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Ein Stück voller Komik, Rausch und Verführung
Ein Stück voller Komik, Rausch und Verführung
29.07.2019 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Gernsbach - Das gab es noch nie im Gernsbacher Kurpark, und vor allem nicht für die Schauspieler des Theaters im Kurpark (tik). Mit Begeisterung und in voller Lautstärke sang das rund 400-köpfige Premierenpublikum am Freitag den Schlusssong "All you need is Love" mit, einen Jahrhunderthit der Beatles. Damit feierte dies zum Schluss ein Ensemble, das während der zweieinhalbstündigen Aufführung von William Shakespeares "Was ihr wollt" über sich hinauswuchs.

Die Version des Schauspielers, Sängers und Regisseurs Volker Lechtenbrink hat es auch in sich, vor allem jede Menge Unsinn und Witz. Auf diese Weise kann auch Shakespeare Spaß machen. Die Künstlergruppe und Statisterie um Regisseur und Herrn Toby von Rülp, Martin Rheinschmidt, gab ihr Bestes. Die Inszenierung kam leichten Fußes daher und wirkte fast schon spielerisch. Von den ersten Szenen bis zur letzten Sekunde hatte das Publikum seine Freude daran, wie häufig aufbrandendes Gelächter bewies.

Schon allein das Bühnenbild, die in Großformat abgebildete "Geburt der Venus" von Sandro Botticelli, zeigte an, dass alles, was als Kulisse (Ludwig Gerber) den Rahmen bildete, zum Statement für Verrücktheiten werden kann. Die Kostüme machen hierbei keine Ausnahme. Wer sich diesbezüglich während des Spiels an Bollywood-Filme erinnert fühlte, lag damit goldrichtig und das war auch so gewollt. Alles ist einander verwoben.

Farbenprächtig gekleidet durchschritten die Hauptdarsteller die Aufführung. Im Kontrast dazu standen die eher an englische Internatskleidung erinnernden Jacken, kurzen Hosen und dazu passenden Kniestrümpfe des Geschwisterpaars Viola (Janina Bender) und Sebastian (Luis Wettach). Ein Ausrufezeichen bildete auch die Kluft von Antonio (Harald Meisel), die sein Schwulsein unterstreichen sollte.

Der sein Dasein eher als einzigen Rausch betrachtende Sir Toby absolvierte seine Auftritte im roten Schottenrock. Sein Kumpel Andreas von Bleichenwang (Stephan Torzewski) glänzte in einer an Don Quijote anlehnenden Ritterrüstung. Schon die Kostümauswahl (Lidwina Catania) barg somit zahlreiche Verrücktheiten, die sich durch das gesamte Spiel ziehen sollten.

Doch bevor sich die Liebe in ihrer gesamten Pracht entfalten konnte, hatten die Protagonisten mit Irrungen, Intrigen und Verwirrungen zu kämpfen. Das Lied "Schlag nach bei Shakespeare" markiert den Anfang sowie die in einem himmelblauen VW-Bus in Hippie-Manier vorfahrenden Mimen. Mit dem Schiffbruch von Viola an der Küste von Illyrien beginnt das eigentliche Spiel. Voller Trauer um ihren vermissten und totgeglaubten Zwillingsbruder Sebastian, verkleidet sie sich als Mann. Als Cesario heuert sie als Bote beim Herzog von Illyrien (Christoph Gerber) an. Dieser wiederum ist in unerfüllter Liebe zur Gräfin Olivia entbrannt. Cesario fällt die Aufgabe zu, ihr die Liebesschwüre seines Herrn zu überbringen.

Olivia verliebt sich aber in Cesario, und Herzog Orsino wundert sich über seine aufflammende Liebe zu seinem Boten Cesario. Die Grunderkenntnis: Nichts ist wie es scheint. Die Verwirrung wird komplettiert mit dem Auftauchen von Zwillingsbruder Sebastian.

Irrungen, Intrigen

und Verwirrungen

In diesem Liebesreigen mitmischen möchte auch Olivias Haushofmeister Malvolio (Jörg Mai). Er ist das Opfer in diesem Ränkespiel. Der Gräfin gewitzte Zofe Maria (Frank Fleischmann) und der an ihr ebenfalls interessierte von Bleichwang, Sir Toby sowie ein kernig auftretender Fabio (Peter Holl) schmieden eine Intrige. Die Situationskomik jener Szene, als ein bisher affektiert auftretender Malvolio in gelben Strümpfen mit gekreuzten Bändern vor Olivia steht und ihr seine Liebe gesteht, ist Zwerchfell erschütternd. Auch der auf einem Steckenpferd daherreitende und schattenboxende von Bleichenwang hat die Lacher auf seiner Seite. Ganz zu schweigen von dem zu Beginn des Stücks im Schaumbad agierenden Orsino.

"Die Liebe ist ein seltsames Spiel", sang einst Connie Francis - und recht hat sie. Vor diesem Hintergrund zelebrieren die Ensemblemitglieder durchgängig starke Auftritte voller grandioser Komik, Rausch und Verführung. Die Dialoge sind knackig zu nennen. Gesprochen wird auch so manche Anzüglichkeit. Der Poesie fühlt sich ein souverän, gewitzt und temperamentvoll agierender Narr (Petra Rheinschmidt-Bender) verpflichtet. Seine Weisheiten bilden die Klammer und ihm gehörte auch die poetische Schlussszene, noch vor einem Rache schwörenden Malvolio.

Noch fünf Mal kann die Komödie gesehen werden. Die nächste Gelegenheit ist heute Abend. Beginn ist um 20 Uhr. Laut Aussage des Theaters sind noch einige wenige Restkarten in der Bücherstube Katz und an der Abendkasse erhältlich.

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