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Von Wodka, Rum und der Lust zum Tanzen
Von Wodka, Rum und der Lust zum Tanzen
04.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Gaggenau - Schwäbisches Kulturgut trifft auf kasachische Bräuche, Folk-Rock-Polka auf ironisch-zynische Texte und der blonde Engel am Keyboard entpuppt sich als Moderatorin mit großer Klappe - im Zeltlager begegnen sich oft die unterschiedlichsten Charaktere auf engstem Raum. So auch bei der Eröffnung der Gaggenauer Kleinkunstnächte am Dienstag, als der Senkrechtstarter Nikita Miller gemeinsam mit der Band Hiss das Pagodenzelt im Schlosspark der Akademie Rotenfels füllte. Die Ansagen übernahm Ariane Müller vom Frauenduo Suchtpotenzial.

Die Palette an Kleinkunst, die sich dem Publikum an diesem Abend bot, hätte kaum bunter sein können - und dennoch haben alle Künstler etwas gemeinsam: Jeder von ihnen wurde mit einem Preis ausgezeichnet und jeder hat einen Sinn für Humor.

Den Auftakt machte ein etwa zwei Meter großer, durchtrainierter Kerl mit Stoppelfrisur und russischem Akzent: Der aktuelle Förderpreisträger Nikita Miller. In Sekundenschnelle zog er das Publikum mit seinen kuriosen Geschichten aus dem Leben eines Kasachen im Schwabenländle in seinen Bann.

Wer bislang geglaubt hatte, dass sich im Leben eines Russen alles um eine Wodkaflasche drehe, wurde von Miller eines Besseren belehrt: Statt einer seien es nämlich meistens zwei oder drei Flaschen des "Brennstoffs", betonte Miller und fügte hinzu: "Wenn du als Deutscher eine halbe Flasche Wodka trinkst, bist du Alkoholiker. Wenn du das als Russe machst, bist du der Fahrer." Während das Lachen des Publikums nach diesem Satz laut durch den Park hallte, sei die Tatsache für Miller meist weniger spaßig gewesen: Die Alkoholfahne führte nämlich dazu, dass er in seinen Glanzzeiten immer wieder Bekanntschaft mit der Polizei machen durfte.

Moderatorin Ariane Müller, die mit dem Prix Pantheon ausgezeichnet wurde, kennt den Stuttgarter mit den kasachischen Wurzeln aber nicht aus dem Polizeiauto. Um ihre erste Begegnung mit Miller wieder ins Gedächtnis zu rufen, reiche ein einziger Satz aus: "Nicht in den Schuhen." Weil er es irgendwann satthatte, ständig aus der Disco zu fliegen - oder gar nicht erst reingelassen zu werden, hat der Zwei-Meter-Mann den Spieß einfach umgedreht und fortan selbst als Türsteher gearbeitet.

"Da habe ich viel erlebt", sagt Miller mit einem Schmunzeln. Für sein neues Programm arbeitet er gerade an Geschichten aus seiner Zeit als Türsteher.

Während die erste Hälfte des Abends dem Wodka gewidmet war, folgten danach Loblieder an den Rum - das Lieblingsgetränk der Seefahrer - von der Stuttgarter Kultband Hiss. Sie ist in diesem Jahr mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet worden. Unter tosendem Applaus und Jubelrufen der eingeschworenen Fans kamen Frontmann Stefan Hiss und seine vier Kollegen auf die kleine Bühne im Pagodenzelt. Mit ihrer Folk-Rock-Polka-Mischung, gewürzt mit schottischen Melodien, Country, Rockabilliy, Latin, Walzer und Blues, nahmen sie das Publikum rund eine Stunde lang mit auf eine Reise durch die stürmischen Weltmeere.

Seemannslieder bringen Publikum zum Tanzen

Ihre Lieder handeln vom harten Leben als Seemann, von der Liebe, der Sehnsucht, und vom Tanzen. Letzteres führte dazu, dass sich die Bewegungslust im Pagodenzelt von Song zu Song steigerte. Anfängliches Fußwippen ging in ausgelassenes Schunkeln über. Spätestens beim letzten Song, bei dem Stefan Hiss lautstark zum Tanzen aufforderte, hielt es einige Zuhörer nicht mehr auf ihren Stühlen.

Der Auftakt der diesjährigen Kleinkunstnächte war ein Mix aus kuriosen Lebensgeschichten, ironischen Songtexten und trockenem Humor - ganz so, wie ein gelungenes Zeltlager sein sollte.

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