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Klimawandel greift heimische Bäume an
27.08.2019 - 00:00 Uhr
Murgtal (red) - Fichten, Tannen und auch Buchen und Eichen leiden zunehmend unter den Folgen des Klimawandels, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts Rastatt. Douglasien, Türkische Tannen, Atlas- und Libanonzedern könnten bei fortschreitendem Klimawandeln zu Alternativbaumarten werden. Im Staatswald bei Gaggenau führt das Forstamt des Landkreises Rastatt in Kooperation mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg Versuchsanbauten durch.

Die Veränderung des Klimas macht sich auch in der Forstwirtschaft zunehmend bemerkbar: "Gerade die lang anhaltende Dürreperiode im letzten Sommer hat gezeigt, welche Auswirkungen Klimaextreme auf unseren heimischen Wald haben", berichtet Förster Raphael Knapp, der den Staatswald des Reviers Michelbach betreut. "Fichtenbestände, die im Zuge der Dürre unter Trockenstress geraten, werden von Borkenkäfern befallen, die sich aufgrund der günstigen Bedingungen rasend schnell vermehren und große Waldbestände zerstören können."

Auch die Tanne, der Charakterbaum des Schwarzwalds, zeige angesichts steigender Temperaturen und geringer Sommerniederschläge zunehmende Dürreschäden. "Direkt an der Landesstraße L 613 zwischen Michelbach und Freiolsheim musste im vergangenen Winter fast ein kompletter Tannenbestand vorzeitig geerntet werden, weil er den Dürresommer nicht überstanden hatte und die Baumkronen plötzlich rot wurden", sagt der Förster.

Selbst Eiche und Buche standen laut Knapp im Trockensommer gewaltig unter Stress und zeigen aktuell recht schüttere Belaubung und zunehmende Totholzanteile in den Baumkronen.

"Unsere Wälder stehen vor einer großen Herausforderung. Die meisten unserer heimischen Baumarten sind nicht an die steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen und an lang anhaltende Dürreperioden angepasst." Aufgrund der langen Produktionszeiträume in der Forstwirtschaft sei es deshalb wichtig, frühzeitig Alternativbaumarten zu finden, die sich bei fortschreitendem Klimawandel in den hiesigen Wäldern etablieren könnten. Zu diesem Zweck werden im Rahmen eines Forschungsprojekts der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA) seit 2018 in verschiedenen Landesteilen verstärkt Versuchsflächen angelegt, die im Verlauf der kommenden Jahre Informationen über "Alternative Baumarten" liefern sollen.

Zwei Versuchsflächen im Murgtal angelegt

Das Forstamt beim Landratsamt Rastatt beteiligt sich ebenfalls an dem Pilotprojekt. Im Revier von Raphael Knapp wurden im Jahr 2018 zwei Versuchsflächen von jeweils etwa einem Hektar Größe angelegt. Eine Fläche liegt oberhalb des Michelbacher Friedhofs. Die zweite Fläche zwischen dem Waldparkplatz Maiersbild und dem Gaggenauer Teilort Freiolsheim unterhalb der L 613.

Nach Räumung und Vorbereitung der Pflanzflächen seien Atlaszedern, Libanonzedern und Türkische Tannen gepflanzt worden, teilt das Landratsamt mit. Diese drei Baumarten würden in ihren Herkunftsgebieten als sehr resistent gegenüber länger anhaltenden Hitze- und Trockenperioden gelten und dennoch ein vielseitig verwendbares Holz ausbilden. Als Vergleichsbaumart wird ebenfalls unsere heimische Weißtanne in die Feldstudie einbezogen. Im Vergleich zur Fichte habe sie eine bessere Tiefendurchwurzelung, sei stabiler gegenüber Stürmen und zeige eine geringere Anfälligkeit gegenüber rindenbrütenden Schädlingen, heißt es in der Mitteilung weiter. Als fünfte und letzte Baumart ist die Douglasie als Versuchsbaumart auf der Fläche mit ausgebracht. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Baumart sei die wohl am besten untersuchte fremdländische Wirtschaftsbaumart und gilt unter den nichtheimischen Alternativbaumarten zugleich als der größte Hoffnungsträger der deutschen Forstwirtschaft.

Aktuell sei aber noch Geduld angesagt. Zum Schutz gegen Wildverbiss wurden die Versuchsflächen eingezäunt. Die jungen Bäumchen seien gut angewachsen. Damit sich die Bäume gegen Konkurrenzvegetation wie etwa Brombeersträucher durchsetzen, müssen sie in den nächsten Jahren noch aufwendig von Hand freigeschnitten werden. "Es dauert noch einige Jahre, bis auf den Versuchsflächen wieder ein dichter Wald entstanden ist", informiert das Landratsamt.

Für die Waldbesucher wurden Informationstafeln mit Hinweisen zu den verschiedenen Baumarten und zum Zweck der Versuchsflächen aufgestellt.

"Ob künftig tatsächlich mal Zedern oder andere neue Baumarten in unseren Wäldern stehen werden, ist aktuell noch nicht abzusehen", merkt Raphael Knapp an. "Die Forstwirtschaft denkt in sehr langen Zeiträumen, von daher wird man erst in den kommenden Jahrzehnten sicher sagen können, ob es sich bei diesen Baumarten um tatsächliche Alternativen für unseren Wald handelt."

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