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Genialer Konstrukteur und "schlechter Autofahrer"
07.09.2019 - 00:00 Uhr
Gaggenau - Die Feierlichkeiten zum Jubiläum "125 Jahre Automobilbau in Gaggenau" waren für Gisela Zincke aus Düsseldorf Anlass, wieder einmal Gaggenau zu besuchen. Schließlich hat ihr Großvater, Joseph Vollmer aus Baden-Baden, hier ab 1894 die ersten Automobile konstruiert und deren Bau in Bergmanns Industriewerken bis 1897 geleitet. Jetzt hatte sie erstmals Gelegenheit, in der Werkstatt des Unimog-Museums auf den Orient-Express Nummer 104 aus dem Jahr 1897 zu sitzen. Mit Gisela Zincke sprach Michael Wessel, der sich seit vielen Jahren mit der Gaggenauer Automobilgeschichte befasst.

BT: Frau Zincke, welches Gefühl is t es, auf einem Orient-Express zu sitzen, den Ihr Großvater gebaut hat?

Gisela Zincke: Ich kann nur sagen, dass es für mich ein wunderbares Gefühl ist. Sogar die Ledersitze sind noch original erhalten. Ich weiß von meinem Großvater, dass er selbst zu einem Polsterer nach Karlsruhe gefahren ist, um Sitze in besonders guter Qualität zu besorgen. Sie haben überlebt!

Und es ist auch ein besonderes Gefühl, wenn man wenige Minuten vorher noch in einem neuen Auto mit allem möglichen Schnickschnack saß und jetzt die Bedienung eines Fahrzeugs auf das Wesentliche reduziert sieht.

BT: Was ist Ihnen dabei besonders aufgefallen?

Zincke: Es ist zwar alles sehr übersichtlich, aber ich bräuchte vermutlich drei Hände, um alle diese Hebel und Knöpfe fast gleichzeitig zu bedienen.

Beeindruckt haben mich auch die Kutschenlaternen, denn solche hatten wir in meiner Jugend im Haus.

BT: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Großvater?

Zincke: Meine Großeltern hatten ein Landhaus in Berlin-Schlechtensee mit sehr großem Grundstück. Darauf bauten meine Eltern ein weiteres Haus, das 1938 bezogen werden konnte. Dort habe ich meine Jugend verbracht. Und immer, wenn ich zum Beispiel in Mathe eine Frage hatte, konnte ich zu meinem Großvater rüber laufen, der mit alles geduldig erklärte. Er hat mir auch gerne aus seiner Jugendzeit in Baden-Baden erzählt. Dazu gehörten auch Streiche, die er angestellt hatte. Besonders spannend waren für mich aber die Schilderungen zu seinen ersten Automobilkonstruktionen in Gaggenau.

Die Tochter musste

ihn chauffieren

Was für ein genialer Erfinder er war, wurde mir erst bewusst, als ich beispielsweise zu seinem 80. Geburtstag oder zur Verleihung der Diesel-Medaille mit eingeladen war. Alles, was Rang und Namen in der deutschen Automobilindustrie hatte, war vertreten.

BT: Sie haben über Ihren Großvater 2001 eine umfangreiche Biographie veröffentlicht, die auch in englischer Sprache erschien. Was hat Sie dazu motiviert?

Zincke: Ursprünglich wollte ich nur für meine Kinder, Neffen und Nichten festhalten, was mein Großvater geleistet hat. Bei einem Besuch im Deutschen Museum in München warben dessen Leiter, Max Rauck, und der Leiter der dortigen Verkehrsabteilung, Hans Strassl, dass ich die Biographie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen solle, da das bedeutende Lebenswerk von Joseph Vollmer nicht ausreichend bekannt sei. Er habe es verdient, denn er würde zu den zehn bedeutendsten Pionieren der internationalen Automobilgeschichte zählen. Bei meinen Recherchen stieß ich auch darauf, dass mein Großvater den ersten deutschen Panzer, den A7V, konstruiert hat. An einem Buch, das 1990 erschien, habe ich dann mitgeschrieben.

BT: Fallen Ihnen noch persönliche Besonderheiten zu Ihrem Großvater ein?

Zincke: Nun, er hat auch in Berlin seinen badischen Dialekt gepflegt. Er trank nur Wein, was ich heute auf seine badische Herkunft zurückführe. Und was man nicht vermutet: Er war ein schlechter Autofahrer. Daher bezahlte er meiner Mutter nicht nur den Führerschein, sondern er schenkte ihr zum 18. Geburtstag sogar ein Auto. Dies aber mit der Bedingung, dass sie ihn häufig zu Terminen fahren musste. Und schmunzeln muss ich noch heute, dass sich mein Großvater 1911 als Sachverständiger selbst seine Fahrlizenz ausgestellt hat.

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