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Geschichte wird lebendig
Geschichte wird lebendig
10.09.2019 - 00:00 Uhr
Gernsbach (stj ) - An keinem Ort im Murgtal "atmet" man so viel Geschichte wie in der Gernsbacher Altstadt. Das gilt insbesondere für dieses Jahr, in dem die Alte Amtsstadt ihren 800. Geburtstag feiert. Gestern war es an der Zeit, sich selbst zu beschenken: Durch ihren Einsatz und ihr Wissen haben das Kulturamt, das Stadtarchiv und der Arbeitskreis für Stadtgeschichte den "Historischen Stadtrundgang" um acht neue Infotafeln erweitert.

"Gerade unsere Gernsbacher Altstadt ist geprägt durch die ereignisreichen Zeiten der Vergangenheit. Wir machen jetzt im Jubiläumsjahr diese Spuren durch weitere Infotafeln sichtbar", freute sich Bürgermeister Julian Christ. Zusammen mit Regina Meier (AK Stadtgeschichte), Melanie Mußler (Kulturamt) und Stadtarchivar Wolfgang Froese erläuterte er die Optimierungen des geschichtlichen Rundgangs, den nun insgesamt 32 Infotafeln schmücken. Sie laden an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Gebäuden zum Verweilen und zum Lesen ein. Über den QR-Code auf den Schildern lassen sich mit dem Smartphone oder dem Tablet weitergehende Informationen einsehen. Zudem stehen dort die Texte auch auf Französisch und Englisch zur Verfügung und der Nutzer wird über eine interaktive Karte von Station zu Station geleitet.

Die Idee des Historischen Stadtrundgangs war 1996 im Vorfeld der Feier "150 Jahre Badische Revolution" (1999) aufgekommen. Zwei Jahre später startete die Stadt die Umsetzung mit zunächst 16 Infotafeln, blickte Froese gestern zurück. Nach und nach wurde der inzwischen rund 1,3 Kilometer (ohne Abstecher in die Seitengassen) lange Rundgang über die Jahre erweitert. Mit der neuerlichen Ergänzung ist jetzt ein weiteres Projekt zum Abschluss gekommen: Vier der acht neuen Infotafeln erläutern die Pflastermarkierungen, die seit 2017 den Standort der ehemaligen Stadttore symbolisieren. Mit dem Maler Ludwig Dill wird zudem erstmals an einen Ehrenbürger der Stadt erinnert.

Dass Geschichte immer im Fluss und etwas Lebendiges ist, erläuterten Regina Meier und Wolfgang Froese am Beispiel des Marktplatz-Brunnens, der 1503 erstmals erwähnt und 1549 neu aufgebaut wurde. Durch die jetzt erfolgte Beschilderung hat man sich noch mal intensiv mit dem Platz auseinandergesetzt, der lange Zeit das politische und wirtschaftliche Zentrum der Stadt bildete. Dabei habe man festgestellt, dass es sich bei der Heiligenfigur, die den vierröhrigen Brunnen ziert, nicht wie früher angenommen um Nepomuk handelt, sondern um Franz Xaver (1506 bis 1552), den Mitbegründer des Jesuitenordens. Ein Beispiel dafür, dass auch neue historische Erkenntnisse in die Beschilderungen eingeflossen seien, so Meier und Froese.

Die neuen Schild-Standorte (Oberes Tor, ehemaliges Amtsgefängnis, Färbertor, Marktplatz-Brunnen, Geburtshaus Ludwig Dill, Nepomukplatz/ Stadtbrücke, Storrentor, Unterers Tor) wurden pünktlich vor der am kommenden Samstag erstmals in Gernsbach stattfindenden Denkmalnacht eingeweiht. Unter dem Motto "Schau mal, hör mal, denk mal" stehen die Denkmäler der Altstadt am 14. September im Mittelpunkt. Der Zauber der historischen Bauten wird sich zu nächtlicher Stunde durch stimmungsvollen Einsatz von Licht und durch vielerlei Aktionen entfalten, kündigte Bürgermeister Christ gestern an. Von 19 bis 0 Uhr findet ein umfangreiches Programm aus Musik, Historienspiel, Lesungen und Informationen in den Denkmälern und auf den Straßen statt. Für die Bewirtung in der Altstadt sorgt die örtliche Gastronomie.

An diesem Abend werden Gebäude geöffnet, die der Öffentlichkeit sonst verschlossen sind, wie zum Beispiel private Gewölbekeller der Altstadt. So kann man etwa in der Hauptstraße 23 und 28 (oberhalb des Marktplatz-Brunnens) in die Tiefen der historischen Altstadt hinabtauchen.

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