https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Wissenstransfer in beide Richtungen
Wissenstransfer in beide Richtungen
12.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Gernsbach - Fast 9 000 Kilometer hat die chinesische Medizinerin Hui Feng zurückgelegt, um im Mediclin-Reha-Zentrum Gernsbach mehr über die Rehabilitationsmaßnahmen in Deutschland zu erfahren. Feng ist in der Millionenstadt Nanjing als Chefärztin der Neurologie in einem Universitätskrankenhaus tätig. Noch bis Ende August hospitiert sie im Mediclin. Im BT-Gespräch schildert sie, zu welchen Erkenntnissen sie in den vergangenen Monaten in Gernsbach gekommen ist.





In ihrer Heimat ist Feng bereits seit rund 15 Jahren in der Rehabilitation tätig. "Ich habe westliche Medizin studiert", erzählt sie. Durch ihre dreimonatige Hospitanz in Deutschland kann sie die europäischen medizinischen Maßnahmen nun endlich aus nächster Nähe betrachten.

Jeden Morgen begleitet Feng die Ärzte im Gernsbacher Reha-Zentrum und schaut ihnen bei der Visite einzelner Patienten über die Schulter. Im Anschluss stellt sie den deutschen Professoren und Doktoren Fragen zu Dingen, die ihr aufgefallen sind oder informiert sich in Fachzeitschriften. Bei Fengs täglicher Arbeit gehe es weniger um praktisches Handeln, sondern viel mehr "um passives Lernern und Sehen", erläutert Dr. Thomas Mokrusch, Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Mediclin Reha-Zentrums. Die Gastärztin sei an den europäischen Vorgehensweisen "sehr interessiert".

Während ihres Aufenthalts konnte Feng nach eigenen Angaben schon einige kleine Unterschiede zwischen den Therapien in China und in Deutschland feststellen: "Manche Dinge sind hier ein bisschen anders", berichtet sie.

Unterschiede in den



Organisationsformen

Beispielsweise sei in China die Frührehabilitation mit Patienten, die beatmet werden, noch nicht in dem Ausmaß vorhanden wie in Deutschland. "In China fangen sie erst jetzt langsam mit der Frührehabilitation an", so Mokrusch. Auch in der Ablaufplanung und in der Arbeitsorganisation gebe es teilweise andere Ansichten, fügt Feng hinzu. Ein weiterer Unterschied sei, dass man in China kaum ein Problem habe, technische Voraussetzungen für bestimmte Therapiemaßnahmen zu erfüllen.

"Deutschland verfügt dafür aber über mehr medizinisches Know-how und hat eine Menge Erfahrung mit verschiedenen Details", schildert Feng ihre Erkenntnisse. Hinzu komme, dass es in China zwar mehr Doktoren pro Patient gebe, dafür aber weniger Therapeuten.

Wenn sie Ende August nach Nanjing zurückkehrt, möchte sie mit ihrem in Gernsbach erworbenen Wissen gerne etwas bewirken: "Es wird keine großen Veränderungen geben, denn im Grunde gestaltet sich unsere Arbeit sehr ähnlich, aber dennoch gibt es Einiges, das ich aus meiner Zeit in Gernsbach mitnehme und meinen Kollegen in China präsentieren werde." Dabei handele es sich weniger um medizinische Inhalte, sondern mehr um Organisationsformen und praktische Vorgehensweisen.

"Oft sind es kleine Dinge, die man von anderen lernt", meint Mokrusch. Auch er habe von dem Austausch profitiert: "Das ist ein Wissenstransfer in beide Richtungen. Über Frau Dr. Feng bekommen wir etwa Einblicke in traditionelle chinesischen Therapien." Dazu gehöre beispielsweise die Akupunktur, die in China häufiger als in Deutschland angewendet werde und nicht nur zur Schmerzbehandlung, sondern auch zur Aktivierung diene, wie Feng erklärt. "In meiner Heimat wird im Gegensatz zu Deutschland viel mehr mit Elektrotherapien gearbeitet", fügt sie hinzu.

Während ihrer Hospitanz sei allerdings nicht nur ein Wissenstransfer im medizinischen Bereich erfolgt, sondern auch im kulturellen. Während Feng in den drei Monaten auch ein wenig durch die Region gereist ist, habe sie viel von der deutschen Lebensart mitbekommen.

"Und manchmal haben mir die Kollegen auch Fragen zur chinesischen Kultur gestellt", sagt sie und schmunzelt. Für Feng sei ihre Hospitanz "in vielerlei Hinsicht eine tolle Erfahrung". Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen bei Mediclin sei sehr gut, ihr gefalle es in Gernsbach, betont Feng.

Auch Mokrusch ist sichtlich begeistert. Der fachliche Austausch sei für beide Seiten von Vorteil, meint er. "Es gibt immer etwas Neues, das man von dem anderen lernen kann." Aus diesem Grund wolle er an der Möglichkeit einer Hospitanz im Gernsbacher Reha-Zentrum festhalten. Die nächste chinesische Hospitantin werde bereits im September erwartet, kündigt Mokrusch an.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Umfrage

Anhängelast oder Bremsweg: Denken Sie, dass Sie die theoretische Führerscheinprüfung heute noch bestehen würden?

Ja.
Nein.


https://www.caravanlive.de/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz