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20 Jahre Ortsvorsteherin
26.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Elke Rohwer

Gaggenau - "Ich kann mich noch gut an ein Gespräch erinnern, das ich mit einer Bürgerin vor der Bäckerei in Oberweier geführt habe. Das war vor etwa 25 Jahren. Es ging um Oberweier und um Themen, für die man sich einsetzen sollte. Das war für mich wie ein Schlüsselerlebnis. Von da an hatte ich den Wunsch, mich für Oberweier einzusetzen und bei den Oberweierer Bürgern herauszuhören, wo der Schuh drückt." Das sagt Rosalinde Balzer. 20 Jahre lang war sie Ortsvorsteherin des Keschtedorfs. Heute wird die 68-Jährige von Oberbürgermeister Christof Florus offiziell aus diesem Amt verabschiedet.

Balzer ist eine Frau, die ihre Ziele mit Ehrgeiz und Ausdauer verfolgt und sich auch durch Niederlagen nicht entmutigen lässt. Das gilt für ihre Zeit als Ortsvorsteherin, aber auch für ihr Berufsleben. Nach ihrer Tätigkeit als Bürokauffrau sattelte sie mit 36 Jahren um und absolvierte eine Altenpflegeausbildung. Danach war sie zunächst in der häuslich en Pflege tätig, danach im Hospizdienst und bis 2012 als Heimleiterin.

1994 kandidierte sie erstmals für den Ortschaftsrat und wurde als einzige Frau ins Gremium gewählt. Fünf Jahre später übernahm Balzer von ihrem Vorgänger Helmut Böttcher das Amt des Ortsvorstehers.

Fragt man die scheidende Ortsvorsteherin heute nach großen Themen und Ereignissen während ihrer Amtszeit, muss sie nicht lange überlegen: "Die Erschließung der Baugebiete allgemein, wie der Bereich ,Pfarrgarten' im Jahr 2000, war bedeutend. Ein weiteres Highlight war der Bau der Festplatzüberdachung. Dabei hat die Vereinsgemeinschaft zusammengehalten, alle haben mit angepackt. Nach fünf Monaten konnte das Projekt abgeschlossen werden. Ein Höhepunkt war für mich auch die 900-Jahr-Feier von Oberweier 2002. Das ganze Jahr über gab es Jubiläumsveranstaltungen. Das war gigantisch."

Enttäuscht zeigt sich Balzer beim Gedanken an die geschlossenen gastronomischen Betriebe im Ort. Auch, dass es in Oberweier keine ärztliche Versorgung mehr gibt und das als Genossenschaftsmodell angedachte Lebensmittelgeschäft nicht realisiert werden konnte, bedauert sie. Zu den Themen, die in absehbarer Zeit anstehen sollen, gehört neben dem Baugebiet Mergelacker auch die Neugestaltung des Dorfplatzes. "Hier sollte man weitsichtig denken und den Ansprüchen der politischen wie auch der kirchlichen Gemeinde gerecht werden."

Neben den zahlreichen großen und kleinen Themen liegt ihr die Inklusion besonders am Herzen. "Die Grundschule in Oberweier hat mittlerweile einen zweiten Zugang über eine Rampe. Doch es gibt noch viel mehr zu tun, auch in der Gesamtstadt! Dabei denke ich zum Beispiel an die Behindertenparkplätze in der Hauptstraße, Ecke Bahnhofstraße. Es ist ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist, denn die Betroffenen stehen beim Aussteigen direkt auf der Fahrbahn. Außerdem können die Behindertenparkplätze in der Tiefgarage nur genutzt werden, wenn das City-Kaufhaus geöffnet hat, denn der Fahrstuhl endet dort. Wenn ich zum Beispiel an die kurzsichtigen Diskussionen im Stadtrat denke über eine zweite Rampe im Bereich des Jahnhallen-Foyers, frage ich mich, ob die Bedeutung von Inklusion in den Köpfen der Leute angekommen ist."

In den vergangenen 20 Jahren hat Rosalinde Balzer einige technische Entwicklungen erlebt als Ortsvorsteher. Für schriftliche Anfragen wurden anfangs Formulare verwendet, die per Fax an die Stadtverwaltung gesendet wurden, heute läuft der überwiegende Teil der Kommunikation über E-Mail. "E-Mails sind Fluch und Segen zugleich. Das persönliche Gespräch, wie es früher im Vordergrund stand, gibt es heute seltener."

Die scheidende Ortsvorsteherin blickt gern auf ihre Amtszeit zurück, in der Hartnäckigkeit oft ebenso gefragt war wie Geduld. Stürmische Zeiten hat sie einige erlebt. Im privaten Rahmen fand sie beim Bügeln und Kastanienschälen zur inneren Ruhe zurück. Ob es in ihrem Leben künftig ruhiger wird, ist zu bezweifeln. Denn auch in den kommenden fünf Jahren gehört sie dem Ortschafts- und dem Stadtrat an. Darüber hinaus wohnt sie verschiedenen Ausschüssen bei und ist Vorsitzende des Vereins Gaggenauer Wohngemeinschaften und des Fördervereins zur Heimatpflege Oberweier.

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