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Ein Benzler aus Chile
06.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - In seinem Haus in Conceptión sitzt Eugenio Recasens, und wer genau hinschaut, der sieht in seinen lächelnden Augen ein kleines Glitzern. Ein Mitbringsel seiner Verwandten aus Gaggenau ist es, das ihn so sehr berührt: ein Modellauto, das sie vor ihrem Abflug nach Chile für ihn gekauft hatten - ein hellblauer Lastwagen L 6600. "Wegen diesem Lkw bin ich nach Gaggenau versetzt worden", erzählt Eugenio, "weil sie Probleme mit dem Getriebe hatten." 1956 ist das gewesen, und für die Kinderkrankheiten des damals neuen Fahrzeugs ist der Ingenieur noch heute dankbar: Denn im Benzwerk hat er seine große Liebe kennengelernt, Elisabeth Wunsch aus Ottenau.

Im April 1955 war es, als die Liebesgeschichte von Eugenio und Elisabeth ihren Anfang nahm. "Mein Professor bot mir ein Stipendium für Deutschland bei Mercedes-Benz an", erinnert sich Eugenio, "ich musste mich sehr schnell entscheiden. Ich beschloss, das Angebot anzunehmen."

Zuvor hatte er 1954 die Technische Universität von Valdivia mit dem Abschluss als Maschinenbauingenieur verlassen, "aber auf dem Arbeitsmarkt in Chile gab es zu diesem Zeitpunkt keine attraktiven Angebote. Daher suchte ich nach Alternativen."

Eine Woche Zeit hatte er, um die Reise vorzubereiten, ehe er am 3. Mai 1955 in Stuttgart eintraf: "Meine Habe hatte ich in zwei Koffern. Ich konnte kein Wort Deutsch." In Untertürkheim wurde er in zwei Schichten eingeteilt und lernte zunächst für zwei Monate die Montagelinie kennen. "Und parallel die deutsche Sprache", erzählt Eugenio. Im Anschluss wurde er für fünf Monate in der Entwicklungsabteilung eingesetzt.

Ende 1955 wurde er nach Gaggenau entsandt, da es dort Probleme mit dem neuen Pritschen-Lkw L 6600 gab: "Ich sollte daran mitwirken, dass dieses Problem gelöst wird. Zudem testeten wir Lkw, Busse und Unimog. Die Testfahrten gingen bis nach Hamburg und zurück."

An seine Unterkunft kann er sich noch gut erinnern: "Im Haus von Franz Baumer, gegenüber dem Sportplatz von Ottenau, in der Mozartstraße 12."

Anfang 1956 hat er dann im Benzwerk Elisabeth Wunsch aus Ottenau kennengelernt. Sie arbeitete in der Verwaltung - "uff'm Büro", wie man in Murgtal sagt. Elisabeths Familie war sehr eng mit Mercedes-Benz verbunden: Ihr Vater Emil Wunsch war bereits in den 1930er Jahren für das Unternehmen mit seiner Familie nach Berlin-Marienfelde gezogen. Nach dessen frühem Tod ist die Familie dann nach Ottenau zurückgekehrt.

Noch 1957 gingen Eugenio und seine Braut Elisabeth nach Chile, wo sie den Bund fürs Leben schlossen.

"Man hat mir eine Stelle bei Mercedes-Benz in Santiago de Chile angeboten. Meine Aufgabe war die Betreuung der Lkw-Geschäftsstellen im nördlichen Landesteil von Chile, von Santiago bis Arica", erzählt er.

Zwei Töchter, Claudia und Veronica, sechs Enkel und zwei Urenkel gingen aus der Ehe hervor. Bei einem Deutschlandbesuch 2002 wollte sich Eugenio seine einstige Unterkunft in Ottenau noch einmal ansehen und traf dort auf die Witwe seines damaligen Vermieters Franz Baumer. "Das war ein schönes Erlebnis, wir konnten alte Erinnerungen austauschen."

Seit zwei Jahren ist Eugenio Witwer: "Aber mit Gaggenau fühle ich mich noch heute eng verbunden."

Für das Badische Tagblatt hat der heute 87-jährige Eugenio Recasens seine Erinnerungen an Gaggenau aufgeschrieben, aus denen hier zitiert wurde. Den spanischen Originaltext hat seine Tochter Veronica Recasens ins Deutsche übersetzt.

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