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Stahl, Holz, Stein, Glas und Beton im Einklang mit der Natur
03.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Ließe sich Kunst in Metern ausdrücken, lautete ein Gernsbacher Ergebnis 3 200. So lang ist der Kunstweg am Reichenbach, der von Hilpertsau bis Reichental führt.

Für diese geschätzten 6 000 Schritte braucht der geübte Wanderer weniger als 60 Minuten. Wanderer, die die üppige Vegetation des Naturschutzgebiets, die Heuhütten, verborgene Wasserkanäle, schmale Stege betrachten und sich am Fließen des Reichenbachs erfreuen, brauchen schon etwas länger. Die Frauen, Männer und Kinder, die an jedem ersten Sonntag im Monat an den geführten Wanderungen teilnehmen, brauchen für diese kurze Strecke oft sogar mehr als zwei Stunden. Das liegt daran, dass sie immer wieder stehen bleiben, um Kunstwerke aus Holz, Stein, Metall, Beton, Kunststoff oder Wasser zu entdecken. Am Sonntag war es Wolfgang Froese, der zu einem informativen Spaziergang auf dem Kunstweg eingeladen hatte.

Umgeben von Farnen, Brennnesseln und Wildblumen, sich darin versteckend oder sich selbstbewusst präsentierend, sind es inzwischen fast vierzig vielfältige Objekte, die am Wegesrand, aber manchmal auch etwas entfernt, leicht wahrnehmbar stehen, liegen oder sogar hängen. Und vereinzelt sind es auch Heuhütten, die Teil der Kunstszene wurden. Es handelt sich um Werke bekannter Künstlerinnen und Künstler, vor allem aus Baden-Württemberg, die Einblicke in ihr Atelier-Schaffen geben.

Da es sich bei allen Werken um Leihgaben der Künstler handelt, bereichern sie den Kunstweg unterschiedlich lang. Manch ein Wanderer, der ein bestimmtes Werk vermisst, wird an gleicher Stelle von einem neuen Exponat überrascht. Immer auf Zeit, aber auch oft im Werden und Vergehen. Zu den ersten Ausstellungsstücken gehört ganz bestimmt Axel F. Otterbachs "Lichtraumobjekt". Die Marmorscheibe, 1996 hoch zwischen Bäumen aufgehängt, verwundert durch ihre erstaunliche Materialtransparenz.

Auch schon lange immer wieder berührt und um Deutung bemüht, sind die zahlreichen in die raue Felswand gefrästen kreisförmigen Elemente. Von Menschenhand und Maschinen gemacht, ist es die Natur, die über kurz oder lang quasi stets die Oberhand gewinnt. Gleiches gilt für die Gruppe "Wegnahme", die den Betrachter fragt, inwieweit sich Natur und Mensch gegenseitig behindern. An manchen noch vor Jahren imposanten Figuren, beispielsweise der "Ritter am Skulpturengrab", von Thomas Patze gemacht, zeigt sich die Vergänglichkeit des Wind und Wasser ausgesetzten Materials.

Gerd Riels "Flächenspannung" genanntes Werk und Hiromi Akiyamas "3 Kubikmetemeter, halbiert" profitieren vom Korrosionsprozess, die "Vertikalen Wasserlinien" wären ohne Wasser undenkbar. Starkregengüssen zum Opfer gefallen und hinweggefegt wurde Friedemann Grieshabers "Badehaus, 2008".

Unempfindlich gegen Witterungseinflüsse ist Daniel Wagenblasts "Kopf". Ganz auf der Höhe der Zeit ist das unsichtbare Werk "definitiv relativer Standort in der Landschaft", das erst 2016 von Sigrid Perthen und Andreas Bressmer aufgestellt wurde. Handelt es sich doch um einen Stein, der, mit GPS versehen und dort positioniert, inzwischen auf seine natürliche Wasser-Reise ging. Ebenfalls seit 2016 beschäftigen Sandra Meisels Eisenpakete unter dem Titel "To clear the wrong memory" die Fantasie. Genauso wie "Der Turm, 2018" von Chen Fei, dessen Holzlatten lediglich einen ersten Entwurf anzudeuten scheinen.

"The Keeper", die massige, schwarze mit den Flügeln schlagende Figur von Henning Schwarz (2018) erschreckt den Betrachter zunächst, bis er ein Blinzeln in den angedeuteten Augen zu erkennen meint.

Froeses Eingeständnis, "vielleicht nicht über jedes der Exponate alles zu wissen", änderte am Sonntag nichts am Interesse der Teilnehmer. Auch nicht, dass nicht neben allen Kunstwerken ein Erklärungsschild zu finden ist. Das kann von Vorteil sein. Und ein Anstoß, es auf sich wirken zu lassen und eigene Deutungen zu finden.

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