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Rotes Mäntele und eine tote Gräfin
Rotes Mäntele und eine tote Gräfin
16.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Veronika Gareus-Kugel

Forbach - Die Sagen und Erzählungen des Murgtals haben selten ein glückliches Ende. Auch könnten zarte Gemüter nach dem Lesen Schaden nehmen. Feuersprühende Kutschen, die Kreise hoch über Langenbrand ziehen, ein Kind, das Wasser holen geht und auf Nimmerwiedersehen verschwindet, oder gar ein Mord ließen die Zuhörer schaudern. Die Teilnehmer der Vollmondwanderung mit Schwarzwaldguide Bernd Schneider ließen sich dieses Erlebnis nicht entgehen.





Vom Bahnhof des Murgtaldorfs aus machte sich die Schar auf, um die Gegend um Langenbrand zu erkunden. Geologisch betrachtet war der Start auf Granit- und der Endpunkt auf Sandsteinniveau. Dazwischen, so war zu erfahren, liegt der Quellhorizont, die wasserführende Schicht.

Wie alt Langenbrand genau ist, vermochte Schneider nicht zu sagen. Aber warum genau an dieser Stelle sich die frühen Siedler im 13. Jahrhundert niederließen, wusste er. Es war der zunehmende Holzbedarf, der eine Besiedlung das Murgtal aufwärts sowie abwärts in Gang setzte. Gesiedelt wurde auf den Hochflächen, da die steil zum Fluss abfallenden Hänge eine solche nicht zuließen.

Die Gruppe erwanderte sich Höhenmeter für Höhenmeter, nicht ohne die Schönheit der Natur am Wegesrand und die oft wunderbaren Aussichten zu genießen. Schneider lenkte die Blicke der Wanderer auf eine Babykreuzotter, die den mittleren Weg kreuzte, auch eine Gottesanbeterin hatte es sich am Wegesrand gemütlich gemacht. Ebenso erweckten die im dortigen Gelände weidenden Ziegen Aufmerksamkeit.

Jeder Punkt, an dem die Wanderschar rastete, hatte einen literarischen Bezug. Der Schwarzwaldguide zitierte Bestimmungen aus der Landesordnung der Ebersteiner, die heute kurios anmuten. So durfte ein jung vermähltes Paar maximal 50 Gäste zur Hochzeitsfeier einladen. Ebenso sollte der Wert des Geschenks dreieinhalb Pfennige nicht übersteigen.

Feuriges Fuhrwerk sorgt für Angst

Er erzählte der konzentriert zuhörenden Wandergruppe die Sage vom "Wilden Gfehr" (Fuhrwerk) - eine schauerliche Geschichte, die seinerzeit die Dorfbevölkerung in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Auslöser soll ein Feuer sprühendes vierspänniges Fuhrwerk gewesen sein, gezogen von vier grimmig dreinschauenden Rappen, das hoch über den Füllenfelsen erschien und über das Dorf hinwegfegte. So manch armer Dorfbewohner soll beim Anblick des Leibhaftigen ganz schnell seine Sünden bereut haben.

Die nächste Schauergeschichte drehte sich um ein Mädchen mit rotem Mantel und roter Mütze. Die Mutter schickte es zum Wasser holen an den Dorfbrunnen. Danach verliert sich die Spur des Mädchens. Unterhalb der Hohen Schaar wurde der Mantel des Kindes gefunden. Seitdem heißen die Felsen dort "rote Mäntelefelsen". Eine Besonderheit ist auch der Brunnen, dessen Wasser scheinbar aus einem Stamm herausfließt. Der Bau des Stauwehrs 1925 und der damit in Verbindung stehende Tod mehrerer junger Menschen war ebenfalls Gegenstand seiner Erzählungen.

In der Dämmerung erreichte die Wandergruppe dann den Grundplatz, empfangen von heiteren Klängen, präsentiert vom Gierstein-Duo. Bei dieser Rast hatten die Wanderer Gelegenheit, den von Alwin Merkel produzierten Rotwein zu probieren, gewonnen aus auf 100 Quadratmetern angebauten Regent-Trauben.

Danach lautete das Thema Mord, der zunächst als Unglücksfall abgetan wurde. Wolfram Klumpp verarbeitete diese Begebenheit zu einem spannenden Buch. Die Zeitungsmeldung, die den Langenbrander Autor auf die Spur gebracht hatte, trug Maria Roth vor, während sich die Nacht über die Wanderer senkte.

Im Mittelpunkt steht der mysteriöse Tod der Gräfin Laura von Arnim. Da wurde der hell scheinende Vollmond, der mit seiner Schönheit hinterm Berg hielt, glatt zur Nebensache. Die nur noch schemenhaft erkennbaren Bäume und die Geräusche des nächtlichen Waldes machten das Ganze noch geheimnisvoller. Ein Steinkreuz beim Friedhof erinnert noch an die Adelige.

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