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Trotz Sehbehinderung keine Angst vor dem Unbekannten
Trotz Sehbehinderung keine Angst vor dem Unbekannten
26.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - Heute ist es soweit. Emilia Dorfner reist nach Ghana, Westafrika, um dort ihren einjährigen, entwicklungspolitischen Freiwilligendienst anzutreten. Wenn man als Jugendlicher für mehrere Monate ins Ausland geht, gehört dazu immer auch immer Mut und Zuversicht. Die 19-Jährige scheint von beidem viel zu besitzen. Emilia Dorfner ist stark sehbehindert, doch für die junge Bad Rotenfelserin ist das kein Hinderungsgrund.

Für Afrika begann sie sich schon während ihrer Grundschulzeit zu interessieren. Das Thema Afrika ließ Emilia Dorfner nicht mehr los. 2018 machte sie zusammen mit ihrer Familie Urlaub in Namibia. "Zu der Zeit besuchte ich die Oberstufe der Anne-Frank-Schule und machte mir Gedanken darüber, was ich nach dem Abitur machen wollte. Mein großer Wunsch war es, ins Ausland zu gehen." Gespräche mit anderen Jugendlichen, die nach der Schule einen Freiwilligendienst im Ausland absolvierten und auch die Erfahrungen ihrer Cousine, die auf diese Weise einige Zeit in Indien verbracht hatte, inspirierten Emilia Dorfner dazu, ebenfalls einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen. Da sie seit zehn Jahren Ministrantin ist und in diesem Rahmen auch als Gruppenleiterin aktiv, lag der Gedanke nahe, den Auslandsaufenthalt mit Jugendarbeit zu kombinieren.

Emilia Dorfner begann sich über verschiedene Organisationen zu informieren, die Freiwilligendienste im Ausland anbieten. Sie bewarb sich bei der Organisation "Bezev". "Die Organisation engagiert sich für eine gerechte, soziale und nachhaltige Welt, in der alle Menschen die gleichen Entwicklungs- und Teilhabechancen haben. Dabei unterstützt sie nicht nur Einrichtungen, um Menschen mit Behinderungen weltweit zu fördern, sondern sie ist spezialisiert, freiwillige Helfer mit und ohne Behinderungen zu entsenden, um auch so Gerechtigkeit zu schaffen", erklärt Emilia Dorfner.

Um die Helfer auf ihre Auslandseinsätze in Ghana, Uganda, Tansania, Mexiko, Ecuador oder Peru vorzubereiten, haben sich die 16 Freiwilligen, die aus dem gesamten Bundesgebiet kommen, schon mehrere Male getroffen. Dabei wurden Zweier-Teams festgelegt. In der Regel reist immer ein Jugendlicher mit Einschränkung zusammen mit einem ohne Beeinträchtigung. Emilia Dorfner wird mit dem 20-jährigen Jonas aus Essen nach Ghana fliegen.

Dankbar für

Unterstützung

In dem kleinen Fischerdorf Ampenyi wird sie ein Jahr lang in der "Be The Change Foundation" arbeiten. "Meine Aufgabe besteht darin, möglichst vielen Kindern aus armen Familien den Zugang zu Bildung zu erleichtern und so zur Verringerung der weitverbreiteten Armut beizutragen." Darüber hinaus möchte die Bad Rotenfelserin auch Twi lernen, die Sprache der Einheimischen, in den Alltag ihres Dorfs eintauchen, Traditionen kennenlernen und Kontakte knüpfen. An den freien Tagen möchte sie mit Jonas Ausflüge ins Umland unternehmen. Was sie mitnimmt, findet Platz in ihrem geräumigen Rucksack. Finanziell unterstützt wurde sie für ihre Ghanareise durch Freunde und Bekannte, Vereine und Firmen sowie der Kirchengemeinde St. Laurentius. "Ich bin total überwältigt und dankbar für die große Unterstützung."

Angst vor dem Unbekannten hat sie keine. "Ich habe seit der Geburt an beiden Augen den Grauen Star und bin zigmal operiert worden. Obwohl ich nur eine Sehkraft von fünf Prozent habe, haben mich meine Eltern als Kind nie in Watte gepackt. Ich habe früh gelernt, offen über meine Behinderung zu reden und zu sagen, was ich brauche." Dank der Unterstützung durch ihre Familie und eine Betreuerin, zu der sie noch heute Kontakt hält, machte Dorfner nach den ersten sechs Jahren in der Sehbehindertenschule in Karlsruhe, die Mittlere Reife an der Realschule Gaggenau und anschließend das Abitur an der Anne-Frank-Schule in Rastatt.

Emilia Dorfner hat für sich einen Weg gefunden, mit der Behinderung klar zu kommen. Und nicht nur das: Sie ist bemerkenswert aktiv. So engagiert sie sich als Gruppenleiterin in der Kinder- und Jugendarbeit. Außerdem ist sie bei den "Fridays for Future"-Demonstrationen dabei. Wenn Zeit bleibt, fährt sie gern mit der Familie Ski, geht schwimmen und spielt Geige. Zu ihren Lieblingsorten gehört Taizé, weil sie die Solidarität und Toleranz vor Ort genießt.

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