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Wie geht es nach dem Aufschwung weiter?
Wie geht es nach dem Aufschwung weiter?
08.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Thomas Senger

Gaggenau - Die schwächelnde Nachfrage im Nutzfahrzeugbereich hat im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau erste Spuren hinterlassen. Möglicherweise steht dem Standort über den Jahreswechsel eine längere Betriebsruhe als bislang üblich bevor. Im Bereich schwere Getriebe hat es seit dem Sommer bereits einzelne Betriebsruhetage gegeben.

Man sei mitten in der Diskussion mit der Standortleitung, erläuterte Michael Brecht gestern. Mutmaßungen über eine vierwöchige Betriebsruhe könne er nicht bestätigen, sagte der Betriebsratsvorsitzende des Werks und Gesamtbetriebsratsvorsitzende weiter. Im Moment rechne er damit, dass der 18. Dezember dieses Jahr der letzte Arbeitstag im Getriebebereich sein werde - ein paar Tage früher als gewöhnlich, "aber wir diskutieren das noch, und es hängt von unserem Werk in Wörth ab." Ein Daimler-Sprecher in Stuttgart sagte gestern auf BT-Anfrage: Aktuell ist nichts in Planung bezüglich verlängerter Betriebsruhe."

Im Pkw-Sektor des Konzerns sieht es besser aus. Mit Blick auf das Pkw-Werk in Rastatt sagt Brecht: Die Zahl der monatliche Verkäufe sei gut, gleichwohl "hätte man sich etwas mehr erwarten können".

Für den Standort Gaggenau hingegen müsse er feststellen: "Der Nfz-Bereich läuft aus meiner Sicht derzeit völlig unbefriedigend." Dieser allerdings ist maßgeblich für einen großen Teil der Produktion. Deshalb wurden seit Sommer einzelne Tage Betriebsruhe im schweren Getriebebau eingelegt, um fehlende Aufträge aus dem Abnehmerwerk Wörth abzufedern. Betriebsruhetage habe es auch dort bereits gegeben, so Brecht.

Dank der guten Auftragslage im Pkw-Bereich versuche man, Personal aus dem Nfz-Sektor abzuordnen. "Für Gaggenau ist gut, dass wir nicht nur den Nutzfahrzeugbereich haben. Wenn es Überhänge gibt, können wir die ein stückweit über die verschiedenen Bereiche hinweg ausgleichen."

60 Leiharbeiter

müssen gehen

Erste Leidtragende der Flaute gebe es bereits: Ende Oktober werden die Verträge von 60 Leiharbeitern auslaufen und nicht verlängert, sagte Brecht: "Das haben wir leider nicht verhindern können." Insgesamt beschäftige der Standort derzeit rund 230 Leiharbeiter. Immerhin habe man im September 37 in ein festes Verhältnis übernommen. Bei den übrigen sei das Arbeitsverhältnis bis Ende Februar verlängert worden; bis dahin hoffe man auf bessere Signale bei den Nutzfahrzeugen. Bis auf weiteres habe man die Option einzelner Betriebsruhetage, richtet der Betriebsratsvorsitzende den Blick nach Wörth. "Nun kommt es darauf an: Wie läuft dort das alte Jahr aus und das neue Jahr an."

In den vergangenen neun, zehn Jahren seit der Wirtschaftskrise "haben wir Stück für Stück die Produktion hochgefahren", gab Brecht zu bedenken; nun sei diese ein Stück weit rückläufig. Bis zum Sommer habe man eine gute Auftragslage verzeichnet. Die Rahmenbedingungen hätten sich aber verschlechtert. "Über die letzten zwei Jahre hat man alles Mögliche getan, um die Weltkonjunktur abzuwürgen", stellt Brecht bitter fest. Nun verzeichne man große Zurückhaltung bei Investitionsgütern. In Europa und USA sei der Nfz-Markt etwas rückläufig; in der Türkei liege er am Boden: "Wir verkaufen in der Türkei derzeit so gut wie keine Trucks mehr." Positive Signale kämen aus Brasilien; Doch mit 70 000 bis 80 000 Einheiten habe man erst gut die Hälfte dessen erreicht, was dort in einem guten Jahr verkauft wurde.

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