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"Es ist ein Vergnügen, damit zu fahren"
31.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Michael Wessel

Gaggenau - Bereits um 1900 wurde der erste Gaggenauer Omnibus gebaut. Somit fünf Jahre nach Benz und zwei Jahre nach Daimler. Dieser erste Omnibus, von dem nur ein Foto existiert, basierte vermutlich auf dem Fahrgestell eines Lastwagens des Typs BX mit Einzylinder-Motor mit acht PS und Riemenantrieb zum Zahnradvorgelege. Die Klotz-Bremsen an den Hinterrädern bestätigen, dass es sich um eine sehr frühe Konstruktion handelt.

Erst nachdem 1905 der Automobilbau aus Bergmanns Industriewerken als Süddeutsche Automobilfabrik Gaggenau ausgegliedert worden war, trat im Angebot an Omnibussen eine rasante Entwicklung ein. Am 11. Mai 1905 konnte direkt vor der Haustür die Omnibuslinie Gernsbach - Baden-Baden eingeweiht werden. Im dortigen Kur- und Fremdenblatt vom 17. Juni 1905 war zu lesen: "Besonders regen Zuspruch fand unser neues Verkehrsmittel, der Automobil-Omnibus Gernsbach - Baden-Baden, welcher am Pfingstsonntag seine erste Fahrt machte und sich bestens bewährt hat. Der Süddeutschen Automobilfabrik in Gaggenau, welche den wirklich schönen und geschmackvoll ausgestatteten Omnibus herstellte, kann man nur gratulieren. ... Der Wagen läuft geräuschlos und ist betriebssicher; es ist ein Vergnügen, damit zu fahren."

Im gleichen Jahr wurden sieben weitere Buslinien im Badischen in Betrieb genommen.

Natürlich war es für die Gaggenauer eine besondere Referenz, dass auch für den Marstall des Kaisers ein leichter Omnibus geliefert werden durfte und dass große Busse für den Stadtverkehr in Köln, München, Wien und Berlin geliefert wurden. Selbst die Reichspost wurde beliefert. Und bei der Daimler Motorengesellschaft war man sicher nicht erfreut, dass die Württembergische Post 1909 für ihre "Motor-Omnibuslinien" die Fahrzeuge ebenfalls in Gaggenau bezog.

Für die unterschiedlichsten Karosserien wurden auch Aufbaulieferanten eingeschaltet - insbesondere die Rastatter Waggonfabrik. Bereits ab 1907 gingen die Gaggenauer dazu über, bei Groß- und Doppeldecker-Bussen den Fahrersitz ganz vorne - über dem Motor - anzuordnen. Geliefert wurde nahezu in alle europäischen Länder und selbst nach Indien, Japan, Mittel- und Südamerika.

Statt der hohen Rahmen im Lastwagenbau entwickelten die Gaggenauer 1923 tiefer liegende Omnibus-Rahmen. Die niedrigere Einstiegshöhe war benutzerfreundlicher und verlieh dem Bus eine wesentlich günstigere Schwerpunktlage. Vierrad-Bremsen erhöhten zudem die Sicherheit.

Nach der Fusion von Daimler und Benz im Jahr 1926 wurden Konstruktion und Fertigung der Omnibus-Aufbauten wegen der guten Auslastung der mittlerweile zum Benzwerk gewordenen Fabrik nach Sindelfingen verlagert. Mitte der 1920er Jahre sicherten die Nutzfahrzeugwerke in Berlin-Marienfelde und Gaggenau in wirtschaftlich schweren Zeiten ohnehin den Fortbestand des Unternehmens.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen innerhalb der Daimler-Benz AG nicht nur die schweren Lkw, sondern ab 1948 auch die großen Busse wieder aus Gaggenau. Anfangs waren es noch die typischen Haubenfahrzeuge. 1951 folgte der erste Frontlenker-Omnibus, der O 6600, mit immerhin 145 PS. Als Sonderausführung gab es ihn als Oberleitungsbus - insbesondere für Argentinien. Für das Folgemodell OP 6600 wurden in Gaggenau nur noch die Fahrgestelle montiert - die Aufbauten übernahmen Karosseriefirmen. Im Rahmen einer Umstrukturierung des gesamten Unternehmens ging 1961 die Tradition des Omnibusbaus im Werk Gaggenau zu Ende.

125 Jahre Automobilbau: 1894 wurde in Gaggenau das erste Auto gebaut. Das heutige Mercedes-Benz-Werk ist damit die älteste sich noch in Betrieb befindende Autofabrik der Welt. Das Jubiläum wird am Wochenende 7./8. September groß gefeiert. Das ganze Programm unter:

www.gaggenau.de

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