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Besondere Zeitdokumente
Besondere Zeitdokumente
23.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Markus Mack

Forbach - Archive seien für sie sehr spannend, berichtet Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke. Deshalb fand sie des Öfteren den Weg in die Kellerräume des Rathauses und entdeckte dort ein Buch, das ihr Interesse weckte: Eine Chronik, die der damalige Bürgermeister Otto Fritz im September 1919 begonnen hatte. Archivar Helmut Müller erkannte die Seltenheit des äußerlich unscheinbaren Buchs. Es ist eine Mischung aus Weltgeschehen und Vorkommnissen im Ort. Bei seiner Arbeit im Gemeindearchiv entdeckte er weitere Raritäten: Zwei Plakate aus der Zeit der Revolutionskriege aus dem Jahr 1793.

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Der freiberufliche Archivar Müller arbeitet derzeit in Forbach. Das Archiv im Rathauskeller ist erweitert, sodass die Aufbereitung und Erfassung der Bestände aus dem Kernort sowie den Ortsteilen möglicht ist. Sieben Räume stehen jetzt zur Verfügung.

"Die Aufzeichnungen sollen die wichtigsten und für die Nachwelt interessantesten Vorgänge in der Gemeinde in zusammengefasster Weise wiedergeben und als Nachschlagwerk dienen", heißt es auf der ersten Seite der Chronik. Sie beginnt mit der Dienstzeit des Verfassers, der erste Eintrag datiert vom 10. September 1919. Auf insgesamt 200 Seiten wird das Zeitgeschehen dokumentiert mit Fotos, Zeitungsausschnitten und Anmerkungen in Sütterlinschrift. Der Zeitraum bis 1945 umfasst 180 Seiten, weitere fünf Seiten sind dem Jahr 1948 gewidmet. Für die Spanne von 1954 bis 1957 hat der nachfolgende Bürgermeister Emil Wunsch die Chronik um 15 Seiten ergänzt.

Inhaltlich beschäftigt sich Bürgermeister Fritz mit vielfältigen Themen, der Arbeit von Gemeinderat und Verwaltung, Dienstjubiläen, der Wasserversorgung, der Glockenweihe von 1924, mit Rathaus- und Schulhausneubau, den neuen Abschnitten der Murgtalbahn oder der Hochwasserkatastrophe vom 7. August 1931. Diese ist mit mehreren beeindruckenden Fotos dokumentiert. Die Dammbruchgefahr der Schwarzenbachtalsperre, Fliegerangriffe und Flugzeugabstürze während des Zweiten Weltkriegs sind weitere Themen in der Chronik.

Die große Politik ist ebenso vertreten mit Inflation, Reichstagswahlen, Gleichschaltung während der NS-Zeit sowie den angeblichen Aufenthalten Mussolinis 1908 in Langenbrand beim Bau der Murgtalbahn oder von Adolf Hitler in Forbach von 1940. Der letzte Eintrag stammt vom 19. März 1945. Eine Ergänzung beschäftigt sich mit der gescheiterten Bürgermeisterwahl von 1948.

Die Chronik soll digitalisiert werden, auch eine Faksimile-Ausgabe wäre denkbar, so die Einschätzung des Archivars. Das Werk bleibt im Forbacher Rathaus und könne als Quelle für historische Berichte dienen, erläutert die Bürgermeisterin.

Müller präsentierte noch zwei weitere Zeitdokumente: Aushangs-Plakate aus der Zeit der Revolutionskriege. Darauf veröffentlichte Markgraf Karl Friedrich von Baden Briefe von Kaiser Franz II., in denen dieser seine Untertanen aufrief, nicht in die Dienste der französischen Revolutionäre zu treten und zum Kriegsdienst rief. Auf dem zweiten Plakat forderte der Kaiser, alle französischen Minister, Agenten und Werber "aus den deutschen Landen fort- und auszuschaffen", der Handel von kriegstauglichen Materialien mit Frankreich wurde verboten.

Im Forbacher Rathaus zeigt man sich erfreut über die Arbeit von Helmut Müller. Dieser ist bereits zum dritten Mal in der Gemeinde tätig und arbeitet mit Kreisarchivar Martin Walter zusammen. "Das Archiv liegt uns am Herzen", verdeutlicht Bürgermeisterin Katrin Buhrke.

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