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Nur noch ein kleines Fünkchen Liebe
Nur noch ein kleines Fünkchen Liebe
22.10.2019 - 00:00 Uhr
Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Ziemlich schwarze Züge hatte die Komödie, die am Samstagabend am Theater in der Alten Turnhalle in Hilpertsau Premiere feierte. "Liebling, du wirst heute Nacht sterben. Ich habe dich vergiftet."

Mit diesen fast beiläufig gesprochenen Worten beginnt die Hausherrin den Dialog eines sich stumm beim gemeinsamen Abendessen gegenüber sitzenden Ehepaars. Wobei das Wort "gemeinsam" kaum vermittelbar ist. Beide sitzen sich zwar gegenüber, über ihnen an der Wand zwei Heimattreue vermittelnde Hirschbilder. Doch für den Hausherren ist die Zeitungslektüre wichtiger als das gemeinsame Essen. Diesem Satz folgt zunächst: gar nichts.

Der Hausherr, an einen lang entbehrten Scherz seiner Gattin glaubend, ist erst nach mehrmaliger Wiederholung verständlicherweise sehr lange sprachlos, und doch hofft er auf Rettung von draußen. Doch schnell macht ihm seine Frau begreiflich, dass alle möglichen Kommunikationsquellen gekappt seien, die Tür zweifach verriegelt, der Schlüssel unauffindbar versteckt. Und, um sein Wohlbefinden bedacht, mahnt sie ihn, sich nicht aufzuregen: "Weil das verabreichte Gift dann noch schneller wirken könne."

Und selbstverständlich werde sie, als liebende Ehefrau eben, ihn vorsorglich während seiner letzten Minuten begleiten. Ein bisschen Nähe schien also immer noch vorhanden, denn sie denke daran, ihn nach seinem Ableben ausstopfen zu lassen. Um ihn dann, auf Räder montiert, in der Wohnung dahin stellen zu können, wohin er zu passen scheint.

Damit er, sollte er auch mal auf dem Balkon zwischengeparkt werden müssen, sich ja nicht erkälte, entdeckt sie ihr altes Strick-Hobby wieder. Eine wärmende Mütze soll entstehen. Mehr Zuneigung geht ja nun wirklich nicht. Zwar verliert der Hausherr nun endlich seine Contenance, wird hektischer. Nicht aber, als er überlegen soll, wie er, oder am besten beide, die verbleibenden Minuten auskosten könnten.

Schauspieler Thomas Höhne brilliert darin, noch lange zwischen Sprachlosigkeit, Verzweiflung, Trotz und Sarkasmus zu irrlichtern. Ihm fällt jedoch wenig ein, als sich folgsam per Fingerhebens zu Wort zu melden und diese verzweifelt zu kneten.

Adelheid Theil sieht sich mehr als Opfer denn als Täterin. Sie verwahrt sich gegen jeden Verdacht, sie würde einen Mord begehen. Den beiden bleiben geschätzte eineinhalb Stunden, in denen sie sich bekämpfen, sich einander nochmals annähern und wieder bei sich selbst landen. Das Paar entkommt sich jedoch am Ende nicht. Der Abend beginnt quasi wieder von vorne.

Ein Liebesthriller war's, der dem französischen Autor Emmanuel Robert-Espalieu "aus der Feder floss". Und entspricht es nicht manchmal sogar dem Empfinden langjähriger, sich überdrüssiger Paarbeziehungen, auch mal ein bisschen Mordlust zu verspüren? Na also. Das Stück "Das letzte Mal" lebt neben einem nicht geringen Quäntchen schwarzem, ins Absurde gehendem Humor vor allem aber von viel Spaß - also viel zum Lachen. Das erlebten und genossen die Zuschauer in den abgefahrensten und skurrilen Dialogen, die zwischen Liebe und Mord schwanken. Und damit genau das Richtige für Thomas Höhne und Adelheid Theil, die beiden Protagonisten dieses Zweipersonenstücks.

Robert-Espalieu liebt es, in seinen Stücken von den Gefühlen zu erzählen, die uns Menschen verbinden. Sein besonderes Augenmerk wirft er dabei auf unsere kleinen Schwachstellen und alltäglich gelebte Paradoxien. Wer sich am Samstagabend auf die beiden Schauspieler einließ, der kam während der Premiere in den Genuss von Schauspiel, Akribie in Gestik und in den Dialogen. Sowohl beißende Ironie, treffsicherer Humor und trocken-makabrer Wortwitz zeichnen die Aufführung aus. Dabei wurde nichts dem Zufall überlassen: weder in Mimik, Gestik, Dramaturgie und Regie. Wer diesen vergnüglichen Genuss erleben möchte, hat dazu noch während zahlreicher nachfolgender Aufführungen im November und Dezember Gelegenheit. Karten für die Vorstellungen gibt es in der Buchhandlung "Bücherwurm" Gaggenau, an der Abendkasse bei einer der Veranstaltungen in der Gernsbacher Sonnenallee 1, vorab per E-Mail an info@alteturnhalle.de oder unter (07224) 9 94 60 33.

www.alteturnhalle.de

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