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Bombenregen auf den "Forbach Dam"
Bombenregen auf den 'Forbach Dam'
19.07.2019 - 00:00 Uhr
Forbach (red) - Heute ist die Schwarzenbach-Talsperre ein beliebtes Ausflugsziel. Vor 75 Jahren war das anders: Am 19. Juli 1944 griffen amerikanische Bomber das Bauwerk an und beschädigten es schwer. Die jungen deutschen Flakhelfer auf der Mauer gerieten in ein mörderisches Feuer.





Historisches

135 Bomben mit einem Gewicht von jeweils 250 Kilogramm wurden heute vor 75 Jahren auf die Staumauer abgeworfen. Ein Volltreffer beschädigte die linke Mauerkrone. Zusätzliche Schäden entstanden an zwei der Hochwasserentlastungsöffnungen. Die Granitsteine an der Luftseite blieben dank ihrer Stabilität fast unbeschädigt, dies geht aus Archivberichten hervor.

Bereits 1939 war das Kraftwerk mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs eine "kriegswichtige" Anlage und erhielt zum Schutz diverse Verteidigungsvorkehrungen. Dazu zählten Geschütze, Flakstellungen und Sperrballone.

Zwei amerikanische Luftflotten starteten an jenem Sommertag zu einem ihrer bedeutendsten Großeinsätze gegen Süddeutschland. Bereits in den frühen Morgenstunden gingen auf der britischen Insel rund 1 200 schwere Bomber der Typen B 17 "Fortress" und B 24 "Liberator", Verbände der 8. US-Luftflotte in die Luft. Später hoben auf Basen in Süditalien etwa 400 Maschinen der 15. US-Luftflotte mit Kurs auf den Raum München zu gemeinsamen Operationen ab.

Laut Deckblatt des Operationsplans galt die Staumauer, der "Forbach Dam", als ein Alternativziel. Solche Objekte konnten angepeilt werden, wenn Primärziele nur sehr schwierig anzugreifen sind, sei es durch unvorhergesehene schlechte Sichtverhältnisse oder auch massive Jagd- beziehungsweise Flakabwehr.

Solche Umstände stellten sich im Raum Kempten ein, die zum Abdrehen veranlassen: Eine Schwadron des Verbands nahm Kurs auf den "Forbach River Dam". Kurz nach halb elf öffneten sich die Bombenschächte von 14 B 24-Bombern, 135 im Wesentlichen Fünfzentnerbomben rauschten auf die Staumauer und den Stausee nieder.

Ein Volltreffer schlug am Nordende einen über zwei Meter tiefen Krater in den Beton; weil aus Vorsicht der Pegel stark abgesenkt war, kam es zu keinem Wasserausfluss. Acht weitere Treffer waren im Bereich des Entnahmeturms sowie an der landseitigen Mauerschräge, waren deshalb nur wenig effektiv. Die Torpedo-Stahlnetze wurden weitgehend versenkt, Starkstrom- und Fernmeldekabel getroffen.

Zwei einheimische Zivilisten verloren das Leben, unter den Flakbedienungen gab es einige Verwundete. "Es darf als Wunder bezeichnet werden, weil sie einen besonderen Schutzengel hatten. Waren es doch zu 80 Prozent 16- und 17-jährige Burschen, die als Oberschüler der Schulen in Achern, Backnang, Bühl und Freudenstadt kriegsverpflichtet waren", heißt es in Archivberichten.

Aus später freigegebenen "Top-Secret"-Protokollen aus US-Archiven sei im Nachhinein noch recht Interessantes zutage getreten: Im Hauptquartier der 8. US-Luftflotte war man nach dem Schwarzenbachangriff nicht zufrieden. Die Strategen beschäftigten sich mit dem "Forbach River Dam" wegen des uneffektiven hohen Materialaufwands.

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