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"Friede ist noch nicht, Friede muss noch werden."
'Friede ist noch nicht, Friede muss noch werden.'
12.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Barbara Gutmann

Gaggenau - Was am 10. September und am 3. Oktober 1944 in Gaggenau geschah, soll nicht vergessen werden: Rund zweihundert Menschen verloren ihr Leben. Zwei Fliegerangriffe hatten vor 75 Jahren Gaggenau großflächig zerstört. Bis heute sind die Spuren dieser Schicksalstage erkennbar.

In einem stillen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der sehr gut besetzten St. Josefkirche gedachten am Dienstagabend Gläubige und Gaggenauer Bürger dieser verheerenden Angriffe. Es solle in dieser Stunde nicht nur der getöteten Opfer gedacht werden, sondern auch der Überlebenden. Bei den heute nun noch wenigen lebenden Zeitzeugen, sagte Pfarrer Tobias Merz in seiner Begrüßung, "haben sich diese zwei Ereignisse unauslöschlich in das Gedächtnis eingegraben, die sie wie ein schweres Gepäckstück ein Leben lang mit sich herumtragen."

Angesichts aller Kriege und Gewalt auf dieser Welt, so Merz, "müssen wir den Geist anrufen, der uns die Augen öffnet, aus der Geschichte zu lernen."

Für die evangelische Kirche sprach Pfarrerin Margarete Eger aus Forbach, stellvertretende Dekanin des Kirchenbezirks Baden-Baden und Rastatt. In klaren, bewegenden Worten beschwor sie den Frieden in den Zeiten des weltweiten "kämpferischen Gegeneinanders". Aber: "Guter Frieden ist nicht so einfach, guter Frieden bedeutet: Man muss miteinander verhandeln."

Sie zitierte aus dem Buch Jesaja 32,17: "Wo aber Liebe und Treue herrschen, da bewirken sie Frieden und Wohlstand, Ruhe und Sicherheit." Aber, so führte Eger weiter aus: "Friede fällt nicht vom Himmel." Die Mitglieder der Gesellschaft könnten viel dafür tun, sich zu engagieren. Sie rief die Gemeinde förmlich auf, in vielen Stellen der Gesellschaft könne man sich gegen den Krieg positionieren. "Friede ist noch nicht, Friede muss noch werden!" Ihr deutliches Statement zum Schluss: "Wenn wir uns hier versammeln im Gedenken, dann tun wir das, um Frieden für die Zukunft zu sichern."

Apokalypse

für die Stadt

Wie eine Bekräftigung darauf erklang das ergreifend-innige Kyrie (Herr, erbarme dich) aus der "Messe brève Nr. 7 aux chapelles in C-Dur" von Charles Gounod, die von den vier Gaggenauer Chören unter der Leitung von Frank Herm, dem Organisten und Leiter des Kirchenchors von St. Josef/St. Marien gesungen wurde.

Der katholische Kirchenchor, MGV Sängerbund Gaggenau, Gewerbegesangverein Gaggenau und der evangelische Kirchenchor waren im Gloria ausdrucksstark und positiv, mit dem "miserere nobis" dann sehr zu Herzen gehend angesichts des Gedenkens der Angriffe: "Erbarme dich unser".

Die Ansprache von Oberbürgermeister Christof Florus war geprägt von bewegenden Aussagen einiger Zeitzeugen. Die Dramatik der damaligen Fliegerangriffe fasste er in bedrückender Weise zusammen: "Was sich vor 75 Jahren in unserer Stadt ereignet hat, brachte für Gaggenau Zerstörungen apokalyptischer Dimension - doch damit nicht genug: Die Katastrophe sollte sich am 3. Oktober 1944 wiederholen, als ein weiterer Luftangriff Gaggenau schwer traf. Der Zweite Weltkrieg, den Hitler- Deutschland vom Zaun gebrochen hatte, war jetzt in seinem ganzen infernalischen Ausmaß endgültig auch in Gaggenau angekommen."

An die Gemeinde gewandt mahnte er: "Wir gedenken heute aller unschuldiger Opfer der Luftangriffe auf Gaggenau. Heute können wir nur alles in unserer Kraft Stehende dafür tun, dass solche unermesslichen Tragödien sich nicht mehr wiederholen."

In den drei weiteren Sätzen der Missa brève zeigte sich das große Ensemble der vier Chöre unter dem behutsamen Dirigat von Frank Herm in einer beeindruckend homogenen Weise und unterstrich mit variabel und differenzierter Stimmführung das Anliegen der Gedenkfeier. "Im Agnus Dei" ging das inständig stille Bitten um Frieden direkt unter die Haut: "Dona nobis pacem".

Diese Bitten um Frieden und Gerechtigkeit wurden in den Fürbitten des "Arbeitskreises Friedensgebet Gaggenau" nochmals bekräftigt: "Gib uns Kraft, Mut und das Durchhaltevermögen, dass wir uns gemeinsam für eine friedliche und gerechte Zukunft für alle Menschen einsetzen."

Das meditative Orgelnachspiel von Katrin Düringer als Abschluss der würdevollen Gedenkfeier ließ den Teilnehmern Raum für eigene Gedanken - im respektvollen Gedenken an die Opfer jeglicher Gewalt.

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