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Das starke Tier aus Stahl: Der Benz-Gaggenau Landtraktor
12.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Wessel

Gaggenau - Ein universell einsetzbares Motorgerät für die Land- und Forstwirtschaft entwickelte eine kleine Gruppe von Ingenieuren und ein Diplom-Landwirt gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. Es sollte den bekannten Schleppern sowohl technisch als auch im Komfort für den Fahrer und Beifahrer überlegen sein. Und vor allen Dingen: Es sollte helfen, den Hunger der Bevölkerung zu lindern. Das Ergebnis war bekanntermaßen der Unimog.

In einem Prospekt ist zu lesen: "Die Nutzung der Bodenfläche zur Erzeugung von Feldfrüchten, vornehmlich für die Zwecke der Ernährung, steht heute mehr als je im Vordergrund des Interesses. Die Hungersnöte, die in allen Ecken herrschten und herrschen, der Mangel an gewissen lebenswichtigen Rohstoffen sind ein warnendes Zeichen." Die Sätze stehen nicht in einem frühen Unimog-Prospekt, sondern in einem Prospekt von 1921 für den Benz-Gaggenau-Traktor. Mit der Entwicklung zweier Friedensprodukte, einem Landtraktor und einer Straßenzugmaschine, wurde Oberingenieur Berger beauftragt. Dabei galt es, Komponenten der nach dem Krieg neu entwickelten Lastwagen zu verwenden.

Der Landtraktor konnte nach kurzer Entwicklungszeit bereits 1920 angeboten werden. Er hatte den aus dem Fünf -Tonnen-Lastwagen stammenden Vierzylindermotor S 120 mit 50 bis 55 PS. Eine weitere Parallele zum späteren Unimog und MB-trac war das verkleidete Fahrerhaus mit einer gepolsterten Sitzbank - bei den damaligen Traktoren unüblich.

In dem Prospekt von 1921 ist zu lesen: "Die Benzwerke Gaggenau, welche diese Maschine herstellen, konnten die Erfahrung eines Vierteljahrhunderts im Auto-Lastwagen-Bau bei der Konstruktion des Traktors nutzbar machen. Durch verständnisvolle Abänderung wurde der schwere Arbeitswagen zu einem Universal-Werkzeug für die Landwirtschaft, dem Traktor, entwickelt, der seine Besitzer zum souveränen Herrn der Wirtschaft macht."

Und später heißt es weiter: "Pflug und Ku ltivator, Walze und Egge, Sämaschine und Heuwender, Mähmaschine, Garbenbinder und Rübenheber, alle die unentbehrlichen Werkzeuge des Landmannes zieht das starke Tier aus Stahl unermüdlich." Angepriesen wird weiter, dass durch eine Riemenscheibe eine Dreschmaschine, eine Mühle oder ein Steinbrecher angetrieben und sogar Strom erzeugt werden kann. Auch die frühen Unimog-Modelle konnten mit solch einer Riemenscheibe ausgestattet werden. In einem weiteren Prospekt wird zudem damit geworben, dass durch den Einbau einer Seilwinde die Verwendbarkeit des Traktors erhöht wird. Schmunzeln muss man bei der Aussage: "Für den Verkehr abseits der Kunststraße, das heißt für das Befahren nicht befestigter Wege, ist der Benz-Gaggenau-Traktor das lange gesuchte Fahrzeug. Als Zubringer für das Baumaterial und zur Abfuhr der ausgehobenen Erde, bei Kanalbauten, beim Bau von Staubecken und Straßen leistet er alles das, was sonst der Feldbahn überlassen werden muß. Dieser gegenüber ist er durch den Wegfall des Schienenweges mit allen seinen manchmal unerwünschten Folgen und großem Kapitalaufwand überlegen."

Für den schnellen Massentransport ohne Schienen wurde ab 1921 eine Straßenzugmaschine mit vier gleich großen Rädern angeboten, die ebenfalls mit dem Vierzylindermotor S 120 (allerdings mit 50/55 PS) ausgestattet war. In einem Prospekt werden ihre Vorzüge wie folgt beschrieben: "Die Bewältigung der Massentransporte ist ein Problem, an dessen Lösung die ganze Volkswirtschaft in hervorragendem Maße interessiert ist. Diejenige Einrichtung, welche heute beinahe das Monopol auf diesem Gebiet hatte, nämlich die auf eigenen Wegen verkehrende Eisenbahn, erfüllt ihre Aufgabe aus verschiedenen Gründen unzureichend." Auch diese Aussage kommt uns heute bekannt vor.

Der Gaggenauer Landtraktor wurde zwar 1925 noch mit einem 50-PS Diesel-Motor ausgestattet. Aber im Zusammenhang mit der Fusion zwischen Daimler und Benz gab man hier die Produktion des Landtraktors und der Straßenzugmaschine im gleichen Jahr auf.

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