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"Lokomotivführer und Ideengeber"
'Lokomotivführer und Ideengeber'
04.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Joachim Birk

Forbach - Nach drei Jahrzehnten als Ortsvorsteher reichte Achim Rietz den Stab an seinen Nachfolger weiter. In einer Feierstunde würdigten Bürgermeisterin Katrin Buhrke und zahlreiche Weggefährten das außergewöhnliche Engagement von Rietz.

Der Saal der Gausbacher Festhalle war voll besetzt, als Achim Rietz die letzte Ratssitzung unter seiner Ägide einläutete. Unter den Feiergästen befanden sich neben vielen Wegbegleitern seines Wirkens auch Werner Krämer und Robert Reif als Ehrenbürger, der Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker sowie Bürgermeisterin Buhrke, die gekommen war, um "nach 30 Jahren Adieu zu sagen". Sogar der Weg ins Archiv sei notwendig gewesen, so Buhrke, um den Spuren des langjährigen Wirkens von Rietz nachzugehen.

Im Jahr 1989 hatte Achim Rietz die Nachfolge von Lothar Krämer als Ortsvorsteher angetreten. Der engagierte Lokalpolitiker, hauptamtlich im Polizeidienst tätig, brachte schon bald nachhaltige gestalterische Impulse in das Dorfgeschehen ein. 1992 reiften die Pläne für eine Neugestaltung der Murgtalstraße, die zwei Jahre später umgesetzt und 1995 mit einem Dorffest gefeiert werden konnte. Gemeinsam mit dem Schwarzwaldverein setzte Rietz ein Konzept an Themen-Wanderwegen um. Der Brunnenweg, der Sagenweg und Märchenweg mit liebevoll gestalteten Details haben der Gesamtgemeinde zusätzliche Attraktionen und eine Aufwertung als Wanderziel beschert. 1999 wurden diese in einem ersten Gausbacher Wanderfest unter dem Motto "Kunst, Kultur und Kulinarisches" vorgestellt.

Ein weiterer ortsprägender Meilenstein in der Amtszeit von Rietz war der Umbau der Festhalle ab dem Jahr 2002. Weiter berichten die Annalen der Gemeinde von den Kinderkultur-Projekten, die der Ortsvorsteher mit auf den Weg gebracht hat, von der Straßenmal-Aktion im Jahr 2005, dem Papierflieger-Wettbewerb und 2010 dem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde, als man das längste Brett der Welt - 45,15 Meter lang aus einem Stück - erschaffen hatte. Als besonderes Highlight unter der Regie von Rietz gilt die Ausrichtung der 675-Jahrfeier mit großem Straßenfest und der Teilnahme an der TV-Show "Wetten dass ...".

Rietz, der selbst seine bisherige Rolle im Dorf als "Lokomotivführer und Ideengeber" sieht, habe Spuren hinterlassen, wie Bürgermeisterin Buhrke zusammenfassend würdigte. So trügen auch prägende Sanierungsprojekte wie das Rathaus, der neu gestaltete Spielplatz oder die Außenanlage der Kirche die Handschrift des scheidenden OV. Auf kommunaler Ebene habe er alle Ämter bekleidet bis auf das des Bürgermeisters. "Da brauchen Sie keine Angst zu haben," beschwichtigte Rietz humorvoll.

Der Gewürdigte selbst sieht sein Ausscheiden aus der Kommunalpolitik mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sein Blick ging während der Verabschiedung zurück zu den Anfängen seines Wirkens: Ziviler Ungehorsam sei es gewesen, der ihn auf die lokalpolitische Bühne gebracht habe.

Anfang der 1980er Jahre war es der Widerstand gegen Pläne zum Umbau der Murg, später gegen ein geplantes Schotterwerk bei Langenbrand. Dieser Einsatz in der damaligen Bürgerprotestbewegung habe ihn auf die Wahlliste für den Ortschaftsrat gebracht.

Für die Belange seines Heimatdorfs hat sich Rietz im Lauf der Jahre mit drei Forbacher Bürgermeistern auseinandergesetzt, "jedoch immer so, dass man sich danach weiter in die Augen sehen kann". So erinnerte er sich auch an das Ringen um Fördergelder für die Neugestaltung der Murgtalstraße.

Der damalige Bürgermeister Paul Krey habe ihm die Mittel schließlich zugesichert unter der Maßgabe, selbst das Projekt zu leiten. Dadurch habe er viel gelernt und am Ende, nach intensiven Gesprächen mit jedem einzelnen Anwohner, eine einvernehmliche Zustimmung "bis in jede einzelne Hofeinfahrt hinein" erreichen können.

Rietz indessen, bei Amtsantritt mit 32 Jahren der jüngste Ortsvorsteher im Landkreis und nun, nach drei Jahrzehnten des Einsatzes der langjährigste Gausbacher "Schultes", trat symbolträchtig vom Podium ab, um auf dem bereitgestellten politischen "Rentnerbänkchen" Platz zu nehmen. Zahlreiche Glückwünsche und Danksagungen machten deutlich, welch hohe Wertschätzung sich der Ortsvorsteher in seiner Amtszeit erworben hat. Angefangen von den Vertretern der örtlichen Vereine, über den Ortschaftsrat, bis zur Fraktion der Freien Wähler, deren Vorsitz Rietz viele Jahre inne hatte.

Persönliche Freunde und Wegbegleiter in der Lokalpolitik bedankten sich mit einer launigen Videobotschaft. Dabei wurden die vielfältigen Züge seiner Persönlichkeit deutlich: Der begeisterte Kletterer und Wanderer, Radler und Hobbymaler genauso wie der Fastnachter, der Buchautor und Freizeithistoriker Rietz.

Einen besonderen Gruß überbrachten Hannes Wunsch und Horst Stelzer mit eigens vertonten Gedichten von Hermann Hesse.

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