere Preise zu verzeichnen habe, dass aber in den Ausbaugewerken bereits Angebote "deutlich unter den Planungen" vorlägen. Man könne also keinesfalls sagen, dass man bereits jetzt bei den Gesamtkosten aus dem Rahmen falle.

Mehrere Redner aus den Fraktionen mahnten mit Blick auf die "fette Rücklage" (Stefan Schwaab), die Grundsatzentscheidung für das Waldseebad nicht infrage zu stellen.

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