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Altensteiger treiben Herden auf Kaltenbronn
Altensteiger treiben Herden auf Kaltenbronn
24.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Friedbert Zapf

Gernsbach - Jahrhundertelang wurden die Hochflächen des Kaltenbronngebiets, die sogenannten Grinden, beweidet. Der Name Grind bedeutet kahler Bergkopf. Der Wald war nämlich durch das Weidevieh bis auf wenige Reste zurückgedrängt worden, Sauergräser, Heidekraut und Heidelbeere dominierten.


Die Gemeinden des badischen Murgtals trieben ihre Herden von April b is Oktober auf die Kaltenbronner Hochflächen. Schon 1465 gab ein alter Forbacher zu Protokoll, seit Menschengedenken seien die Leute aus der ganzen Grafschaft Eberstein mit Ochsen, Kühen und Schweinen bis in die Rombach "gefahren". Auch die Reichentaler Dorfordnung von 1610 bestätigt, dass "auff dem Berg" geweidet wurde. Und die Herden dort oben waren riesig: Im Jahre 1707 beispielsweise wurden 66 Herden mit 1 700 Stück Vieh gezählt.

Seit etwa 1440 zog auch noch die Herde des Kirchspiels Altensteig, "was beinahe allen Glauben übersteigt", so Graf von Sponeck, "unter einem oder zwei Hirten mehrere Sommermonate Tag und Nacht" auf den Kaltenbronn. "Die Hirten machen sich Hütten und mehrere sogenannte Viehlager, wo die Heerde über Nacht sich zusammenlagert." Das Kirchspiel Altensteig umfasste die Orte Altensteig, Altensteigdorf, Beuern, Enztal, Ettmannsweiler, Fünfbronn, Simmersfeld und Überberg, die Mutterkirche war in Altensteigdorf. Da diese Gemeinden seit 1398 zur Markgrafschaft Baden gehörten, beanspruchten auch sie das Weiderecht auf dem Kaltenbronn.

Die Hirten des Altensteiger Kirchspiels trieben das Vieh über die Enz und das Rombachtal hinauf zum Viereichensattel. In dieser Gegend hatte die Stadt Gernsbach im Jahr 1517 von Wendel Molrich aus Langenbrand einen Wald gekauft. Immer wieder erhob die Stadt Einspruch gegen den Durchzug der Herden des Kirchspiels. Und immer wieder wird auch von Streitigkeiten und handgreiflichen Händeln zwischen Murgtäler und Altensteiger Hirten berichtet.

Als 1535 die Markgrafschaft geteilt wurde, fiel die Herrschaft Altensteig an die Markgrafschaft Baden-Durlach. Der Kaltenbronn indes verblieb bei der Markgrafschaft Baden-Baden. Jetzt waren die Altensteiger Hirten auf dem Kaltenbronn Untertanen einer anderen badischen Herrschaft, was die Situation weiter verschärfte, zumal sich beide Markgrafschaften auch wegen der Jagdausübung und Oberhoheit in den Schramberg- und Rombachwaldungen stritten.

1603 verkaufte die geldklamme Markgrafschaft Baden-Durlach die Herrschaft Altensteig und damit auch das Kirchspiel Altensteig an das Herzogtum Württemberg. Jetzt nahmen die Weidestreitigkeiten an Schärfe zu, denn die Altensteiger waren nun ja württembergische Ausländer, die mit ihren Herden badisches Territorium abweideten. Selbstbewusst bestanden die Altensteiger aber auf ihren angeblich angestammten Weiderechten, die bis zum "Steinernen Brückle" (bei der Prinzenhütte) im Hohlohgebiet reichten.

Während es den Altensteiger Hirten nur um den Zugang und ihre freie Weide auf den Hochflächen ging, nutzte das Herzogtum Württemberg die unklare Grenzsituation im Enztal, um Gebietsansprüche zu stellen. Durch seinen Vogt in Altensteig beanspruchte Württemberg 1742 das Hoheitsrecht über den Rombachwald, der Gernsbach gehörte. In diesem Wald lagen noch eine Sägemühle und das armselige kleine Gut einer Kolonistenfamilie. Es kam zum Prozess, doch die Eigentumsgrenzen blieben unklar, da noch keine Grenzsteine gesetzt waren.

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