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Rückzug nach fast drei Jahrzehnten
Rückzug nach fast drei Jahrzehnten
14.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Gaggenau - Wegen eines Formfehlers musste der Schwimmbadverein Kuppelsteinbad Ottenau seine bereits im Mai absolvierte Jahreshauptversammlung am Donnerstag wiederholen. Viele Fragen zur Organisation und der Zukunft des Vereins standen dabei im Raum. Eine der wohl wichtigsten Veränderungen betrifft die Vereinsspitze. Nicht mehr im Vorstand vertreten ist Georg Schnaible. Der langjährige Vorsitzende stellte sich aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen nicht mehr der Wiederwahl. Zukünftig wird der Verein von einem Dreiergremium geleitet, verstärkt von zwei Beisitzern.


Zeitweise ging es äußerst turbulent in der Räumlichkeit des Ottenauer Carneval Clubs (OCC) zu. Ordnungsrufe waren notwendig. 69 stimmberechtigte Mitglieder hatten über die Vorstandsspitze zu entscheiden. An der geheimen Wahl, zu fortgeschrittener Stunde, beteiligten sich dann zwischen 60 und 66 Personen. Mit 47 Ja-Stimmen wurde Heidi Schottmüller (16 stimmten mit Nein, drei enthielten sich) zur Vorsitzenden des Bereichs Finanzen gewählt.

Als noch nicht amtsmüde kann Ralf Wolf bezeichnet werden. Er gehört als einziger des im Frühjahr gewählten Vorstands weiterhin als Verantwortlicher für die Technik dem Gremium an. Für ihn stimmten 59 Mitglieder, sechs mit Mein und einer enthielt sich der Stimme.

Für die Vereinsverwaltung ist künftig Carola Henze zuständig. Sie wurde mit der Mehrheit von 62 Stimmen gewählt, drei der Anwesenden sprachen sich gegen sie aus. Den Vorstand komplettieren die Beisitzer Christian Müller und Roland Flügler. Die Kassenprüfer sind Daniel Maisch und Mareike Loose. Sie werden von Simone Weickenmeier und Wolfgang Lang vertreten.

Stehender Applaus der Mitglieder

In einer emotional gehaltenen Abschiedsrede ging Schnaible auf die Gründe für seinen Rücktritt ein. Bei der im Frühjahr stattgefundenen und beanstandeten Jahreshauptversammlung hatte er noch auf der Wahlliste gestanden. Er machte gesundheitliche Gründe und Angriffe seitens einzelner Mitglieder für seinen Rückzug verantwortlich. Diese Attacken hätten ihm zugesetzt. Was er sich habe anhören müssen, "passte auf keine Kuhhaut", so Schnaible. 27 Jahre war er in den unterschiedlichsten Funktionen im Vorstand vertreten.

Zudem sei es nicht möglich, einen Beruf auszuüben und in der Freizeit ein mittleres Unternehmen zu führen. Denn um ein solches handle es sich beim Schwimmbadverein Kuppelsteinbad mit einem Jahresumsatz von rund 175 000 Euro, wie Gespräche unter anderem mit Unternehmensberater, Versicherungen und Rechtsbeiständen ergeben haben.

Die Überlegungen führten letztendlich dazu, auch Haftungsfragen neu zu überdenken. Laut Vereinsrecht kann ein Vorsitzender haftbar gemacht werden, wenn es zu einem Schaden kommen sollte. "Haus und Hof können dann weg sein oder derjenige im Gefängnis sitzen." Es falle ihm schwer, loszulassen, aber es gehe nicht mehr, so Schnaible.

Trotz aller Differenzen und Dissonanzen verabschiedeten sich die Mitglieder mit stehendem Applaus von ihrem Vorsitzenden. "Der Verein ist etwas Besonderes", sagte auch Oberbürgermeister Christof Florus. Zunächst habe man seitens der Rathausspitze ein schlechtes Verhältnis zu dem Verein gehabt, "doch wir sind Freunde geworden", betonte Florus und würdigte das außerordentliche Engagement des Vorstands und der aktiven Vereinsmitglieder. Von einer immensen Belastung sprach der frühere Vorsitzende Hubertus Merkel. Mathias Albrecht, ehemaliger Ortsvorsteher von Hörden, wies darauf hin, dass es mutige Männer und Frauen waren, die sich damals für das Schwimmbad einsetzten.

Was ist in den zurückliegenden Monaten geschehen? Nicht zuletzt die Beschäftigung mit der Frage, wann der Verein für welche Schäden in die Haftung genommen werden kann, führte zu veränderten Öffnungszeiten. Auch im Hinblick darauf, dass mit der Schließung des Waldseebads das Vereinsbad faktisch zu einem öffentlichen Bad wurde. Deshalb entschlossen sich die Verantwortlichen, auch nach intensiven Gesprächen mit der Stadtverwaltung und den Stadtwerken dafür, von 10 bis 14 Uhr das Bad nur für Mitglieder zu öffnen. Danach ist die Einrichtung für jedermann nutzbar, auch für Vereinsmitglieder. Ab diesem Zeitpunkt stellt sich für den Verein die Haftungsfrage nicht mehr.

Möglich macht dies die Beschäftigung städtischer Bademeister, die vom Verein auf Basis eines geschlossenen Vertrags mit den Stadtwerken finanziert werden. Dieser gilt bis zum 30. September 2023. Das "Warum" begründete der bisherige Kassierer Ralf Wolf mit dem hohen Risiko für Verein und Vorstand. Er sprach wie Schnaible von einer gewissen Blauäugigkeit in den zurückliegenden Jahren.

Überdies lieferte die unterschiedliche Bezahlung der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Badeaufsichten reichlich Diskussionsstoff.

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