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Legal kaum in den Griff zu kriegen
Legal kaum in den Griff zu kriegen
07.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Murgtal - Mehr als 820 000 Wildschweine haben Deutschlands Jäger in der Saison 2017/18 erlegt. Das ist Angaben des Deutschen Jagdverbands zufolge der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Trotzdem kann die Populationsentwicklung der Schwarzkittel bislang nicht nachhaltig umgekehrt werden. Im Gegenteil: Das Problem verschärft sich weiter, auch im Murgtal.

So verzeichnet die Stadt Gernsbach seit zwei, drei Wochen vermehrt Wildschäden im Bereich Obertsrot, Reichental und Lautenbach. Teilweise kommen die Wildschweine bis an Hausgärten heran, wie etwa beim sogenannten Hexestäffele in Obertsrot. "Es ist richtig, dass derzeit die Wildschäden wieder zunehmen", antwortet die städtische Pressestelle auf BT-Anfrage. Diese Entwicklung sei jedoch jedes Jahr ausgangs des Sommers zu beobachten. "Das Schwarzwild ist in dieser Zeit verstärkt auf der Suche nach tierischem Eiweiß (Insekten/Würmer/Larven)."

Wenn eine Wildschadensmeldung bei der Stadt eingeht, werde der zuständige Jagdpächter sofort schriftlich informiert. Er bekommt die Flurstücknummer, den Eigentümer des Grundstücks mit den Kontaktdaten mitgeteilt und erhält einen Lageplan, damit er den Schaden schnellstmöglich regulieren kann. In der Regel werden die Schäden maschinell behoben, informiert die Stadt Gernsbach, bei der in den letzten drei Wochen circa zehn Meldungen über Schwarzwildschäden eingegangen seien. Darüber hinaus melden sich Grundstücksbesitzer aber auch direkt bei den jeweiligen Ortsvorstehern, die entsprechende Hinweise an den Jagdpächter weitergeben. Deshalb liegen der Stadt diesbezüglich keine exakten Zahlen vor, erklärt Pressesprecherin Nicoletta Arand.

Ähnlich ist es in den anderen Murgtal-Gemeinden. In Weisenbach etwa fragt sich Hauptamtsleiter Walter Wörner, "ob die Leute die Wildschweinschäden überhaupt noch melden oder ob sie schon kapituliert haben?" Jedenfalls dürfte die tatsächliche Schadensmenge weitaus höher sein, als die den behördlichen Stellen gemeldete. In Weisenbach sind zuletzt drei Fälle angezeigt worden, allesamt im Bereich Wingert an der Grenze zu Obertsrot, berichtet Wörner.

Auch in Loffenau seien Schäden zu verzeichnen, so wie zuletzt am Bergle beim Mobilfunkmast in Richtung Kugelberg. Insgesamt bewege sich die Situation aber im Rahmen der Vorjahresschäden - bedingt durch das re iche Nahrungsangebot auf den Wiesen, erklärt Bürgermeister Markus Burger nach Rücksprache mit Jagdpächter Gerd Klenk.

"Tendenziell mehr Schäden als in den Jahren zuvor" verzeichnet man hingegen in Forbach, wie Förster Andreas Wacker informiert. Der Revierleiter von Gausbach und Langenbrand spricht von mehreren "empörten Grundstücksbesitzern", die ihre Wiesen verteidigen: "Der Ärger ist zum Teil schon erheblich." Den Jägern attestiert er, sich alle Mühe zu geben, um genügend Schwarzkittel zu schießen; bei den aktuellen Beständen sei es mit legalen Mitteln aber sehr schwierig, dem Problem Herr zu werden.

Auch in Gaggenau sorgen die Wildschweine immer wieder für Ärger. Vor etwa zwei Wochen fiel ihnen eine Wiese der Landesakademie Bad Rotenfels "zum Opfer". Innerstädtisch habe man zuletzt auf Gaggenauer Gemarkung keine weiteren Vorkommnisse festgestellt. Auf Streuobstwiesen, beispielsweise in Selbach, Sulzbach und Michelbach, wurden hingegen auf privaten Flächen einige Schäden gemeldet, informiert die Stadtverwaltung. Insbesondere in Selbach verursachten die Wildschweine in den vergangenen Jahren immer wieder auch kommunalpolitischen Wirbel. Im Ortschaftsrat forderte ein betroffener Bürger im Juni ein Konzept gegen die "Plage" und die Einberufung eines "Runden Tischs".

Um etwaigen Wildschweinschäden vorzubeugen, raten Experten den Grundstückseigentümern, möglichst kein Obst in größeren Mengen auf den Streuobstwiesen liegen zu lassen. Auch sei es besser, nach dem Mähen das Mähgut abzuräumen, da gemulchte Flächen beziehungsweise der Grünschnitt Insekten und Würmer anziehen, die wiederum auf dem Speiseplan des Schwarzwilds stünden. Auch sollte es möglichst vermieden werden, Kompost und Mist auf den Grundstücken zu lagern, betont die Stadt Gernsbach.

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