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Gernsbacher bietet italienischem Vize-Premier die Stirn
25.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach/Bonn - Marco Jelic ist angesichts der aktuellen politischen Situation in Italien in Sorge um seine "zweite Heimat". Der Politikwissenschaftler aus Gernsbach mit italienischen Wurzeln kam jüngst bundesweit in die Schlagzeilen, nachdem er im Zusammenhang mit dem Fall der deutschen "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete dem italienischen Innenminister Matteo Salvini gezielte Hetze und Stimmungsmache vorgeworfen hatte.

Laut Jelic habe Salvini von der rechtsnationalen Lega eine Schlagzeile der Bild-Zeitung absichtlich falsch übersetzt und auf seiner Facebook-Seite geteilt; dann habe der stellvertretende Ministerpräsident Italiens so getan, als hätte die deutsche Presse alle Italiener als Pöbel bezeichnet. Aus "Pöbel-Attacke gegen deutsche Kapitänin" wurde auf italienisch "Der Pöbel attackiert Kapitänin", erklärt Jelic im BT-Gespräch. Daraufhin habe er Salvini geschrieben, "ihm eine Deutsch-Lektion erteilt und den Fall publik gemacht", was schließlich die Bild- Zeitung aufgegriffen hat (Ausgabe vom 12. Juli).

"Mir geht es nicht nur um diesen einen Einzelfall, in dem er Italiener gegen Deutschland aufwiegelt. Es geht um die Methode Salvinis, durch Desinformation Ängste und Hass zu schüren, Feindbilder zu schaffen. Es geht um grundsätzliche Fragen der politischen Kultur, es geht um die Gesellschaft, die immer polarisierter, wütender und gespaltener ist", betont Jelic auf seiner Facebook-Seite:

"Salvini befeuert das, weil es ihm politisch nützt. Er braucht diese enthemmte Wut. Das ist unsäglich. Seine Worte sind Gift, seine Taten zynisch und menschenverachtend. Ich werde als italienischer Staatsbürger, als Politikwissenschaftler, aber vor allem als Demokrat Salvinis Politik der Spaltung auch in Zukunft entgegentreten und für demokratische Grundwerte einstehen. So wie viele andere es in Italien und Europa auch tun. Vielleicht kann mein kleiner Beitrag hier ein ermutigendes Signal sein."

Jelic ist in Gernsbach aufgewachsen und wohnt seit 13 Jahren in Bonn. In der ehemaligen Bundeshauptstadt am Rhein hat er studiert und ist dort als Dozent in der universitären Lehre tätig. Zuletzt hat der 33-Jährige drei Jahre federführend ein Forschungsprojekt zur Integration im Ruhrgebiet betreut. Dabei war er regelmäßig in sogenannten sozialen Brennpunktvierteln, um zu erforschen, wie man unter sozial schwierigen Bedingungen Integration fördern kann. Darüber hinaus ist er an diversen Projekten zu Demokratie und Rechtspopulismus beteiligt.

"Ich habe stets akademische Theorie und politische Praxis miteinander vereint", blickt der Gernsbacher auf seine bisherige Laufbahn zurück. Seit 2015 ist er Redakteur des Mitgliedermagazins des Antirassismus-Vereins der Deutschen Gewerkschaften "Mach meinen Kumpel nicht an!" mit dem Logo der Gelben Hand. In dem Magazin bildet Jelic das gewerkschaftliche und betriebliche Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus ab und informiert über aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich. Seit Jahren ist er bundesweit auch für die Gelbe Hand sowie für den DGB oder die Friedrich-Ebert-Stiftung als Referent zu den Themen Migration, Flucht, Asyl sowie Rassismus und Rechtspopulismus tätig. "Ich halte Vorträge, leite Workshops und Seminare oder moderiere Diskussionsveranstaltungen zu diesen Themen. Wie man sich vorstellen kann, brennt seit 2014/2015 rund um die Flüchtlingsdiskussion und dem Erstarken der AfD sprichwörtlich der Baum - im Betrieb wie in der Gesellschaft."

Neben seinem beruflichen Engagement für eine offene und vielfältige Gesellschaft widmet sich Jelic auch ehrenamtlich innerhalb der SPD Bonn diesen Themen. Im Mai 2017 wurde er dort zum stellvertretenden Vorsitzenden der AG Migration gewählt, dieses Jahr war er Delegierter im Willy-Brandt-Haus für die Bundeskonferenz der AG Migration und Vielfalt.

Jelic kommt regelmäßig in seine alte Heimat zurück, seine Eltern und sein 99 Jahre alter Opa Donato wohnen in Gernsbach. "Natürlich habe ich auch noch meine alten Freunde da", betont der junge Mann, der am Albert-Schweitzer-Gymnasium sein Abitur gemacht hat. Um seine "zweite Heimat" Italien macht sich Jelic ernsthafte Sorgen, denn die Spaltung und Polarisierung sei dort noch viel größer als in Deutschland. "Damit einher gehen Wut, Frust und eine Enthemmung, ja eine Verrohung, des gesellschaftlichen und politischen Diskurses. Der Zusammenhalt, die Solidarität, gerade mit den Schwächsten, bröckeln. Dabei werden immer wieder die sozialen Probleme, die ja in der Tat existieren, mit dem Thema Migration verknüpft und ethnisch aufgeladen. Anstatt aber die sozialen Probleme zu lösen, heizt Salvini mit seinem Populismus die Stimmung weiter an. Deswegen bin ich besorgt."

Die Reaktionen auf Jelics Facebook-Kommentar zu Salvini "waren glücklicherweise durchweg positiv". Auch italienische Freunde von ihm fanden seine Initiative gut. "Auf der Seite von Salvini selbst habe ich auch keine direkten Angriffe erfahren, aber die Kom-















mentare unter Salvinis Post, auch nach meinem Versuch der Klarstellung, waren voller Hass und durchweg so, dass sie ,die Deutschen' oder Carola Rackete attackierten und Salvini als ,ihren Kapitän', der endlich durchgreift, feierten. Der ,Kapitän' hat auf meinen Hinweis der Falschmeldung nicht reagiert."

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