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"Die Natur macht keine Unterschiede"
'Die Natur macht keine Unterschiede'
04.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Gaggenau - Zwischen blühenden Sträuchern und duftenden Kräutern lugt Sonja Wendl hinter einem mächtigen Baum hervor. Das Krächzen ihres Papageis Rico, der es sich auf ihrer Schulter gemütlich gemacht hat, und das leise Summen der Bienen sind die einzigen Geräusche, die auf ihrer Wiese am Rande von Gaggenau zu hören sind. Was für manche wie ein verwilderter Garten aussieht, ist für Wendl "ein Paradies". Hier, mitten im Grünen, bietet sie seit Anfang August private Kinderbetreuung an.

"Ich bin selbst in der Natur aufgewachsen", erinnert sich die gelernte Sonderpädagogin an ihre Kindheit am Waldrand von Ettlingenweier. In der Pubertät sei ihre Naturverbundenheit zwar etwas in den Hintergrund gerückt, spätestens während ihres Studiums habe sich das aber wieder geändert: "Ich habe jede freie Minute mit meinem Kräuterbüchlein im Wald verbracht und die vielfältige Flora erforscht. Mein Ziel war es, irgendwann jede einzelne Pflanze zu kennen."

Davon ist die heute 33-Jährige nach eigenen Angaben noch weit entfernt - dennoch hat sie sich durch das Lesen unzähliger Bücher ein breites Fachwissen über Wildkräuter und Pflanzen angeeignet. In Kräuterwanderungen und Workshops versucht Wendl, ihr Wissen über die Kräuter an andere weiterzugeben und ein Gefühl für die Pflanzen zu entwickeln. Dazu bietet sie auch Gartenanalysen an: "Ich zeige Gartenbesitzern ihre ganz persönlichen Heilkräuter, die sich extra für sie angesiedelt haben", erklärt sie. Auch Kindern möchte Wendl die Möglichkeit geben, die Natur zu entdecken. Seit Anfang August bietet sie deshalb private Kinderbetreuung in einer Kleingruppe an.

"Jedes Kind ist gut, so wie es ist"

Im Dezember hat Wendl dafür die "Villa Wald", ein kleines Häuschen auf einem Gartengrundstück nahe der Straße "Am Häuselsberg", von Jürgen Recktenwald übernommen. Dieser hatte das Waldhaus zuvor als Naturschule genutzt, nach einigen Jahren aber Veränderung gesucht. "Für mich war das die perfekte Gelegenheit", sagt Wendl rückblickend. In ihrer "Villa Wald" fühle sie sich endlich zuhause. Ihrem gefiederten Freund Rico scheint es ähnlich zu gehen. Fröhlich flattert er durch den wilden Garten und knabbert hier und da an einer Pflanze. Einen Käfig besitzt der Vogel nicht. Wendl legt viel Wert darauf, dass sich Mensch und Tier frei entfalten können. Diesen Grundsatz verfolgt sie auch bei ihrer Kinderbetreuung. "Mir ist es wichtig, den Kindern nichts aufzuzwingen." Ein Rahmenprogramm gebe es natürlich trotzdem: "Wir treffen uns in der ,Villa' und machen uns dann auf den Weg in den Wald." Für die Jüngeren stehe ein Bollerwagen bereit. Im Wald werde die Natur "mit Kinderaugen" erkundet. "Nebenbei sammeln wir Kräuter, mit denen wir dann gemeinsam ein Mittagessen zubereiten", erzählt Wendl.

Wer statt Kräuter lieber Stöckchen sammeln oder einfach auf Bäume klettern wolle, könne das tun. Wendl möchte so gut wie möglich auf die einzelnen Persönlichkeiten, Interessen und Talente eingehen. "Das funktioniert bei kleinen Gruppen mit maximal sechs Kindern natürlich besser", weiß sie aus Erfahrung. Einige Jahre habe sie in einer Freien Schule unterrichtet sowie im Waldkindergarten gearbeitet, aber schnell bemerkt, "dass viele Schulen und Kitas sehr defizitorientiert ausgerichtet sind". Oft würden Kinder intensiv auf ihre Defizite untersucht. "Ich finde das falsch. Meine Grundhaltung ist: Jedes Kind ist gut, so wie es ist", betont sie.

Das sei auch ein ausschlaggebender Punkt dafür gewesen, dass Wendl fortan als Selbstständige arbeitet. Ihre Kinderbetreuung sei vergleichbar mit dem Tagesmutter-Prinzip. Die Betreuungszeiten könnten an drei Tagen in der Woche individuell vereinbart werden. Auch musikalisch wolle sie die Kinder beschäftigen: "Während wir im Garten um eine Feuerschale sitzen, spiele ich Gitarre und wir singen gemeinsam."

Dass ihre Interessen im sozialen Bereich liegen, habe Wendl schon früh erkannt: "Ich konnte mich schon immer gut in die Gefühlslage anderer hineinversetzen." Allerdings habe sie sich nie entscheiden können, ob sie mit Erwachsenen oder lieber mit Kindern arbeiten wolle. "Jetzt habe ich eine Möglichkeit gefunden, beides miteinander zu vereinen - noch dazu hier im Grünen", sagt Wendl und lächelt zufrieden. Man könne im Wald ausgelassen toben und schreien, genauso gut aber auch abschalten und seine innere Ruhe finden. Das Schöne an der Natur sei, dass sie keine Unterschiede mache, sie wirke sich auf Jung und Alt positiv aus: "Hier kann jeder so sein, wie er ist."

www.die-waldfee.com

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