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Ein Naturbad ist kein Krötentümpel
02.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Sie müssen draußen bleiben. Draußen vor dem Freibadgelände, aber auch weg von der Straße. Fest steht: Amphibienschutz im und beim künftigen Waldseebad wird in den nächsten Jahren viel Geld kosten. Der Gemeinderat billigte nun ein Konzept.

Viele Fragen standen im Raum bei der jüngsten Sitzung am Montag. Ging es doch um ein Leitsystem für Amphibien, das Hans-Joachim Zurmöhle vom Büro für Landschaftsschutz in Waldkirch vorstellte. Stadtrat Dr. Wolfgang Nießen (Grüne) brachte es schließlich auf den Punkt: "Was soll geschützt werden: Amphibien vor den Badegästen oder Badegäste vor Amphibien?"

Letztlich beides, so kann man festhalten. Schließlich sind Frösche und Lurche im und am Naturbadteich nicht für jeden Badegast angenehm. Doch geht es zunächst einmal darum, die Amphibien im zeitigen Frühjahr außen vor zu lassen: Auf ihren Laichzügen sollen sie möglichst an den Becken vorbei geleitet, aber auch nicht auf der Zufahrtstraße platt gefahren werden. Wenn eine streng geschützte Art wie der Grasfrosch erst mal seinen Laich im Naturbad abgelegt hat, dann kann das die Arbeiten zur Saisonvorbereitung zum Stillstand bringen, gab Lothar Schnaible zu bedenken, der städtische Bäderbeauftrag te.

Neben den reinen Bau- und daraus resultierenden Folgekosten rückte eine Frage in den Mittelpunkt: Mit welchen Leuten kann langfristig das Aufsammeln - also das Retten - von Amphibien gewährleistet werden? Elke Henschel, Leiterin der Abteilung Umwelt im Rathaus, machte deutlich, dass diese Arbeit kein Spaziergang ist: "Man läuft im Dunkeln mit Stirnlampe und mit Eimern mit Kröten in der Hand über Stock und Stein." Dazu komme die "Problematik mit Restaurantbesuchern", die sich motorisiert nicht immer rücksichtsvoll gegenüber den Helfern am Straßenrand verhielten.

Bei einer Enthaltung (Martin Hahn, FWG) billigte das Gremium Zurmöhles Konzept:

Herstellung eines dauerhaften Amphibienleitsystems am Parkplatz: 67 000 Euro.

Dauerhaftes Leitsystem um das Regenerationsbecken: 11 000 Euro.

Dauerhaftes Leitsystem nah um die gesamte Beckenanlage: 130 000 Euro.

Ersatzlaichgewässer: 5 000 Euro.

Die Herstellungskosten sind in der bisherigen Planung für das Waldseebad bereits enthalten, versicherte Bürgermeister Michael Pfeiffer. Gegenüber anderen Entwürfen habe man nun geringeren Pflege- und Unterhaltungsaufwand, machte Zurmöhle geltend. Es müssen auch keine Bachläufe gequert werden, und das System lasse sich besser in die Grünanlage integrieren. Bei den Folgekosten summiert auf 25 Jahre müsse man mit etwa dem Drei- bis höchstens dem Fünffachen der Herstellungskosten rechnen.

Für die CDU signalisierte Andreas Paul Zustimmung. "Schade" sei es überdies, "dass man in so umweltbewussten Zeiten wie heute nicht genügend ehrenamtliche Helfer hat." "Sehr pflegsam" müsse die Stadt mit den vorhandenen Ehrenamtlichen umgehen.

Heinz Adolph sagte für die FWG, das Konzept werde "vollumfänglich" unterstützt, doch dürften die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

Gerd Pfrommer (SPD) sieht beide Ziele nun verwirklicht: Die Amphibien bleiben draußen, und ihr Lebensraum werde geschützt. Eric Peplau (Grüne) hofft, "dass die Ersatzlaichgewässer funktionieren". Möglicherweise sei die Gründung eines Vereins sinnvoll. Michael Müller (AfD) sagte, das Geld sei im Waldseebad gut angelegt. Er regte an, eventuell den "Tag für Gaggenau" in die ehrenamtliche Arbeit zum Amphibienschutz zu integrieren.

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