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Brückenmühle in bester Gesellschaft
Brückenmühle in bester Gesellschaft
11.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Stephan Juch

Gernsbach - "Wir sind als Stadt sehr verärgert, dass die Brückenmühle so dasteht." Bürgermeister Julian Christ wird im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt sehr deutlich, als er angesichts des erneut gescheiterten Verkaufs des stadtbildprägenden Gebäudes zur weiteren Entwicklung desselben Stellung beziehen soll. Fakt ist, dass der geplante Eigentümerwechsel der Immobilie von der KSB Project Invest GmbH (Baden-Baden) an die Deutsche Baukultur (Heusenstamm / Hessen) gescheitert ist, der Kaufvertrag rückabgewickelt wurde. Alles weitere steht aktuell in den Sternen.

Christ selbst sei vom Notar über die jüngste Entwicklung der "unendlichen Geschichte" informiert worden, habe daraufhin die Fraktionssprecher des Gemeinderats in Kenntnis gesetzt und versucht, mit dem Geschäftsführer der KSB, Oleg Storm, in Kontakt zu treten. Letzteres sei bislang erfolglos geblieben, was der Rathauschef sehr bedauere. Denn: "Es gibt eine lange Liste an Interessenten aus der Region, die bereit wären, die Brückenmühle zu kaufen." Darunter befinden sich laut Christ mehrere, die - wie die Stadt - ein nachhaltiges Interesse an der Entwicklung des größtenteils denkmalgeschützten Hauses haben. "Aber wenn Herr Storm den Telefonhörer nicht abnimmt, kann man nichts machen", zeigt sich Christ frustriert.

Dennoch habe der Bürgermeister nach wie vor die Hoffnung und den festen Willen, dass sich bald etwas bewegt und dass der langjährige Stillstand einer neuen Dynamik weicht. Schließlich seien die Voraussetzungen für eine stadtverträgliche und zukunftsfähige Investition in die Brückenmühle nach wie vor sehr gut: "Steuerlich ist die Sache attraktiv", verweist Christ auf die Denkmalschutzförderung und die Geldquelle aus dem zum Grundstück gehörigen Wasserkraftwerk. "Die Stadt ist bereit, zu unterstützen", ruft der Schultes dem Eigentümer zu: "Wir hätten alle Möglichkeiten, einen vertrauensvollen Käufer zu finden."

Lange Liste an



Kaufinteressenten

Sollte sich in absehbarer Zeit keine Entwicklung am Tor zur Gernsbacher Altstadt abzeichnen, drängt der Bürgermeister darauf, die gesetzlichen Möglichkeiten der Enteignung verstärkt in den Blick zu nehmen. Diese Forderung wurde zuletzt auch vermehrt im Zusammenhang mit der Ruine Hundseck, der Bühlerhöhe, dem Plättig und dem Sand laut. Denn Grundgesetzparagraf 14 besagt nicht nur, dass Eigentum verpflichtet, sondern auch, dass sein Gebrauch zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll.

Christ ist sich bewusst, dass dieses letzte Mittel schwer zu erreichen sein dürfte. Er möchte damit in erster Linie der Dringlichkeit einer Entwicklung dieses städtischen Schmuckstücks Nachdruck verleihen. Das hatte er bereits getan, indem die Stadt auf seine Initiative hin fast ein Jahr lang alles versuchte, um Eigentümerin des Gebäudes zu werden. Im März 2018 hatte der Gemeinderat die sanierungsrechtliche Genehmigung zum Verkauf des stadtbildprägenden Gebäudes untersagt und ein Vorkaufsrecht geltend gemacht. Hintergrund war der zwischen KSB und Deutsche Baukultur ausgehandelte Kaufpreis für die Brückenmühle von 1,6 Millionen Euro - bei einem gutachterlich ermittelten Verkehrswert von 870 000 Euro. Weil die Brückenmühle im Geltungsbereich des Sanierungsgebiets Innenstadt Mitte II liegt und bei der Projektentwicklung Zuschüsse fließen, hat die Stadt beim Verkauf ein Vetorecht. Auf Anraten ihrer Kanzlei Deubner Kirchberg hat sie dies später aber zurückgenommen, um einem drohenden, langjährigen Rechtsstreit aus dem Weg zu gehen.

Das war im November 2018. Seither hätte das Geschäft also über die Bühne gehen können. Tat es aber nicht. "Warum? Da kann sich jeder sein eigenes Bild machen", sagt Christ. Er sieht sich jedenfalls in der Vorgehensweise der Stadt bestätigt. Sie störte sich "am deutlich überzogenen Kaufpreis" und hatte mit dem Haus an der Stadtbrücke andere Pläne, nämlich daraus ein Hotel oder das neue Rathaus zu machen. Die Deutsche Baukultur hatte in der Brückenmühle einen Nutzungsmix aus Wohnen und Gewerbe samt Gastronomie angestrebt; die KSB einst (mit Unterstützung der Stadt) große Hotelpläne geschmiedet.

Auch wenn es der KSB Projekt Invest über Jahre hinweg nicht gelungen ist, das Gebäude zu sanieren, hat die Stadt kaum Einfluss auf den Privatbesitzer der Brückenmühle. So lange das Gebäude nicht in sich zusammenfällt, habe man keine Handhabe, erläutert Christ mit Verweis auf die Verkehrssicherungspflicht.

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