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Oberleitungs-Teststrecke: Sackgasse oder Rettung vor dem Abgrund?
Oberleitungs-Teststrecke: Sackgasse oder Rettung vor dem Abgrund?
04.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Murgtal - Um Sachlichkeit bemüht, aber in der Sache keine Annäherung der gegensätzlichen Standpunkte: Mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Jung (Karlsruhe-Land) luden die Gaggenauer Freien Demokraten am Dienstag zu einer Informationsveranstaltung über "eWayBW" ins Unimog-Museum ein. Größtenteils Gegner des Modellvorhabens waren gekommen. Mit Dieter Fahrner meldete sich gegen Ende aber ein Befürworter zu Wort - und da nahm die Diskussion Fahrt auf.

Zunächst verdeutlichte Theo Gehrmann, warum die FDP im Gaggenauer Gemeinderat gegen die Teststrecke für Oberleitungs-Lkw im Murgtal ist. "Als wir hörten, dass für den Bau die B 462 drei Monate gesperrt werden soll", sei man alarmiert gewesen. Zumal nach drei Jahren die Leitungen wieder abgebaut werden sollen. Darüber hinaus werde das Projekt keine neuen Erkenntnisse bringen.

Als Experte und Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestags betonte Christian Jung: Er sei nicht prinzipiell gegen Lkw mit Stromabnehmern. "Aber diese Strecke ist komplett ungeeignet aus Gründen der Topographie und der Pendlerströme." In der Region gebe es viele ungelöste Verkehrsprobleme: "Warum eröffnet man einen Nebenkriegsschauplatz?" Es werde "geschickt suggeriert", dass die Teststrecke gebraucht werde. Dabei werde doch in Fachkreisen "über alles Mögliche gesprochen, nur nicht über Lkw mit Stromabnehmern".

Wenn man das Verfahren schon testen wolle, dann am ehesten so wie auf der achtspurigen Autobahn zwischen Darmstadt und Frankfurt. Allerdings, so versicherte Jung, seien dort so gut wie keine Oberleitungs-Lkw unterwegs. Die B 462 sei bereits jetzt stark belastet, "wenn ich der zuständige Minister wäre, würde ich das Projekt wieder abblasen". Doch Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) träume davon, einen Oberleitungs-Lkw-Highway von Hamburg nach Süddeutschland zu bauen. Auch Daimler interessiere sich nicht für das Projekt vor der Haustür. Doch der Konzern halte sich wie andere Firmen aus der Diskussion heraus - schließlich brauche man Konsens mit dem Ministerium in wichtigen Fragen.

Mit Blick auf die derzeitigen Kostenschätzungen von rund 18 Millionen Euro und zu erwartende Steigerungen von 30 Prozent sagte Jung: "Landesrechnungshof und Bundesrechnungshof kennen dieses Projekt schon." Doch die Abgeordneten von Grünen und CDU in der Region würden es nicht wagen, sich öffentlich gegen den Test auszusprechen. "Wenn Herrmann etwas will, dann peitscht er es durch."

Ferdinand Hurrle hat über 40 Lkw in seinem Entsorgungsbetrieb. "Wir müssen offen sein für alles, aber nicht hier", sagte er, denn: "Die Strecke ist gemeingefährlich". Er erinnerte an das Baustellen-Chaos 2016, als sich tausende Fahrzeuge durch Gaggenau und Ottenau quälten. "Wenn da ein Unfall passiert, dann geht gar nichts." Gerd Pfrommer, SPD-Fraktionschef in Gaggenau, teilte die Kritik. Die Kommunalpolitik habe aber nicht die Kompetenz, hier mitzuentscheiden. Aber der Bund: Wenn der sein Einvernehmen beenden würde, "ist die Sache vorbei", vermutete Jung.

Hintergrund

Dieter Fahrner aus Baden-Baden vertritt mit seinem Unternehmen eine von fünf am Projekt beteiligten Firmen: Fahrner Logistics, Huettemann Logistics, Casimir Kast Verpackung und Display, Mayr-Melnhof Gernsbach sowie Baden Board - Baden Karton (ehemals Smurfit Kappa).

Baden-Württemberg dürfe bei solchen Projekten nicht außen vor bleiben, gab Fahrner zu bedenken und betonte: "Ich habe es nicht bereut, dass ich das damals initiiert habe." Er habe aber "keinerlei persönliche oder finanzielle Vorteile aus diesem Projekt."

Gerne würde er als Fuhrunternehmer die Bahn nutzen, aber es sei nicht möglich. Natürlich gebe es wichtigere Dinge als eWay, "aber wenn wir Technologieoffenheit nicht leben, fahren wir sehenden Auges auf den Abgrund zu".

Jung hielt Fahrner vor, er habe sich "vor den Karren des Verkehrsministeriums spannen lassen". Denn eine Pressemitteilung, die Fahrner im September 2018 im Namen der beteiligten Firmen verschickt hatte, sei vom zuständigen Referatsleiter im Verkehrsministerium verfasst worden. Fahrner hingegen sagte: Ein anderes Unternehmen habe lediglich angeboten, für ihn die Pressemitteilung anzufertigen. Dem habe er zugestimmt und die Mitteilung vor dem Verschicken für gut befunden.

Fahrner: "Ich lasse mich bestimmt nicht vor einen Karren spannen, weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft."

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