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Diebestour im Drogenrausch
Diebestour im Drogenrausch
20.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Jahn

Baden-Baden/Murgtal - Es sind 20 Delikte, wegen derer sich ein 31-Jähriger seit gestern vor dem Landgericht Baden-Baden verantworten muss. Raub und Wohnungseinbruchsdiebstahl wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor. Am ersten Verhandlungstag war er weitgehend geständig. Die Einbrüche und Diebstähle ereigneten sich im Januar und Februar dieses Jahres in Gaggenau und Gernsbach.


Fast eine halbe Stunde dauerte es, bis Staatsanwältin Katharina Eckardt vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts die Anklageschrift verlesen hatte. Punkt eins, der vom zeitlichen Ablauf der letzte Einbruch war, führte letztlich zur Ermittlung und Festnahme des 31-Jährigen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Am 24. Februar hatte er um 7.15 Uhr ein Wohnhaus in einem Gaggenauer Stadtteil heimgesucht und sich durch Aufhebeln einer Kellertür Zugang zu dem Haus verschafft. Die Familie schlief zu diesem Zeitpunkt. Der Mann wachte "durch den Lärm" auf und wollte nach dem Rechten sehen. Im Badezimmer entdeckte er den ungebetenen Gast. Aus der rechten Tasche zog der Einbrecher vermeintlich eine Pistole. Sofort flüchtete der Hausbewohner ins Schlafzimmer. Zwischenzeitlich hatte die Ehefrau die Polizei alarmiert. Etwa zehn Minuten blieb der Einbrecher im Haus. Er erbeutete eine Uhr, Ohrringe und etwas Modeschmuck. Den Wert gab der Zeuge mit 600 Euro an, den Gesamtschaden mit fast 3 500 Euro.

Hat der Angeklagte eine Pistole gezogen?

"Ich dachte zunächst, dass der Täter eine Pistole zieht", sagte der Zeuge vor Gericht. Eine ähnliche Situation hatte der Zeuge vor mehreren Monaten schon einmal erlebt. Später sprach er von einem "silbernen Gegenstand". Der Angeklagte dementierte, eine Pistole mitgeführt zu haben. Es habe sich um Tränengas gehandelt. Als die Polizei am Tatort eintraf, war der Einbrecher verschwunden, konnte aber einige Zeit später in Malsch festgenommen werden.

Die weiteren Einbrüche verübte der Täter meistens nachts. Teilweise suchte er in einer Nacht drei Anwesen heim. Zutritt verschaffte er sich durch das Aufbrechen von Türen. Teilweise lagen Wohnungsschlüssel auch in Autos oder waren in Gartenhütten deponiert. In Gernsbach wurde er am 17. Februar um 4.30 Uhr bei einem Einbruch ebenfalls vom Hausbewohner überrascht, ergriff aber umgehend die Flucht. Bei manchen Einbrüchen fiel ihm nichts in die Hände, bei anderen Beute von geringerem Wert. So zum Beispiel ein Nagelset und zwei Rucksäcke, teilweise auch Bargeld. Auch das Vereinsheim des Kleintierzuchtvereins Gaggenau suchte er heim und erbeutete dort unter anderem Kaninchen. "Die habe ich geschlachtet und nach Zubereitung gegessen", sagte der Angeklagte, der gelernter Fleischer ist. Ein Anwesen suchte er zweimal heim. In der Nacht zum 19. Februar schlug er ein Loch in die Scheibe an der Terrasse und erbeutete 210 Euro und Kreditkarten. Nachdem der Wohnungseigentümer das Loch provisorisch abgeklebt hatte, kam der Dieb in der folgenden Nacht erneut dort hin. Zu einem Einbruch vom 22. auf 23. Februar sagte die Staatsanwältin bezüglich der Beute: "Der Angeklagte hat dort eine Flasche Orangina getrunken."

Der Beschuldigte verbrachte lange Zeit seiner Kindheit in einem Kinder- und Jugendheim, nachdem er zuvor in schwierigen familiären Verhältnissen im Murgtal gelebt hatte. Nach seiner Ausbildung zum Fleischer war er lange krankgeschrieben, unter anderem wegen Depressionen. Auch seine Ehe scheiterte. In der Folge konsumierte er verstärkt Drogen, in der falschen Hoffnung, sein Leben "auf die Reihe zu bekommen". Auch seine Frau habe Drogen konsumiert.

Es habe viele private Rückschläge gegeben. Die Drogen seien deshalb Ablenkung gewesen. Marihuana, Amphetamine, etwa einmal im Monat Kokain, das war in etwa der Drogen-Cocktail, den der Angeklagte konsumierte.

Bis auf "die Sache mit der Schusswaffe" würden alle Vorwürfe stimmen, sagte der 31-Jährige. Er räumte ein, dass er sich wegen der Drogen nicht an alles erinnern könne. "Ich war ziemlich zugedröhnt, sagte er. Wie wertlos die Beute größtenteils für ihn war, wird durch die Angaben deutlich, dass er vieles weggeschmissen habe. Nur weniges habe er zu Geld gemacht.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 5. September, um 9 Uhr mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

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