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Aus Flüchtlingsunterkunft wird Kinderkrippe
Aus Flüchtlingsunterkunft wird Kinderkrippe
18.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Gernsbach - "Wir haben einen massiven Bedarf an Kinder- und Krippenplätzen", betonte Bürgermeister Julian Christ am Dienstag vor dem Gemeinderat. Derzeit könne die Stadt den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige nicht erfüllen. Um dieses Problem zu minimieren, kam der Vorschlag auf, eine Krippe im städtischen Wohnhaus in der Jahnstraße 7 einzurichten. Das Gremium entschied sich dazu, die Planungen für das Vorhaben weiter voranzutreiben. Dabei wird auch ein Neubau in Betracht gezogen.

Die Verwaltung habe in den vergangenen Monaten große Anstrengungen unternommen, die Anzahl der Betreuungsplätze zu erhöhen, sagte Christ. Dennoch stünden auf der Warteliste für Krippenplätze bis Ende des Jahres 2019 rund 40 Kinder. "Es besteht dringender Handlungsbedarf." Vor diesem Hintergrund habe die Verwaltung nach Möglichkeiten gesucht, in der Kernstadt kurzfristig Krippenplätze zu schaffen (wir berichteten). Das Wohnhaus in der Jahnstraße wurde als beste Lösung angesehen. Dort könnten laut Stadtverwaltung voraussichtlich 18 dauerhafte Krippenplätze geschaffen werden. Ersten Schätzungen zufolge erfordere der Umbau Kosten in Höhe von rund 300 000 Euro. Aus dem Investitionsprogramm Kinderbetreuungsfinanzierung sei eine Förderung von bis zu 126 000 Euro möglich.

Nach einer Begutachtung des Gebäudes habe man feststellen können, dass die Substanz gut für eine Umnutzung geeignet sei. Derzeit wird das Einfamilienhaus als Anschlussunterkunft für eine Flüchtlingsfamilie genutzt, für die man aber schon eine adäquate Ersatzunterkunft in Lautenbach habe finden können.

Volker Arntz (SPD) äußerte Bedenken, die Familie von der Kernstadt nach Lautenbach umzusiedeln: "Das Gebäude dort scheint geeignet zu sein, den Standort sehe ich allerdings als schwierig an." Ähnlicher Meinung war Stefan Eisenbarth (CDU): "Die haben sich in Gernsbach integriert, die Kinder sind hier in Vereinen. In Lautenbach sind sie zu weit weg vom Schuss." Eisenbarth bat deshalb darum, die Familie zentrumsnah unterzubringen. Christ erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass günstiger Wohnraum in der Kernstadt knapp sei. Das erschwere die Wohnungssuche für die Großfamilie.

Einig war sich das Gremium hinsichtlich der Tatsache, dass der Bedarf an Krippenplätzen zwingend gedeckt werden muss. Ob eine Umnutzung des Wohnhauses in der Jahnstraße dafür die günstigste Lösung sei, zweifelten allerdings einige Räte an. "Fakt ist, der Bedarf ist groß", sagte Uwe Meyer (FBVG). Auch die Lage in der Jahnstraße sei für eine Kinderbetreuung "ideal". Allerdings stelle er infrage, ob das Gebäude tatsächlich so hergerichtet werden könne, dass genügend Plätze entstehen. "Für mich ist dieser Beschlussantrag zu kurzgeschlossen. Wir sollten überlegen, wie wir den Bedarf auch in den nächsten zehn Jahren decken können." Aus wirtschaftlichen Gründen regte Meyer an, den Planungsantrag so zu stellen, dass er gleichzeitig einen Neubau als Alternative umfasse. Dafür erntete er Zuspruch seitens der SPD. Auch Arntz und Guido Wieland (SPD) riefen dazu auf, zukunftsorientiert zu denken.

Bei Christine Winkelhorst (CDU) stieß die Idee nicht auf offene Ohren: "Ein Neubau braucht Zeit, wenn wir jetzt damit starten, brauchen wir eine Zwischenlösung, weil der Bedarf gerade jetzt sehr hoch ist."

"Wir haben



enorm Druck"

Diese Problematik bewegte auch Beate Benning-Gross (Grüne): "Wir haben enorm Druck. Im Moment geht es schlicht um die Frage, wie am schnellsten Plätze geschaffen werden können", betonte sie. Es bestehe die Gefahr, dass Familien, die keinen Betreuungsplatz haben, klagen. Deshalb sollte zunächst eine kurzfristige Lösung gefunden werden. "Wenn der neue Bedarfsplan steht, können wir uns mittelfristig Gedanken machen." Christ warf ein, dass es bei dem Antrag erst einmal darum gehe, den Standort als günstig zu beurteilen und die Fläche weiter zu prüfen. "Dabei ist auch zu hinterfragen, ob ein Neubau Sinn macht", so Christ.

Mit vier Enthaltungen stimmte das Gremium schließlich für die Einrichtung einer Krippe in der Jahnstraße und beauftragte die Verwaltung mit der weiteren Planung . Hierbei soll auch die Alternative eines Neubaus geprüft werden.

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