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Bleiberecht mit Einschränkungen
Bleiberecht mit Einschränkungen
05.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Hans-Peter Hegmann

Gaggenau - Nachdem der Kreisverband Rastatt und der Ortsverband Murgtal der FDP am Vormittag bereits im Unimog-Museum eine Informationsveranstaltung zum Thema "eWay" mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Jung (FDP) angeboten hatten, folgte am Abend in Hörden das Thema Wolf.

Neben dem zuständigen Abgeordneten der Partei für die Region Murgtal aus Karlsruhe war eine siebenköpfige Expertenrunde angetreten, um das aktuelle Thema mit hohem Konfliktpotenzial zu diskutieren. Anders als vielleicht von manchem erwartet, plätscherten die Emotionen nur leicht vor sich hin und erzeugten keine allzu hohen Wellen. Als Fazit kam im Prinzip sogar eine einvernehmliche Empfehlung zur künftigen fachlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten zustande.

Nachdem der Politiker erklärt hatte, dass die FDP ein bundesweites Wolfsmanagement mit einheitlichen Regelungen und Aufnahme des Tieres in das Bundesjagdgesetz fordere, hatten die Experten Gelegenheit, Statements aus Sicht ihrer Fachgebiete vorzutragen. Der Wildtierbeauftragte des Landkreises und zugleich Sachgebietsleiter Staatswald im Forstamt Rastatt sowie erfahrener Jäger, Martin Hauser, stellte heraus, dass insbesondere das Wissen um den Wolf in alle Schichten der Bevölkerung getragen werden müsse: Wer den Wolf nur aus dem Märchen kenne, werde ihn immer nur als böses Tier einschätzen.

Nach seiner Sicht sind die Nutztierhalter am meisten konkret von dem Wildtier betroffen, das genauso in den Wald gehöre wie andere Wildtiere. Erforderlich sei aber ein eindeutiger Managementplan zur Populationsentwicklung und für Tiere mit abweichendem Verhalten.

Felix Böcker und Micha Herdtfelder, beide aus der Abteilung Wald und Gesellschaft der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg, stellten heraus, dass bei ihnen die wissenschaftliche Betrachtungsweise der biologischen Grundlagen durch Monitoring im Vordergrund stehe. Mit den Erkenntnissen könnten Handlungsanweisungen und Gesetzentwürfe erstellt werden.

Managementplan

und Jagdrecht

Beide wünschen sich einen konstruktiven Umgang aller mit diesem Thema. Priorität habe auf jeden Fall Herdenschutz in seinen unterschiedlichen geografischen Ausprägungen. So könne man die Weideflächen an Steillagen im Schwarzwald nicht mit den topografischen Verhältnissen in Sachsen vergleichen.

Revierförster und Jäger Uwe Meyer aus Gernsbach sieht aus forstlicher Sicht noch keine Probleme durch den Wolf. Auch er ist der Meinung, dass dieses Wildtier in die Fauna gehöre. Er gehöre aber aus diversen Gründen in das Jagdrecht. Ähnlich wie beim Luchs müssten weitere Daten gesammelt werden, um emotionsgeladene Konflikte zu vermeiden.

Als erfahrener Fachmann präsentierte sich Peter Sürth aus Seebach. Er studierte neben Biologie drei Jahre Wildtiermanagement am Van Hall- Institut in den Niederlanden und betreute sieben Jahre ein Forschungsprojekt in Rumänien zum Verhalten von Bären, Wölfen und Luchsen sowie deren Anpassung in intensiv genutzten Kulturlandschaften.

Die Populationen würden mit größter Wahrscheinlichkeit sich auch im Schwarzwald flächendeckend entwickeln. Allerdings zeigen die Erfahrungen aus Rumänien, besonders in dicht besiedelten Gebieten, dass die Managementpläne mehr auf den Menschen ausgerichtet werden müssen, da dieser die meisten Konflikte verursache. Er müsse wieder lernen, wie man den gemeinsamen Lebensraum mit Wildtieren ohne Gefahren teilen kann.

Kreisjägermeister Dr. Frank Schröder aus Gernsbach begrüßte, dass sich Befürworter und Gegner der Wiederansiedlung des Wolfs immer häufiger an einen Tisch setzen würden. Die Aufnahme des Tieres in das Bundesjagdgesetz bedeute nur eine einheitliche Regelung und keine Bejagung. Denn er sei über die FFH-Richtlinie weiter streng geschützt. Menschen mit unterschiedlichen Meinungen seien weder "Angsthasen" noch "Wolfsliebhaber" - hier müssten vor allem die Emotionen bei Meinungsäußerungen herausgenommen werden. Er begrüße eine weitere gemeinsame Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Diana Fritz vom Landschaftserhaltungsverband des Landkreises betonte, dass das Landratsamt die Herdentierhalter soweit wie möglich finanziell unterstütze. Entkräftet werden konnten die Ängste von anwesenden privaten Hundehaltern zu Kontakten mit dem Wolf. Wie Jung abschließend feststellte, sei die FDP mit ihren Vorschlägen wohl genau auf dem gewünschten Weg.

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