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Zwei Monate "richtig auf Vollgas"
Zwei Monate 'richtig auf Vollgas'
06.09.2019 - 00:00 Uhr
Baden-Baden/Murgtal (stj) - Für längere Zeit ins Gefängnis muss ein 31-jähriger Murgtäler, der im Januar und Februar 2019 im Drogenrausch circa 20 Einbrüche in Gaggenau und Gernsbach verübt hat (wir berichteten). Das Landgericht Baden-Baden verurteilte ihn gestern zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. "Sitzen" muss er wohl länger: Er stand wegen zweier vorangegangener Urteile der Amtsgerichte Gernsbach und Rastatt unter doppelter Bewährung, weshalb er im Höchstfall weitere 19 Monate hinter Gitter bleiben könnte.

Beim Fortsetzungstermin ging es gestern im Wesentlichen um die Details der insgesamt 20 Vorfälle, die laut Verteidiger Mathias Albrecht einen "geistigen Tatkomplex" darstellten. Denn sein Mandant sei in besagten zwei Monaten "richtig auf Vollgas" gewesen, habe im Sturzflug nach privaten Rückschlägen in Alkohol und Drogen Ersatzbefriedigung gesucht. Um diese finanzieren zu können, sei er auf Beutezug gegangen - sehr unprofessionell, mit niedriger Hemmschwelle und oft mit wenig bis gar keinem Ertrag. "Was hat er denn mitgenommen?", verwies Albrecht auf die 98 Positionen umfassende Asservaten-Sammlung, die unter anderem Nagel-Sets, Latzhosen, ein Wurfzelt, Rucksäcke, einen Filzhut, eine Flasche Orangina oder haufenweise Werkzeug beinhaltet. Letzteres habe er teilweise bei Delikten an anderen Tatorten wieder liegengelassen. Das zeige, "welch irres Bild" der Angeklagte in dieser Zeit unter dem Einfluss von Amphetaminen abgegeben habe.

Gleichwohl wollte der Rechtsanwalt die Einbrüche nicht kleinreden, insbesondere den am 24. Februar in einem Gaggenauer Stadtteil, wo sein Mandant auf frischer Tat ertappt wurde und dann einen Gegenstand aus der Tasche zog. Der Bewohner des Anwesens meinte, eine Schusswaffe zu erkennen, flüchtete zu seiner Frau ins Schlafzimmer und verbarrikadierte die Tür.

Bei Wohnungseinbruch auf frischer Tat ertappt

Auch wenn es sich letztlich wohl nur um Reizgas handelte und der Angeklagte die Bewohner danach in Ruhe ließ, seien die psychischen Folgen für die Opfer gravierend, räumte Albrecht ein. In der mittlerweile knapp siebenmonatigen Untersuchungshaft habe sich sein Mandant aber geändert, habe die Ermittlungsarbeiten unterstützt sowie aktiv bei der Aufklärung seiner Taten mitgewirkt, sich bei den Opfern des 24. Februar schriftlich entschuldigt und bemühe sich um einen stationären Therapieplatz. Daher bat sein Verteidiger für ihn um eine faire zweite Chance und ein Urteil, dass seinem Leben noch eine Perspektive gebe.

Zuvor hatte Staatsanwältin Katharina Eckardt auf drei Jahre und zehn Monate Haft plädiert. Sie wertete das umfangreiche Geständnis ebenso zugunsten des Angeklagten wie die Kooperation mit der Polizei und die Tatsache, dass alle Taten unter Drogeneinfluss verübt worden seien. Auch die Entschuldigung und die aktive Suche nach einem Therapieplatz sah Eckardt positiv. Auf der anderen Seite müsse man die hohe kriminelle Energie, die Bewährungsstrafe und die Skrupellosigkeit zulasten des jungen Mannes werten, der nicht mal davor zurückgeschreckt war, aus einem Schlafzimmer Schmuck zu entwenden, in dem ein Ehepaar friedlich schlief.

Wolfgang Fischer, der Vorsitzende Richter am Landgericht, erklärte in seiner Urteilsbegründung detailliert, wie sich die einzelnen Taten zu einer Gesamtstrafe summierten. Dabei sei vor allem der als schwerer Raub zu wertende Vorfall am 24. Februar ins Gewicht gefallen. Auch Reizgas gelte juristisch als gefährliches Werkzeug. Insbesondere die Frau des betroffenen Ehepaars habe der Einbruch sehr mitgenommen. Sie leide nach wie vor unter Ängsten, die die Lebensqualität einschränkten, so Fischer.

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