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Viele Laubbäume und gute Wege
Viele Laubbäume und gute Wege
12.09.2019 - 00:00 Uhr
Murgtal - Was bedeutet monatelange Trockenheit für die Waldbrandgefahr im Murgtal? Als nicht sehr hoch schätzt der Gaggenauer Bezirksleiter des Kreisforstamts Rastatt, Markus Krebs, die Gefahr von Flächenbränden fatalen Ausmaßes ein, wie sie im Süden Europas vorkommen. Gänzlich ausschließen möchte er sie aber auch nicht. Im BT-Interview beantwortet er Fragen von Veronika Gareus-Kugel.

BT: Herr Krebs, wann ist die Gefahr eines Waldbrands am größten?

Markus Krebs: Das Risiko steigt mit zunehmender Trockenheit, Hitze und wird gegebenenfalls durch Wind verstärkt. Außerdem spielen die Jahreszeit und der Zustand der Vegetation eine wichtige Rolle. Erhöhte Waldbrandgefahr besteht ausgangs des Frühjahrs vor Austrieb der frischen Vegetation und dann im Hochsommer nach längeren Hitze-/Trockenperioden. Gegenüber den stets deutlich stärker waldbrandgefährdeten Gebieten in Deutschland im Nord-Osten der Republik oder gar in Spanien, Portugal haben wir hier im Nordschwarzwald und im Murgtal eine deutlich geringere Waldbrandgefährdung.

BT: Wo liegen die Gründe?

Krebs: Das liegt an mehreren Faktoren: Höherer Niederschlag zum Beispiel in den Höhengebieten des Landkreises Rastatt und den Staulagen am Westabfall des Nordschwarzwalds bei über 2 000 Millimeter Jahresniederschlag. Überdies haben die Böden im Vergleich zu den durchlässigen Sandböden etwa in der nördlichen Oberrheinebene oder etwa Brandenburgs eine bessere Wasserhaltefähigkeit.

Interview

Ein weiterer Punkt sind laubholzreiche Mischwälder. Im Schnitt haben die im Murgtal vorherrschenden kommunalen Wälder einen Anteil von etwa 30 Prozent Laubbäumen. Dort stehen vor allem Buche, aber auch Eiche, Esskastanie, Birke, Hainbuche, Ahorn, Vogelbeere, Weide, Esche oder Zitterpappel. Im unteren Murgtal ist der Laubbaumanteil noch höher. So hat etwa der Wald der Stadt Kuppenheim über 80 Prozent Laubbäume in seinem Bestand.

Diesen Faktor Mischwald werte ich als den wichtigsten Vorteil der hiesigen Wälder gegenüber zum Beispiel reinen Kiefernwäldern, die sehr viel stärker waldbranddisponiert sind. Dieser hohe Mischungsanteil ist erklärtes Ziel der Waldbewirtschaftung des Kreisforstamts und der hiesigen Waldbesitzer. Dieses Ziel verfolgen wir Forstleute mit forstlichen Pflegeeingriffen im Wald. Unsere standortgerechten Mischwälder sind dadurch neben dem Vorteil der Risikostreuung zudem klimastabiler.

BT: Wenn es aber doch passiert und es im Gehölz anfängt zu brennen - wie kann sich der Forst darauf vorbereiten?

Krebs: Eine gute Walderschließung! Trotz schwieriger Topografie mit oft steilen Hängen haben wir im Murgtal ein gutes Netz an Waldwegen, die nicht nur der Bewirtschaftung und als Wander- und Radwege dienen, sondern im Bedarfsfall den Feuerwehren - schlagkräftige Truppen mit gutem Ausbildungsstand und zeitgemäßer Ausstattung.

An einzelnen abgelegenen Stellen, wie etwa in Loffenau oder auf der Gemarkung Gernsbach-Reichental, haben wir extra Tümpel angelegt, die neben ökologischen Vorteilen auch dem Wassernachschub für Feuerwehrtankfahrzeuge dienen können.

Der letzte

Waldbrand 2014

BT: Wann war der letzte größerer Waldbrand?

Krebs: Der letzte etwas größere Waldbrand in Gernsbach liegt schon einige Zeit zurück. Am 21. März 2014 brannte es im Distrikt Krummeck südlich der L 564 zwischen Gernsbach und Loffenau. Die Brandfläche betrug um einen Hektar. Das Feuer war dank konzentrierten Einsatzes der Freiwilligen Feuerwehr Gernsbach, verstärkt durch umliegende Wehren, rasch unter Kontrolle. Der wirtschaftliche Schaden war gering. Auch kamen keine Personen zu Schaden. Die Brandursache blieb unklar.

BT: Was führt nach Ihrer Ansicht zu solchen Feuern?

Krebs: In den meisten Fällen kommt es durch Unachtsamkeit zu Waldbränden. Natürliche Ursachen wie Blitzeinschlag sind weit weniger relevant.

Deshalb setzen wir Forstleute neben der oben beschriebenen Waldpflege vor allem auf umsichtiges Verhalten der Menschen, die gerade in den heißen Sommerwochen sehr gerne den Wald aufsuchen. Interessant ist, dass der eine oder andere Waldbesitzer für seinen Wald eine Waldbrandversicherung abgeschlossen hat, die im Fall der Fälle den wirtschaftlichen Schaden begrenzt.

BT: Wie sieht Ihre Prognose für die Zukunft aus?

Krebs: Beim Blick in die Zukunft befürchte ich, dass die Klimaerwärmung und die sich ändernde Niederschlagsverteilung Waldbrände wahrscheinlicher werden lassen. Dennoch gilt, wie oben ausgeführt, dass die hiesige Raumschaft ein stark unterdurchschnittliches Waldbrandrisiko aufweist.

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