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Vereine haben Mikroplastik im Blick
08.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Lukas Gangl

Murgtal - Fußballer und Sportvereine mögen ihn, Umweltschützer stufen ihn als höchst bedenklich ein. Die Rede ist von Kunstrasen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kunstrasen ist robust und witterungsbeständig, die Plätze sind ganzjährig nutzbar, Nutzungs- und Lebensdauer sind hoch und es ist nur ein verhältnismäßig geringer Pflegeaufwand nötig. Doch für die Umwelt ist er eine tonnenschwere Belastung.

Dabei sind nicht etwa die Rasenfasern das Problem, sondern das Granulat, das benutzt wird, um die Plätze aufzufüllen. Dieses gibt aufgrund von Witterung, Wind und Regenabfluss sogenanntes Mikroplastik in die Umwelt ab. Als Mikroplastik werden Plastikpartikel von einer Größe bis fünf Millimeter definiert. Diese sind, aufgrund der teilweise sehr kleinen Partikelgröße, entsprechend schwer wieder aus der Umwelt und dem Ökosystem zu entfernen. Ein Kunstrasenplatz gibt etwa 250 bis 300 Kilogramm Mikroplastik im Jahr an die Umwelt ab - in Deutschland sind das rund 11 000 Tonnen jährlich.

Damit stellen die Plätze die drittgrößte Mikroplastikquelle überhaupt da. Diese Partikel sind bereits heute in Grundwasser und Nahrung nachweisbar, die gesundheitlichen Folgen sind nach derzeitigem Stand noch ungeklärt. Das ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts.

Auf EU-Ebene wird derzeit über ein Verbot des Granulats diskutiert. Alternativen zum Plastikgranulat sind vorhanden, bergen jedoch spürbare Nachteile. Bei einer Auffüllung mit Quarzsand steige das Verletzungsrisiko erheblich, Kork werde leichter vom Wind verweht und sei, je nach Lage des Platzes, anfällig für Schimmel. Beide Alternativen veränderten auch das Spielgefühl, Kork stelle zusätzlich einen deutlich größeren Kostenfaktor dar.

Auch Hybridrasen sei eine Option. Hierbei werden Kunstrasenfasern eng mit Naturrasen verwoben. Dies mache den Platz zwar widerstandsfähig, jedoch verliere er dadurch den Vorteil der ganzjährigen Bespielbarkeit. Die Entsorgung stelle jedoch bei Hybridrasen ein großes Problem da.

Im Murgtal betrifft das Thema fünf Vereine mit Kunstrasenplätzen. Einzig der Hockey-Club Gernsbach muss sich keine Sorgen machen. Auf dem Platz werde, außer Wasser, kein weiteres Auffüllmaterial verwendet, erklärt Christoph Jirousek, Jugendleiter des HCG. Anders sieht es bei den Sportvereinen in Staufenberg, Loffenau, Forbach und beim Fußball-Club Gernsbach aus.

Ansässige Vereine sind geteilter Meinung

Der SV Staufenberg hat seinen Platz mithilfe von Rasenpatenschaften finanziert. Vergangenes Jahr wurde dieser eröffnet und muss nun erstmals aufgefüllt werden. Die entstehenden Kosten seien derzeit noch unbekannt. Bereits beim Bau habe man sich mit dem Thema alternativer Füllstoffe beschäftigt, sagt Uwe Meyer. Er ist beim SVS zuständig für die Platzpflege. Wegen der Lage im Wald und des baubedingten einseitigen Gefälles sei Kork keine Option gewesen, so Meyer.

Seiner Meinung nach sollten die übergeordneten Verbände gemeinsam mit den Herstellern eine Lösung finden: Es wäre "unverantwortlich, dies auf die Vereine abzuwälzen", findet Meyer.

Thorsten Bach, Vorsitzender des FC Gernsbach, erzählt auf BT-Anfrage, dass man sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt habe. Der Verein habe vom Bau noch ausreichend Granulat zur Verfügung, der Platzwart fülle einfach nach Bedarf auf. "Quarzsand ist für Fußball keine Alternative", meint Bach und verweist darauf, dass besonders Vereine mit nur einem Platz bei einem Verbot massive Probleme bekommen würden. Er hoffe, dass eine Lösung gefunden werden kann, die keinen Platz-Umbau erforderlich macht.

Seit 2012 wird beim SV Forbach auf Kunstrasen gespielt. Die Kosten für die Auffüllung habe in den ersten Jahren die Gemeinde übernommen. Derzeit lägen diese bei etwa 1 400 Euro jährlich, informiert Vorsitzender Thorsten Kottler. In wenigen Wochen findet beim SV Forbach eine Vorstandssitzung statt, dort wolle man sich mit dem Thema auseinandersetzen. Kottler selbst würde jedoch aus finanziellen Gründen gerne noch ein paar Jahre am Granulat festhalten, zumal die Alternativen schmerzhaft für die Spieler seien.

In Loffenau wurden im Jahr 2006 das Groß- und Kleinspielfeld des TSV eingeweiht. Das Kleinspielfeld dient als reiner Trainingsplatz, Spiele kann man dort nicht austragen. Dennoch wird das Kleinfeld stark frequentiert, sodass dort nun eine Sanierung des Belags ansteht. Im Vorfeld habe man sich entsprechende Gedanken gemacht, da die Verbände derzeit keine neuen Granulatplätze mehr fördern, wie Bürgermeister Markus Burger auf Anfrage erklärte. In Loffenau wolle man zunächst mit Sand auffüllen und diesen später gegen ein erlaubtes Granulat austauschen.

Markus Burger hofft, dass bis zur nötigen Sanierung des Loffenauer Großspielfelds in ein paar Jahren eine Lösung gefunden sein wird. Er gab auch zu bedenken, dass Kunstrasenplätze nur eine von vielen Mikroplastikquellen seien.

Er könne die Problematik verstehen, man müsse das Thema jedoch viel weitläufiger betrachten, meint Burger und verweist auf Folgendes: Zum Beispiel ist auch Reifenabrieb eine Quelle für Plastikpartikel - diese wolle aber niemand verbieten.

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