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Industrialisierung, Tourismus und Gaggenau
Industrialisierung, Tourismus und Gaggenau
06.09.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (galu) - 800 Jahre Stadtgeschichte - darauf kann Gernsbach mittlerweile zurückblicken. Im Rahmen des Jubiläums wurde von der Stadtverwaltung eine modern aufgearbeitete Buchversion in Auftrag gegeben, umgesetzt wurde dies von zehn Autoren. Das BT berichtet in einer mehrteiligen Serie über das Werk.

Der 31. Mai 1869 war ein großer Tag in der Geschichte Gernsbachs. Mit der offiziellen Inbetriebnahme der Murgtalbahn zwischen Rastatt und Gernsbach war der Anschluss an die Industrialisierung und Modernisierung mehr oder minder gelungen. Der Bau der Bahn erfolgte auf Initiative der Stadt Gernsbach. Die ansässige Murgschiffergesellschaft war mit kräftiger finanzieller Unterstützung maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Was zu diesem Zeitpunkt noch ein richtiger und wichtiger Schritt war, sollte später das Ende der Flößerei und der Murgschifferschaft bedeuten.

In den 1860er Jahren war Gernsbach noch eine vorindustrielle Gesellschaft, der Hauptzweig von Handel und Verkehr war immer noch die Holzausfuhr der Murgschifferschaft auf dem Wege der Flößerei. Der Bau der Bahnstrecke belebte dieses Geschäft sogar kurzzeitig. Doch auf Dauer sollte sich das landwirtschaftlich geprägte Gernsbach mit seinem "vorwiegend ländlichen Charakter" nachhaltig verändern.

Bereits 1875 wurden 203 Arbeiter in neun industriellen Betrieben gezählt. Dabei wurden nur Produktionen mit mehr als fünf Gehilfen berücksichtigt. Somit steckte die Industrialisierung in Gernsbach zwar noch in den Kinderschuhen, aber sie war angekommen. Ende des 19. Jahrhunderts war dann der große Aufschwung der Papierindustrie Sargnagel für die traditionelle Flößerei. Auch wurde die Murgschiffergesellschaft aufgelöst, die großen Murgschifferfamilien waren nun in der Holz- und Papierindustrie engagiert und tätig.

Die Murgtalbahn brachte auch eine Belebung des Fremdenverkehrs mit sich. Gernsbach entwickelte sich zum Kurort, musste jedoch schnell feststellen, dass Tourismus und Industrialisierung gleichzeitig nur schwer umsetzbar waren. Es kam immer wieder zu Geruchsbelästigung durch Fabriken. Auch wurde die Murg durch die Abwasser und den Wasserentzug in Mitleidenschaft gezogen, was die Bedingungen für einen funktionierenden Kurort nur weiter verschlechterte.

Zudem sah man im Murgtal erstmals ernsthafter Konkurrenz entgegen: Während Gernsbach zunehmend stagnierte, überflügelte Gaggenau aufgrund eines ungleich größeren Wirtschaftswachstums zunehmend die Murgschifferstadt. Der Autor schreibt: "Die jahrhundertelange unangefochtene Vormachtstellung Gernsbachs als Zentralort des Murgtals war am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Begriff, auf Dauer verloren zu gehen."

Dies ist ein Umriss des fünften Kapitels des Buchs "800 Jahre Gernsbach - die Geschichte der Stadt". Das reich bebilderte, rund 360 Seiten umfassende Gemeinschaftswerk von Historikerinnen und Historikern aus dem badischen Raum ist für 34 Euro in der Bücherstube Sabine Katz und bei der Gernsbacher Tourist-Info erhältlich.

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