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"Wir nehmen Beschwerden sehr ernst"
09.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Gaggenau - "Irgendwas aus Plastik" wird bei der Gaggenauer Firma Poly One hergestellt. So viel ist einigen Gaggenauern bekannt. Aber schon der Name ist nicht allen ein Begriff. Unter dem früheren Namen "Theodor Bergmann" kennen sie das Unternehmen in der Adolf-Dambach-Straße parallel zur Bahnlinie in Bad Rotenfels eher. Das weiß auch Werkleiter Christian Busch. Dennoch zeigte er sich überrascht, dass einige Rotenfelser meinten, "Geruch wie nach Plastik" mit seinem Unternehmen in Verbindung zu bringen,

Entsprechende Hinweise waren in der vergangenen Woche beim BT eingegangen. "Wir nehmen die Beschwerden sehr ernst", sagt Busch, der sich aber nicht vorstellen kann, dass diese Gerüche von Poly One kommen. Er begründet das damit, dass in den vergangenen Jahren schon vieles umgesetzt worden sei, um Geruchsbelästigungen zu vermeiden. Zudem, so der Werkleiter, würden einige Mitarbeiter nur 50 bis 100 Meter vom Unternehmen entfernt wohnen. Und die hätten keinerlei Gerüche wahrgenommen.

Dennoch habe man gleich nach Bekanntwerden der Klagen Sofortmaßnahmen ergriffen. Er selbst sei zweimal ums Werk gelaufen, habe aber nichts gerochen. Die Schichtführer seien angewiesen worden, im Stundentakt zu kontrollieren. Auch die neue Rauchmeldeanlage, die seit Dezember vergangenen Jahres in Betrieb ist, habe nicht reagiert. Busch selbst ist seit 15 Jahren am Standort Gaggenau. In dieser Zeit habe es noch keinen Umweltvorfall mit Geruchsbelästigung gegeben, versichert der Werkleiter. Das bestätigt Alexander Fitterer, freigestellter Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsmanager sowie Brandschutzfachkraft im Unternehmen. Allein in diesem Bereich sind zwei Vollzeit- und eine Teilzeitkraft beschäftigt. Insgesamt sind bei Poly One am Standort Gaggenau aktuell 176 Mitarbeiter tätig.

Mit einem Nassabscheider werden in der Halle Produktionsdämpfe aus der Luft herausgefiltert. Vergleichbar ist diese Anlage, die speziell für Poly One entwickelt wurde, mit einer Dunstabzugshaube in der heimischen Küche - wenn auch mit etwas anderer Technik und viel größerer Dimension. Mittels Wassernebel werden Schadstoffe wie Dämpfe und Staub sowie Produktionsrückstände abgefangen und herausgefiltert und als Sondermüll entsorgt.

"Arbeitssicherheit und Umweltschutz stehen bei uns an erster Stelle", unterstreicht Busch und fügt hinzu: "Wenn Kunststoff brennt, werden wir sehr hellhörig." Auch wenn aktuell bezüglich Geruchsbelästigung nichts entdeckt wurde, würden die ergriffenen Maßnahmen fortgesetzt.

Denkbar sei auch, dass die Gerüche von Nachbarbetrieben oder aus einer Kläranlage stammen, so Busch. Außerdem sagte er: "Wenn es stinkt, können Anwohner jederzeit bei uns anrufen." Er hob hervor, dass man mit der Nachbarschaft ein "sehr gutes Verhältnis" habe.

Was wird bei Poly One hergestellt? "Jeder kommt tagtäglich mit unseren Produkten in Berührung", hatte Busch bei einem Besuch von OB Christof Florus Ende 2018 erklärt. Aber den wenigsten sei es bewusst, dass das weiche Kunststoffelement der Zahnbürste, die Schutzfolie auf dem Smartphone oder der Schubladenauszug in der Küche aus den Produkten eines Gaggenauer Betriebs gefertigt werden.

Das mittelständische Unternehmen ist Spezialist für hochtechnologisierte Kunststofflösungen, die in verschiedensten Branchen, vom Automobilbau bis hin zu Gesundheit, benötigt werden. Die spezialisierten Polymerlösungen seien mit "Plastik" überhaupt nicht vergleichbar. In den kleinen, wenige Millimeter großen Granulatkörnern stecke jede Menge Technologie.

Durch die Entwicklung und Abstimmung von unterschiedlichen Polymeren mit leistungsstarken Additiven, Farb- und Füllstoffen (Ölen, Mineralien, Metallen, Kohlefasern, Glasfasern) gelang es den Tüftlern im Innovation-Center des Betriebs, Lösungen für die verschiedensten Herausforderungen zu entwickeln. Aktuelle Beispiele sind die Entwicklung von Lösungen, um Kunststoffe wärme- oder stromleitfähig zu machen. Flammschutz oder UV-Beständigkeit seien weitere Eigenschaften, die die Granulate von Poly One wertvoll machen.

Jedes Jahr meldet die Gaggenauer Niederlassung mehrere Patente und Erstmuster beim Patentamt an. Im Murgtal sitzt die europäische Entwicklungszentrale des Geschäftsfeldes "Engineered Materials" des amerikanischen Konzerns, der an über 70 Standorten weltweit 7 600 Mitarbeiter hat.

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