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"Die Reben haben einen Schock"
'Die Reben haben einen Schock'
12.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - Es waren nur zehn Minuten. Diese aber hatten es in sich: Das Unwetter, das vergangenen Samstag nach 22 Uhr über das Murgtal hereinbrach (wir berichteten), hinterließ massive Schäden am Weinberg von Schloss Eberstein. Inhaber Jürgen Decker und Kellermeister Urban Jung gehen derzeit von bis zu 50 Prozent Ernteausfall und - grob geschätzt - einem Umsatzverlust von circa 300 000 Euro aus. Entsprechend bedröppelt schauten sie drein, als sie ihre kaputten Trauben und die verletzten Ruten in Augenschein nahmen.

"Die Reben haben einen Schock - wie nach einem Unfall", erzählt Jung. Die Katastrophe für den Weinberg hat die Kombination aus orkanartigem Wind, extremen Wassermengen in kurzer Zeit (35 Liter pro Quadratmeter in zehn Minuten) und Hagelkörnern mit rund zwei Zentimetern Durchmesser verursacht.

Letztere seien über den Gernsberg durch den Sturm wie mit einem Turboantrieb versehen schräg über den Weinberg gefegt - Blätter, Ruten (das Fruchtholz) und die jungen Trauben hatten da keine Chance. Die Folgen: "Ab sofort haben wir doppelte Lohnkosten", erklärt Decker, weil durch das Unwetter jetzt viel mehr Arbeit für viel weniger Ertrag nötig sei.

Die Beeren seien in ihrer Entwicklung weitestgehend abgeschlossen gewesen, den fehlenden Ertrag könne man jetzt nicht mehr kompensieren. Glück im Unglück hatte der Weinbaubetrieb noch, weil in den Trauben noch keine Zuckeranlagerung stattgefunden habe. "Wenn uns das Unwetter Mitte August getroffen hätte, wären die Folgen noch weitaus schlimmer gewesen", verdeutlichen die Experten: "Dann wäre die Reife so weit fortgeschritten, dass im Prinzip gar nichts mehr zu retten gewesen wäre, dann fault alles komplett zusammen." Was das Weingut jetzt braucht, ist stabiles, trockenes und mäßig warmes Wetter, damit die verletzten Beeren eintrocknen und nicht faulen. "Fäulnis kann auf die gesunden Beeren übergreifen", erklärt der Kellermeister.

Auf ihn und seine Mitarbeiter warten jetzt und im Winter noch mehr Arbeit. Denn neben den kaputten Trauben, aus denen man hätte Wein machen können und die nun entsorgt werden müssen, hat der Hagel auch viele Ruten getroffen, die für die Ernte im kommenden Jahr vorgesehen waren. Jede einzelne im Weinberg muss nun überprüft werden. Viele sind nach ersten Erkenntnissen derart beschädigt, dass wohl ein sogenannter Zapfenschnitt notwendig werde, der mit erheblichem Mehraufwand verbunden ist - "dieses und nächstes Jahr", betont Decker.

Das Unwetter hat auf dem Gelände von Schloss Eberstein auch eine mächtige, rund 200 Jahre alte Kastanie umgehauen. "Unsere Werkstatt ist die Natur", verdeutlicht Jürgen Decker, dass man gegen derlei Gewalten machtlos sei. Dennoch haben sich einige Maßnahmen, die nach vorherigen Starkregenereignissen wie 2009 oder 2016 ergriffen wurden, ausgezahlt. So habe man dafür Sorge getragen, dass extreme Wassermassen größtenteils über eine Wiese ins Ätzenbachtal abgeleitet werden, damit sie nicht den Schlossberg hinunter ins Dorf rauschen. Eine circa fünf Meter breite Schneise belegt dies. "Ganz zurückhalten oder umleiten können wir das Wasser bei diesem Ausmaß aber nicht", verweisen Decker und Jung auf die Ausmaße des jüngsten Unwetters, das auch unten in Obertsrot einige Schäden verursacht hat. So stark getroffen wie das Weingut Schloss Eberstein hat es aber niemanden.

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