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Im "Auerhahn" wird die Absetzung
Im 'Auerhahn' wird die Absetzung
03.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Vor 170 Jahren, am 23. Juli 1849, fand die Badische Revolution mit dem Sturm preußischer Truppen auf die Festung Rastatt ihr Ende. Schon am 29. Juni hatte Gernsbach mit dem Gefecht an der Murg den Höhepunkt des Aufstands der Badener erlebt. In drei Folgen werden die dramatischen Ereignisse im Sommer 1849 aus der Perspektive des Dorfs Reichental erzählt.

Nicht selten ist der sogenannte Heckerzug Synonym für die Badische Revolution. Friedrich Hecker war im April 1848 mit einem kleinen Häuflein in Konstanz losgezogen. Unterwegs nach Karlsruhe wollte er weitere Anhänger sammeln, um den Großherzog zu verjagen und die Republik auszurufen.

Hecker kam allerdings nur bis Kandern, wo preußische Truppen die Freischärler auseinanderjagten. Es ist nicht bekannt, ob damals auch Murgtäler mit Hecker durch Hegau und Südschwarzwald marschierten. Aus Reichental zumindest war sicher keiner dabei.

Historisches

Obwohl der Heckerzug 1848 gescheitert war, schwelte es in Baden weiter. Im Herbst 1848 rief Gustav Struwe "die deutsche Republik" aus. Sein "Volksheer" von 500 Mann löste sich aber nach kurzem Straßenkampf in Staufen auf. Die Demokraten hatten jedoch erkannt, dass man mit solchen folklorehaften Märschen keinen Umsturz bewirken konnte. Es bedurfte einer revolutionären Organisation hinein bis ins letzte Dorf. Und so wurden im Winter 1848/49 in Baden etwa 500 Volksvereine gegründet. Der großherzoglichen Regierung war nicht bewusst, wie brandgefährlich dieses Netzwerk werden konnte.

Auch in Gernsbach gab es einen solchen Verein. Die Hochverratsakten bezeichnen später den Ratsschreiber Raphael Weiß als "Haupträdelsführer des Volksvereins". Auch der Apotheker Engelhardt Sonntag, der wie Hecker "Schärpe und Schleppsäbel" trug, war Mitglied. Der Polizeiwachtmeister Wilhelm Rottengatter "stand an der Spitze der Republikaner", und auch der Bockwirt Wilhelm Seyfahrt galt als "Hauptteilnehmer des Volksvereins". "Sein Wirtshaus war ein Hauptvereinigungspunkt der revolutionären Partei."

Es ist davon auszugehen, dass auch ein Mann aus Reichental regelmäßig an den konspirativen Treffen teilnahm: Der Dorfschullehrer Franz Joseph Frei, von dem noch die Rede sein wird.

Die Volksvereine waren organisiert. Es gab den "Zentralausschuss der Volksvereine des Murgtals", in welchem der Gernsbacher Feilenhauer Alois Haas Mitglied war. Kopf der Volksvereine war der Landesausschuss in Mannheim. Und dieser lud auf den 12./13. Mai 1849 zu einer Volksversammlung nach Offenburg ein. Um die 30 000 Menschen kamen. Es wurden demokratische Forderungen aufgestellt und die revolutionären Offenburger Beschlüsse gefasst.

Offenburger Beschlüsse im Flugblatt verteilt

Schon am Abend des 13. Mai wurde im "Auerhahn" in Reichental die Absetzung des Großherzogs diskutiert. Der Wirt Florian Merkel hatte aus Gernsbach ein Flugblatt mit den Offenburger Beschlüssen mitgebracht, welche die demokratischen Grundrechte einforderten. "Wenn das so kommt, dann ist das gut", soll Bürgermeister Josef Dörrer am Stammtisch gesagt haben.

(Fortsetzung folgt.)

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