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Enten legen Kreisverkehr lahm
04.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Gaggenau - Absperrungen, Menschen in neongelben Warnwesten, Polizisten und zwei Abteilungen der Feuerwehr: Was für Autofahrer gestern Morgen auf den ersten Blick wie ein schwerer Unfall am Rotherma-Kreisel in Rotenfels ausgesehen haben könnte, entpuppte sich letztlich als freudige Aktion. Vogelexperte Pierre Fingermann hat es geschafft, eine Entenmutter und ihre acht Küken heil von einem privaten Grundstück zurück in die Murg zu führen.





Bereits am Montag hatten Daniel Kleinmann und seine Frau Judith die Enten in ihrem Teich hinter dem Haus entdeckt: "Wahrscheinlich hat die Mutter ihre Küken irgendwo im hinteren Teil des Gartens ausgebrütet", vermutete Judith Kleinmann. Wenn es nach ihr ginge, hätten die Enten gerne weiterhin im Teich bleiben können. "Ich habe aber bemerkt, dass die Mutter ständig den Garten absucht, um einen Weg zu finden, auf dem sie ihre Kleinen zur Murg bringen kann", so Judith Kleinmann. Dorthin sei die Ente immer wieder geflogen, nach einiger Zeit aber jedes Mal wieder zu ihren Küken zurückgekehrt.

Aufgrund der hohen Hecken und Zäune habe es für die Jungtiere keine Möglichkeit gegeben, das Grundstück zu verlassen. "Fliegen können sie ja noch nicht", fügte Daniel Kleinmann hinzu.

Zwar hätte er einfach das Gartentor öffnen können, doch dann wären die Tiere in großer Gefahr gewesen: "Um zur Murg zu gelangen, müssen sie einen stark befahrenen Kreisel überqueren."

Aus diesem Grund habe er schließlich Pierre Fingermann um Hilfe gebeten. Der Vogelexperte hat nach eigenen Aussagen schon einige Entenrettungen hinter sich. "Es kommt oft vor, dass sich die Tiere zum Brüten in eine geschützte Gegend - oft ein privates Grundstück - zurückziehen", weiß er aus Erfahrung. Nachdem die Jungen auf der Welt sind, hätten die Tiere allerdings den Drang, wieder in ihre gewohnten Gewässer zurückzukehren.

Um die Enten umzusiedeln, hatte Fingermann im Voraus die Polizei dazu aufgefordert, die B 462 in Höhe des Rotherma-Knotens so abzusperren, dass keine Autos mehr den Kreisel befahren können. Neben mehreren Beamten waren die Freiwillige Feuerwehr mit den Abteilungen aus der Kernstadt und aus Rotenfels vor Ort. Außerdem hatten sich rund zehn Bekannte der Kleinmanns dazu bereit erklärt, bei der Entenrettung zu helfen.

"Es ist wichtig, dass die Mutter nicht wegfliegt", betonte Fingermann. Stattdessen sollten die Küken ihrer Mutter bis zur Murg folgen. Oft werde er gefragt, weshalb er die Küken nicht einfach in eine Kiste setze und zu dem entsprechenden Ort trage. "Wenn ich das mache, nimmt die Mutter ihre Jungen nicht mehr an. Sie würde sie dann an der Stelle suchen, an der sie sie zum letzten Mal gesehen hat", erklärte der Vogelexperte. Die rund eine Woche alten Küken wären dann auf sich alleine gestellt.

Instinkt führt



Enten zum Wasser

Um die Entenmutter nicht zu verängstigen, ging Fingermann deshalb zunächst alleine mit einem großen Kescher zum Teich. Erst nach mehreren Versuchen schaffte er es mit der Hilfe eines Feuerwehrmanns, alle Tiere aus dem Teich zu locken.

Danach verlief die Aktion nahezu problemlos: Im Entenmarsch watschelten die kleinen Küken ihrer Mutter hinterher. Die schien genau zu wissen, wohin sie möchte, nämlich zur rund 500 Meter entfernten Murg. "Ihr Instinkt leitet sie. Sie riecht das Wasser und weiß deshalb genau, wohin sie laufen muss", sagte Fingermann.

Nach etwa 45 Minuten hatte die Entenfamilie ihr Ziel erreicht. Der Verkehr konnte wieder freigegeben werden. Dass die Enten es sich anders überlegen und zum Teich zurückkehren, sei unwahrscheinlich, so Fingermann. Zumindest bis zum nächsten Jahr: "Dann ist es gut möglich, dass die Vögel erneut im Garten der Kleinmanns brüten."

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