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Stört das Wohnen das Gewerbe?
28.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Wohnraum schaffen ist eines der zentralen Ziele Gaggenauer Kommunalpolitik. Dabei soll möglichst die bestehende Siedlungsfläche genutzt werden - um die Landschaft zu schützen. Deshalb treibt die Stadt auch die Überplanung einer bisherigen Gewerbefläche an der Viktoriastraße voran. Doch dagegen regt sich Widerstand: Ein Kfz-Betrieb sieht sich langfristig in seiner Existenz gefährdet. Die Stadtverwaltung hingegen kann keinen Zielkonflikt erkennen.

Es handelt sich um insgesamt 2 300 Quadratmeter, die bislang von Rollladenbau Hurrle und Holzbau Hurrle genutzt wurden. Nach deren Umzug an den Pionierweg in Ottenau sollen Wohnhäuser entstehen: Eine Bauanfrage von Konzok Planen und Bauen für ein Mehrfamilienhaus mit vier Stockwerken und elf Eigentumswohnungen, Tiefgarage und Stellplätzen liegt vor. Direkt angrenzend sind zwei Reihenhauselemente ("Stadthäuser") mit integrierter Garage geplant.

Gerhard Stefan, Gründer und Seniorchef des Autohauses Stefan, hat Widerspruch gegen den "Bunker", wie er es nennt, eingelegt: Das Vorhaben sei nicht zulässig. "Ansonsten sind Beschwerden der künftigen Bewohner wegen der Arbeiten, dem Fahrzeugdurchsatz und den verbundenen Geräuschen sowie Geruchsentwicklung erfahrungsgemäß vorhersehbar", schreibt Stefan an Stadtverwaltung und Ratsfraktionen. Zumal die Loggien des Neubaus direkt zur Werkstatt hin orientiert seien.

Das Autohaus Stefan und dessen Inhaber, Stefans Sohn Philipp Göller, firmieren als freie Porsche-Werkstatt und Händler exklusiver Fahrzeuge.

"Die Anlieferungen der Ersatzteile, die in der Regel nachts und am frühen Morgen stattfinden, werden mit Sicherheit zum Streitfall. Selbst das Anliefern und Abholen der zu reparierenden Fahrzeuge - was sicherlich keinen überdurchschnittlichen Lärm verursacht - hat in der Vergangenheit ungerechtfertigte Beschwerden ausgelöst", so Stefan. Hinzu kommt: "Wir handeln mit Rennautos, die haben nun mal andere Lärmemissionen."

"Keine Bebauung

zum jetzigen Zeitpunkt"

Bislang habe man sich mit den Anwohnern arrangiert, "aber wenn nun elf Wohnungen dazu kommen, dann werden wir unseren Betrieb nicht mehr so wie bisher aufrechterhalten können - obwohl man uns Bestandsschutz garantiert." Bereits jetzt herrsche in der Viktoriastraße Parkplatznot: "Wo parken die Besucher der Wohnungsinhaber? Bei uns auf dem Hof, da werden wir nur Probleme bekommen."

Philipp Göller (23) ist wie sein Vater Kfz-Meister. 2017 hat er den Betri eb übernommen. "Derzeit können wir von 6 bis 22 Uhr in der Werkstatt arbeiten", berichtet Göller. Dies werde in Zukunft nicht mehr konfliktfrei möglich sein. "Wir sind nicht gegen eine Bebauung an sich" - aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt. "Mittelfristig", in fünf bis zehn Jahren, wäre ein Umzug der Firma denkbar. Dann könne ein künftiger Investor auch beide Flächen - das ehemalige Hurrle-Areal und das Autohausgelände - zusammen als Wohnbebauung entwickeln. Aber nachdem er gerade einmal zwei Jahre lang den Betrieb führt, sei eine solche gravierende Veränderung mit entsprechenden Investitionen für ihn im Moment zu früh.

Seit 43 Jahren gibt es das Autohaus am Standort, berichtet Gerhard Stefan. Zuvor habe man 3 000 Quadratmeter in Bad Rotenfels gehabt: "Damals hat mich die Stadt bekniet hierher zu ziehen, damit man dort die Kläranlage bauen kann."

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